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Reiserecht | 14.07.2016

Pauschal­reisen

Stornierung einer Pauschalreise: Wie und wann kann man eine gebuchte Pauschalreise wieder stornieren?

Einmal gebucht, lassen sich Pauschal­reisen oft nur gegen hohe Gebühren stornieren

Pauschal­reisen sind in Deutschland ein Milliarden­markt - fast die Hälfte aller gebuchten Reisen sind sogenannte Veranstalter­reisen. Und schon seit Jahren steigen die Umsätze konstant. Doch einmal gebucht, lassen sich Pauschal­reisen oft nur gegen hohe Gebühren stornieren.

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Die Deutschen verreisen gerne - und sie haben es gerne bequem: Mehr als 45 Millionen Reisen wurden laut Deutschem Reise­verband (DRV) im Jahr 2015 bei Veranstaltern gebucht, ein großer Teil davon Pauschal­reisen. Doch längst nicht jeder tritt sie auch an: Krankheit, Termin­probleme, Terror­gefahr - die Liste der Gründe ist lang. Schätzungen zufolge werden Jahr für Jahr bis zu 12 Prozent der Reisen storniert - für die Verbraucher oft ein teures Vergnügen.

Umstrittene Stornogebühren

Einmal gebucht, lassen sich Pauschal­reisen nur selten kostenlos stornieren, nämlich bei höherer Gewalt. In solchen Fällen muss beispiels­weise eine Natur­katastrophe die Reise erheblich beeinträchtigen. Auch Terror oder Krieg zählen dazu. Allerdings: Nichts davon dürfe zum Zeitpunkt der Buchung absehbar gewesen sein, heißt es beim Verbraucher­portal Finanztip. Und: „Einzelne Terror­anschläge zählen nicht dazu, die gehören zum normalen Lebens­risiko.“

Bei allen anderen Gründen - Krankheit, Trennung, Todesfall in der Familie - werden Gebühren fällig. Die meisten Reise­veranstalter regeln die Storno­gebühren in ihren Allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB). Allerdings seien die nicht immer gültig, sagt Reiserechts­anwältin Grit Andersch. Auf ihrem Schreib­tisch landen immer wieder Streitig­keiten um Storno­gebühren. Denn: Deren genaue Höhe sei nicht gesetzlich geregelt, sondern werde nach einem recht komplexen System berechnet, sagt Reiserechts­anwältin Grit Andersch. Das lautet: „Reisepreis abzüglich der ersparten Aufwendungen“. Im Klartext: Dem Veranstalter stehen die tatsächlich entstandenen Kosten zu. Was er aber spart -beispiels­weise das Essen -, muss er dem Kunden erstatten. Den vollen Reisepreis darf er nicht behalten.

In der Regel orientieren sich die Storno­gebühren an Entscheidungen des Bundes­gerichts­hofs. Demnach werden normalerweise bis 30 Tage vor Reisebeginn rund 30 Prozent des Reise­preises fällig, danach erhöhen sich die Gebühren stufenweise auf 70 bis 80, manchmal sogar auf 90 Prozent. Finanztip rät jedoch, sich nicht auf diese Sätze zu verlassen: „Die Gerichte orientieren sich zwar an BGH-Urteilen, am Ende wird aber im Einzelfall entschieden, wie hoch die tatsächlichen Kosten des Ver­anstalters waren.“ Und die können bei besonders aufwendigen Reisen auch höher sein.

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Zurücktreten - aber wie?

Grund­sätzlich ist es wichtig, dass der Rücktritt nachweisbar ist, sagt Eva Klaar von der Verbraucher­zentrale Berlin. „Natürlich kann man vorab telefonisch oder per E-Mail Zurück­treten, aber man sollte immer ein Einschreiben hinterherschicken.“ Darin sollte man seine Forderungen klar formulieren und eine Frist setzen. Wichtig sei außerdem, so früh wie möglich zurückzutreten. Je später die Stornierung, desto höher die Kosten.

