wichtiger technischer Hinweis:
Sie sehen diese Hinweismeldung, weil Sie entweder die Darstellung von Cascading Style Sheets (CSS) in Ihrem Browser unterbunden haben, Ihr Browser nicht vollstndig mit dem Standard HTML 5 kompatibel ist oder ihr Browsercache die Stylesheet-Angaben 'verschluckt' hat. Lesen Sie mehr zu diesem Thema und weitere Informationen zum Design dieser Homepage unter folgender Adresse:   ->  weitere Hinweise und Informationen
Suche
Anwalt gesucht?
Anwalt gefunden!
Sie haben ein rechtliches Problem? Eine individuelle Rechtsfrage? Streit mit dem Nachbarn, Chef oder Ämtern?Gehen Sie auf Nummer sicher und holen Sie sich den fachkundigen Rat eines Rechtsanwalts.Hier im Deutschen Anwaltsregister finden Sie immer den passenden Rechtsanwalt in Ihrer Nähe.Nutzen Síe Ihr Recht!

Strafvollzugsrecht | 04.11.2016

Gefängnis

Trauung hinter Gittern: Wie läuft eine Heirat im Gefängnis ab und wie oft heiraten Gefangene „hinter schwedischen Gardinen“?

Häftlinge zwischen Sehnsucht, Sicherheit und Gefahr

Immer wieder lassen sich in Nordrhein-Westfalen Gefangene hinter Gittern trauen, darunter auch Schwer­verbrecher. Die JVA Geldern zählt zu den Hochzeits­hochburgen unter den NRW-Gefängnissen. Warum heiraten Menschen im Gefängnis?

Werbung

„SEHNSUCHT“ - in riesigen weißen Lettern prangt das Wort an den hohen Gefängnis­mauern der Justiz­vollzugs­anstalt (JVA) Geldern. Auf dem Weg durch die idyllische nieder­rheinische Wiesen­landschaft ist es unübersehbar. Wonach sich die 571 Männer, die hinter der grauen Mauer eingesperrt sind, sehnen? Nach Freiheit, klar, aber vor allem auch nach Liebe. „Ich möchte jemanden haben, nicht allein sein, Trost finden“, beschreibt Gefängnis­psychologin Monika Mittmann die Gemütslage jener, die hier einen ganz besonderen Schritt wagen: Heiraten hinter Gittern.

12 Gäste zur Trauung

„Romantisch ist das nicht“, sagt Anstalts­leiter Karl Schwers, als er den Raum für die Trauungen aufschließt. Rund 40 Jahre seines Lebens hat der 61-Jährige hinter Gittern verbracht. Auf der guten Seite -als Herr über zwei monströse General­schlüssel, die Türen öffnen, die für die meisten hier lange verschlossen bleiben.

Eigentlich ist dies der Besucher­raum: viele Tische, Stühle, ein paar Bilder an den Wänden, keine Fenster. Wenn hier eine Trauung ansteht, wird alles beiseite­geschoben. Zur Feier des Tages gibt es weiße Tischdecken, Kaffee und Kuchen. Maximal zwölf Personen, inklusive Anstalts­personal und Standes­beamter, dürfen anwesend sein. „Das muss reichen“, sagt Anstalts­leiter Karl Schwers. „Keine Hochzeits­nacht.“

Dennoch haben im vergangenen Jahr fünf Gefangene in Geldern hinter Gittern geheiratet. Damit zählt die nieder­rheinische Anstalt neben der JVA Werl zu den Hochzeits­hochburgen unter den Gefängnissen in NRW. Insgesamt gab es 2015 laut Landes­justiz­ministerium 29 Ehe­schließungen in den 36 Anstalten. Die Zahlen sind in NRW erstmals erhoben worden - das Bundes­justiz­ministerium hat keine.

