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Arbeitsrecht | 15.09.2017

Betriebs­rente

Betrieb­liche Altersvorsorge: Mit dem Arbeit­geber für die Rente sparen

Wichtige Fragen und Antworten zur Reform der Betriebs­rente

Der Gesetzgeber hat mit der Betriebs­rente die zweite der drei Säulen der Alters­versorgung reformiert. Die Neuerungen treten im Januar 2018 in Kraft. Was ändert sich für Beschäftigte?

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Für viele Arbeit­nehmer ist klar: Von der gesetzlichen Rente allein kann der Lebens­unterhalt im Alter kaum bestritten werden. Daher ist private Vorsorge nötig. Auch der Chef kann helfen - mit einer Betriebs­rente. Anspruch darauf hat im Prinzip jeder Arbeit­nehmer. Durch das sogenannte Betriebs­renten­stärkungs­gesetz soll diese Form der Alters­vorsorge aber nun noch attraktiver werden.

Welche Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung gibt es?

Derzeit gibt es fünf Möglichkeiten: Direkt­zusage der Firma an den Beschäftigten, Unterstützungs­kasse, Direkt­versicherung, Pensions­kasse und Pensions­fonds. „Über welchen Weg konkret die betrieb­liche Altersvorsorge erfolgt, entscheidet der Arbeitgeber“, sagt Klaus Stiefermann von der aba Arbeits­gemeinschaft für Betrieb­liche Alters­versorgung in Berlin.

Warum hat der Gesetzgeber die Betriebsrente reformiert?

Rund 60 Prozent der Beschäftigten haben derzeit einen Anspruch auf Betrieb­liche Alters­vorsorge. In erster Linie sind das Beschäftigte in höheren Einkommens­gruppen und Mitarbeiter in großen Unternehmen. „Jetzt soll auch für Gering­verdiener die Betriebs­rente attraktiver werden, um sie so besser vor Altersarmut zu schützen“, erklärt Cornelia Jurrmann vom Sozial­verband VdK Deutschland in Berlin. Mit der Reform soll es auch für kleine und mittlere Unternehmen Anreize geben, eine Betriebs­rente anzubieten. Bislang waren sie damit oft zurück­haltend, da sie den Arbeit­nehmern eine garantierte Rente mit einer Mindest­höhe zusichern mussten. Dafür musste viel Geld zurück­gestellt werden. Vielen Firmen war das zu riskant.

Was wird nun geändert?

Ab dem 1. Januar 2018 kommt zu den fünf bereits existierenden Betriebs­renten-Modellen eine weitere Variante hinzu - das sogenannte Sozial­partner­modell. „Hierbei muss der Arbeitgeber nicht mehr für die zugesagte Rente haften“, erläutert Ralf Scherfling von der Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Festgelegt wird lediglich, welche Beiträge die Arbeitgeber für ihre Arbeit­nehmer zahlen. Die Höhe der Rente ist nicht garantiert.

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Was gilt bei Geringverdienern?

Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten mit einem monatlichen Einkommen bis zu 2.200 Euro bei ihren Spar­anstrengungen unterstützen, profitieren von Steuer­vorteilen. „Einen Arbeitgeber­beitrag von mindestens 240 bis maximal 480 Euro im Kalender­jahr bezuschusst der Fiskus mit 30 Prozent des Beitrags, also zwischen 72 und 144 Euro pro Kalender­jahr“, erläutert Klaus Stiefermann. Allerdings: „Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung für Arbeitgeber, diesen Zuschuss zuzahlen“, betont Ralf Scherfling.

Was spricht für eine Betriebsrente?

Attraktiv ist sie vor allem dann, wenn der Chef die Beiträge selbst übernimmt oder dem Arbeit­nehmer Geld zur Betriebs­rente zuschießt. Bei arbeitnehmer­finanzierten Betriebs­renten können in der Einzahlungs­phase Steuern und Abgaben gespart werden. Derzeit haben Beschäftigte die Möglichkeit, bis zu vier Prozent des Bruttolohns bis höchstens 3.048 Euro jährlich steuer- und sozial­versicherungs­frei in eine Betriebs­rente anzulegen. Ab 2018 wird der steuerfreie Höchstb­etrag von vier auf acht Prozent der Beitrags­bemessungs­grenze in der allgemeinen Renten­versicherung angehoben. Unter bestimmten Voraus­setzungen können weitere 1.800 Euro steuer­frei gespart werden.

Und welche Nachteile hat die Betriebsrente?

In der Auszahlungs­phase müssen gesetzlich Kranken­versicherte auf Betriebs­renten den Kranken- und Pflege­versicherungs­beitrag zahlen. Dadurch verringert sich der ausgezahlte Betrag. Zudem müssen Betriebs­renten versteuert werden. Wurden sozial­versicherungs­frei Gehalts­anteile für die Betriebs­rente umgewandelt, fällt die gesetzliche Rente entsprechend geringer aus.

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Was muss der Arbeitgeber künftig tun?

Bei der Entgelt­umwandlung hat der Arbeitgeber bislang Sozial­versicherungs­beiträge, die eigentlich auf diese Gehalts­teile angefallen wären, gespart. Künftig muss er die ersparten Sozial­versicherungs­beiträge von pauschal 15 Prozent an die Beschäftigten oder die Versorgungs­einrichtungen weiter­leiten. Die Neuregelung gilt ab 2019 für neue und ab 2022 auch für alte Ver­einbarungen. Bei der neuen Betriebs­rente ohne Garantien muss die Weitergabe der 15 Prozent im Tarif­vertrag vereinbart werden.

Was ist mit der Riester-Grundzulage?

Die Grundzulage für die Riester-Rente steigt von 154 auf 175 Euro. Die Anhebung der jährlichen Zulage soll vor allem zu einer Verbreiterung der Betriebs­renten führen, wenn in deren Rahmen geriestert wird.

Sollte der Beschäftigte alte Riester-Verträge jetzt aufgeben?

Nicht unbedingt. Sparer haben ihr Vermögen idealer­weise auf verschiedene Anlage­klassen gestreut. „Grund­sätzlich sollte jeder regelmäßig überprüfen, ob die gewählte Aufteilung immer noch die beste Lösung ist“, rät Ralf Scherfling. Dies bedeutet aber nicht, dass übereilt langfristige Verträge gekündigt werden. „Der ältere Riester-Vertrag kann beispiels­weise einen höheren Garantie­zins oder wertvolle Zusatz­absicherungen haben“, so der Verbraucher­schützer. Daher sollte immer im Einzelfall geprüft werden, was passt.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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