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Sozialversicherungsrecht | 18.07.2016

Erwerbs­minderungs­rente

Voraussetzungen der Erwerbs­minderungs­rente: Wann bekommt man Erwerbs­minderungs­rente?

Fragen und Antworten zum Thema Erwerbs­minderungs­rente

Krankheit oder ein Unfall können einem Arbeits­leben ein jähes Ende setzen. Und dann? Wenn ein Arbeit­nehmer nicht mehr in der Lage ist, seinen Job zu machen, kann er Erwerbs­minderungs­rente beantragen.

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Ein Erwerbs­leben dauert rund 40 Jahre - je nach Ausbildung oder Studium ein paar Jahre kürzer oder länger. Aus gesundheitlichen Gründen müssen aber jedes Jahr mehrere Zehntausend Menschen ihren Job aufgeben, bevor sie das Rentenalter erreichen. Die Haupt­ursachen dafür sind nach Angaben des Bundes­ministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) Probleme mit Gelenken und Wirbel­säule, innere Krankheiten oder psychische Beschwerden.

„Der Körper fängt oft gerade dann an zu streiken, wenn man auf dem Höhepunkt der beruflichen Laufbahn ist“, sagt Christian Westhoff, stellvertretender BMAS-Presse­sprecher. Damit aber mit der verminderten Erwerbs­fähigkeit - mit der oft der Verlust des Arbeits­platzes einhergeht - kein persönliches Drama entsteht, gibt es die Erwerbs­minderungs­rente. Die wichtigsten Informationen:

Wer hat Anspruch auf Erwerbsminderungsrente?

„Die volle Erwerbs­minderungs­rente erhält, wer weniger als drei Stunden täglich auf dem allgemeinen Arbeits­markt tätig sein kann“, erklärt Wolfgang Wawro vom Deutschen Steuer­berater­verband. Das kann wegen einer schweren oder chronischen Krankheit oder infolge eines Unfalls der Fall sein. Den Anspruch auf diese Leistung hat jeder Arbeit­nehmer, der vor Eintritt der Erwerbs­minderung mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt und in den fünf Jahren vor Beginn der Rente drei Jahre lang eingezahlt hat.

Berufs­anfänger sind im Falle eines Arbeits­unfalls vom ersten Arbeitstag an geschützt, wie Dirk von der Heide erläutert, Sprecher der Deutschen Renten­versicherung Bund. „Ein privater Unfall ist unter bestimmten Voraus­setzungen bereits nach einem Jahr Beitrags­zahlung abgesichert.“ Wichtig ist, dass die Regelalters­grenze noch nicht erreicht ist. Zudem gilt laut Dirk von der Heide der Grundsatz „Reha vor Rente“: „Zunächst wird geprüft, ob die Erwerbs­fähigkeit durch medizinische oder berufliche Reha­bilitation wieder hergestellt werden kann.“ Das Ziel ist klar: Der Arbeit­nehmer soll selbst seinen Lebens­unterhalt bestreiten können.

Die Höhe der Rente wird individuell berechnet, auf Grundlage der Versicherungs­jahre in der Renten­versicherung und den Entgelt­punkten. Oft reicht das nicht, um den Lebens­unterhalt zu bestreiten. Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung kann diese Lücke füllen.

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Gibt es eine Staffelung?

„Es wird zwischen der Rente wegen voller und teilweiser Erwerbs­minderung unterschieden“, erklärt von der Heide. Wer zwischen drei und unter sechs Stunden jeden Tag arbeiten kann, kann eine Rente wegen teilweiser Erwerbs­minderung bekommen. Zusammen mit einer regulären Arbeit sollte das Geld dann zum Leben reichen. Wer weniger arbeiten kann, soll mit der Rente den Verdienst ersetzen. Erwerbs­minderungs­renten sind prinzipiell befristet auf drei Jahre, können laut Wawro aber verlängert werden.

Gibt es Mindestvoraussetzungen beim Alter oder bei den Berufsjahren?

Fünf Jahre lang müssen Beiträge gezahlt worden sein. „Zusätzlich müssen in den fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbs­minderung drei Jahre mit Pflicht­beiträgen für eine versicherte Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit belegt sein“, erläutert Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Renten­versicherung Bund. Eine Ausnahme gibt es für all jene, die bereits vor dem 1. Januar 1984 fünf Jahre lang Beiträge gezahlt hatten: Sie können auch ohne die drei Jahre Pflicht­beiträge renten­berechtigt sein - sofern sie lückenlos weiter­gezahlt haben.

Darf man noch arbeiten, wenn man Erwerbsminderungsrente bekommt?

„Im Rahmen seiner eingeschränkten Möglichkeiten darf man durchaus noch arbeiten oder auch selbstständige Einkünfte erzielen“, sagt Steuer­experte Wawro. Wer den vollen Satz bekommt, darf im Monat 450 Euro dazuverdienen und zweimal im Jahr sogar das Doppelte. Bei Selbstständigen werden häufig auch gleitende Sätze akzeptiert - in diesem Fall ist allerdings der zweimalige doppelte Verdienst nicht gestattet. Ist das Einkommen höher, wird laut Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Renten­versicherung Bund, die Rente gekürzt oder nicht mehr gezahlt.

Mehr Geld darf man verdienen, wenn teilweise Erwerbs­minderung vorliegt. Die Grenzen werden individuell ermittelt, unter anderem sind sie von den erzielten Brutto­arbeits­verdiensten in den drei Kalender­jahren vor der Rente abhängig. „Reicht die Rente zum Lebens­unterhalt nicht aus, können ergänzende Sozial­leistungen beantragt werden“, sagt Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Renten­versicherung Bund. Nicht zum Zuverdienst gehören Pflegegeld, Einkünfte als Behinderter und Einkünfte aus Kapital­vermögen oder Miet­einnahmen.

Übrigens: Die Rente wegen Erwerbs­minderung wird für die Dauer der gesundheitlichen Beeinträchtigungen gezahlt, erläutert von der Heide. „Sie endet spätestens mit Erreichen der Regelalters­grenze.“ Die Altersrente wird dann unter Berücksichtigung der Renten­zeiten berechnet - ist diese aber niedriger als die bisherigen Zahlungen, greift ein Besitz­schutz.

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Was muss man bei der Erwerbsminderungsrente steuerlich beachten?

Wie bei der Altersrente wird beim Bezug einer Erwerbs­minderungs­rente der Besteuerungs­anteil nach dem Kalender­jahr ermittelt, in dem die Rente beginnt. „Weil die Renten oft schon in jüngeren Jahren bezogen werden, fallen sie entsprechend gering aus“, sagt Wawro vom Deutschen Steuer­berater­verband. Dadurch werde ein Allein­stehender, soweit er keine anderen Einkunfts­quellen hat, meist von der Steuer nicht behelligt. Bei Eheleuten hingegen besteht häufig die Pflicht zur Einkommen­steuer­erklärung.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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