Trauungen mit Schlagzeilen

Kriminelle, die den Bund fürs Leben in Gefangen­schaft schließen, suchen nicht die Öffentlichkeit. Einige wenige spektakuläre Fälle haben in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland Schlag­zeilen gemacht: 1973 heiratet eine Kranken­schwester den vierfachen Kinder­mörder Jürgen Bartsch. Eine Friseuse verliebt sich im Gerichts­saal in den Gladbecker Geisel­gangster Dieter Degowski, der 1991 unter anderem wegen Mordes zu lebens­langer Haft verurteilt wird. Sie heiratet ihn.

„Die Männer im Knast sind Männer - nicht anders als die, die draußen' rumlaufen und geheiratet haben“, sagt Gefängnis­seelsorger Hartmut Pleines. Ist das beruhigend? In diesen Kategorien denkt der 52 Jahre alte evangelische Pfarrer nicht. Wer ihn aufsucht, muss nicht einmal über seine Taten sprechen. Nach zweieinhalb Jahren als Gefängnis­seelsorger in der JVA Geldern kommt er zu dem Schluss: „Es gibt keine besondere Spezies Mann hinter Gittern.“

Werbung

Ehe als Sicherheitsanker

Der Wunsch, im Gefängnis zu heiraten, habe auch mit Verlust­ängsten zutun, sagt Pfarrer Pleines. „Die Ehe als Sicherheits­anker - das funktioniert aber hinter Gittern genauso wenig wie draußen.“ Deshalb fragen die Betreuer Heirats­willige oft: „Wollen Sie wirklich, dass Ihr Hochzeits­tag lebens­länglich mit dem Gefängnis verbunden bleibt?“

Eine Ehe sei nicht per se förderlich für eine stabile Beziehung oder eine günstigere Sozial­prognose, sagen die Praktiker. Pfarrer Pleines denkt an schaurige Begegnungen zurück: „Es gibt auch Frauen, wo es uns schüttelt, wenn wir mit denen Kontakt haben und wo man sich fragt: Wie kriegen wir den Mann von dieser Frau los?“ Meist gelinge das aber nicht.

Der Pfarrer macht aber auch ganz andere Erfahrungen: Männer, die kategorisch Schluss machen mit ihrer Partnerin, wenn sie hinter Gitter gehen und erklären: „Das mache ich immer so - ich gehe nie mit einer Beziehung in Haft.“ Pfarrer Pleines hält das für paradox: „Sie versuchen, Schmerz zu vermeiden, indem sie ihn selbst auslösen.“

Beziehungen hinter Gittern zu pflegen und zu erhalten ist schwer - vor allem, wenn es kriselt oder man bei einem der seltenen erlaubten Gefangenen­besuche gestritten hat. Vor allem dann kommen Männer gerne zu Pfarrer Pleines. Denn nur hier können sie vertraulich telefonieren. Ansonsten würde öffentlich, dass sie gerade Stress zu Hause haben. Eine frühzeitige Entlassung setzt allerdings ein stabiles Sozial­gefüge draußen voraus. Eine Zwickmühle.

Manche Männer versuchen, über Brief­kontakt eine Frau zu finden. Aber was ist, wenn sich dort ein Gewalt­verbrecher als lammfroher Romantiker verkauft? Alle Briefe, die die Anstalt verlassen, werden kontrolliert. „Post darf aber nur angehalten werden, wenn eine extreme Gefährdung vorliegt oder Verdacht auf eine Straftat besteht“, erläutert Anstalts­leiter Karl Schwers. Ansonsten darf bei Kontakt­anzeigen drinnen genauso geschummelt werden wie draußen.

Werbung

Strenge Besuchszeiten

Eine Partnerschaft mit einem Inhaftierten ist nichts für Zart­besaitete. Zweimal im Monat Regelbesuch, eventuell noch zweimal Langzeit­besuch (LZB) und ein Familien­besuch für Gefangene, die Kinder haben - mehr ist nicht drin.