Sollte sich der Veranstalter nicht zurückmelden oder es zum Streit kommen, kann man sich an die Verbraucher­zentralen oder die neueingerichtete Allgemeine Verbraucher­schlichtungs­stelle wenden. Sollte all das scheitern, bleibt nur noch der Gang zum Anwalt und vor Gericht.

Überschreiben statt stornieren?

Prinzipiell kann man seine Reise gegen eine geringe Gebühr auf andere Personen überschreiben. Das ist gesetzlich geregelt. Allerdings sollte man sich vorher beim Veranstalter erkundigen, ob noch weitere Kosten anfallen, rät Reiserechts­anwältin Grit Andersch. „Manche Fluggesellschaften berechnen in solchen Fällen den ganzen Flug neu -und das kann ganz schön teuer werden.“ Wer im Bekannten­kreis keinen Ersatz findet, kann auch versuchen, seine Reise auf speziellen Internet­portalen zu verkaufen. In der Regel findet man Käufer aber nur mit erheblichen Preis­nachlässen. Man sollte sich also genau informieren, was am Ende günstiger ist: Verkauf oder Stornierung.

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Reiserücktrittsversicherung abschließen?

Reiserücktritts­versicherungen springen unter Umständen im Stornierungs­fall ein und übernehmen die Gebühren. Allerdings lohnen sie sich nicht für jeden, sagt Verbraucher­schützerin Klaar: „Reiserücktritts­versicherungen eignen sich für Familien mit kleinen Kindern, ältere Menschen und lange im Voraus gebuchte Reisen.“ Auch bei sehr teuren Reisen können sie sinnvoll sein. Finanztip rät:„Schließen Sie eine Reise­rücktritts­versicherung immer separat ab, nie direkt beim Veranstalter oder bei der Buchung auf der Website. Oft stimmt da das Preis-Leistungs­verhältnis nicht.“

Außerdem sollte man sich mit dem Klein­gedruckten befassen, denn nicht alles ist abgedeckt. Normalerweise greift die Versicherung bei einem Todesfall in der Familie oder dem unerwarteten Verlust des Arbeits­platzes. Bei Krankheiten wird es schon schwieriger: Die dürfen bei Buchung der Reise nicht bestanden haben und nicht vorhersehbar gewesen sein, sagt Klaar. Außerdem wichtig: Es zählt der Zeitpunkt der Erkrankung. Wartet man erst noch ein wenig ab und erhöhen sich in der Zeit die Storno­gebühren, kann es sein, dass die Versicherung nicht die gesamten Kosten trägt.

Stornokosten vermeiden

„Stellen Sie sicher, dass Sie wirklich fahren können und buchen Sie nicht allzu lange im Voraus„, sagt Reiserechts­anwältin Grit Andersch. „Und informieren Sie sich vor der Buchung über Veranstalter, Hotel und Angebot.“ Denn gebucht ist gebucht. „Es gibt kein Widerrufs­recht, auch nicht bei Internet­buchungen. Das ist vielen nicht klar“, so Reiserechts­anwältin Grit Andersch.

Auch Verbraucher­schützerin Klaar rät: „Haben Sie keine Eile bei der Buchung.“ Außerdem sollte man genau darauf achten, was der Veranstalter zusichert, denn nur zugesicherte Leistungen müssen erbracht werden. „Lassen Sie sich bei der Buchung den Katalog zeigen oder machen Sie bei Online­buchungen einen Screenshot von der Angebots­seite“, sagt die Verbraucher­schützerin. Nur wer Beweise hat, kann später reklamieren.

Und: Achten Sie darauf, dass Sie den Reise­sicherungs­schein erhalten. Dieser weist nach, dass der Veranstalter im Falle einer Insolvenz oder Zahlungs­unfähigkeit versichert ist. „Ohne Reise­sicherungs­schein können Sie von der Reise Zurück­treten“, sagt Grit Andersch, Anwältin in Berlin. Ohne Storno­gebühren.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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