Anstalts­leiter Karl Schwers entriegelt eine weitere der unzähligen schweren Türen seiner Anstalt. In einem Hotel würden Brautpaare vielleicht ein Schild mit der Aufschrift „Hochzeits­suite“ erwarten. Hier heißt der intimste Raum „LZB 2“. Grüne Wände, schwarzes Ledersofa, kleiner Holztisch, Waschraum, Küchenecke - der Langzeit­besuchsraum versprüht den Charme eines billigen Bahnhofs­hotels.

Der Volksmund spricht von „Sexzellen“. „Wir stellen kein Doppelbett auf“, sagt Schwers. Immerhin gibt es frische Bettwäsche, Handtücher und Kondome. „Kürzlich hat sich einer beschwert, die seien zu klein“, amüsiert sich der schnauz­bärtige Anstalts­chef. Eben alles wie draußen.

Mord in Liebeszelle

An der Tür sind ein Alarmknopf und eine Gegensprech­anlage. Nicht immer reicht das zur Sicherheit der Besucherinnen aus. Im April 2010 ersticht ein verurteilter Kinder­mörder in der JVA Remscheid seine Freundin in der Liebeszelle. In Geldern sei so etwas glücklicher­weise noch nicht passiert, sagt Anstalts­leiter Karl Schwers.

„Wir lassen nicht jede Frau unbewacht allein in den Raum“, sagt Martina Stolk. Die große blonde Frau arbeitet seit neun Jahren als Sozial­arbeiterin in der JVA. „Wir prüfen die Sicherheits­gefährdung -insbesondere bei Männern, die wegen Gewalt gegen Frauen verurteilt worden sind“, sagt die 37-Jährige. Viele Gespräche würden vor und nach den Langzeit­besuchen geführt.

Dabei stehe vor allem die „Förderungs­würdigkeit der Sozial­kontakte“ auf dem Prüfstand. Welche Beziehung wäre denn nicht förderungs­würdig? „Zum Beispiel, wenn die Partnerin und der Mann beide drogensüchtig wären“, sagt Sozial­arbeiterin Martina Stolk.

Wer glaubt, Mörder oder Vergewaltiger würden per se von Langzeit­besuchen ausgeschlossen, irrt. Anstalts­leiter Schwers hat in etlichen Jahrzehnten hinter Gittern gelernt: „Am schwierigsten sind die Betrüger. Die haben nach außen das gesellschaftskonformste Verhalten auf der Pfanne, sind aber am schwierigsten zu durchschauen.“

Dass manche mit Sozial­kontakten hinter Gittern überfordert sind, davon zeugt die lädierte Trenn­scheibe im schmalen Besucher­raum. Hier traf ein verzweifelter Häftling auf seine weinende Mutter. „Der ist ausgerastet“, sagt Anstalts­leiter Karl Schwers.

„Gute Vollzugsarbeit ist immer Beziehungsarbeit“

Auch für die Betreuer ist der Alltag hinter Gittern eine Heraus­forderung. „Gute Vollzugs­arbeit ist immer Beziehungs­arbeit“, sagt Schwers. Dabei komme es aber entscheidend auf die richtige Balance zwischen Zuwendung und Distanz an. Pfarrer Pleines betont: „Beziehungen, die wir hier anbieten, sind andere als Freund­schaft oder Partnerschaft. Die bieten wir nicht an.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
BewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertung: 5 (max. 5)  -  1 Abstimmungsergebnis Bitte bewerten Sie diesen Artikel.0





       Sie sind Anwalt?! Werden Sie ein Teil vom Deutschen Anwaltsregister (DAWR) und stellen Sie sich und Ihre Kanzlei ausführlich vor!Profitieren Sie von der großen Reichweite des DAWR und seiner Partnerportale.Klicken Sie hier und nutzen Sie jetzt Ihre Gelegenheit
auf mehr Mandate aus dem Internet!

#3318

URL dieses Artikels: https://www.dawr/d3318
 für RechtsanwälteEin Kanzleiprofil beim DAWR kann auch Ihnen helfen!