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Arbeitsrecht | 03.04.2017

Jurist

Die Arbeit als Jurist: Über nackte Angeklagte und schräge Verbrechen

Rechtsanwalt Patrick Klinkhammer beantwortet drei Fragen über das Leben als Jurist

„Wie arbeiten Sie denn?“ - Jeder Berufstätige kann über seine Zunft eine Geschichte erzählen. Doch die wirklich spannenden Fragen wagen viele nicht zu stellen. Dabei ist kaum ein Job langweilig. Patrick Klinkhammer (33) arbeitet als Rechtsanwalt für Arbeits­recht in einer Kanzlei in Köln. Zuvor war er unter anderem als Staats­anwalt tätig.

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Mussten Sie als Staatsanwalt einmal jemanden laufen lassen, den Sie für schuldig hielten?

Der Staats­anwalt macht ja das Ermittlungs­verfahren. Wenn jemand freigesprochen wird, entscheidet das am Ende der Richter. Ebenso, ob ein Beschuldigter aus der Untersuchungs­haft entlassen wird. Vorgekommen ist, dass jemand in Untersuchungs­haft war, die Beweislast meiner Meinung nach erdrückend war und derjenige dann aus der Untersuchungs­haft entlassen wurde. Es musste ein Gutachten zur Identitäts­feststellung eingeholt werden, was je nach Bundesland etwas länger dauern kann, so dass der Haftrichter sagt: Jetzt können wir den Haftbefehl nicht mehr aufrechterhalten, weil das zu lange dauert und die Untersuchungs­haft nicht bis dahin fortdauern kann.

Was ist das schrägste Verbrechen, das Ihnen untergekommen ist?

Es waren einige schräge Sachen dabei. Es gab einmal jemanden, der eine klassische Serie von Über­weisungs­betrügereien begangen hat. In dem Fall hat man die Giro­kontodaten einer Person, fälscht die Unterschrift auf dem Überweisungst­räger und lässt dann Geld auf ein Konto im Ausland oder auf ein Konto unter falschem Namen überweisen. Der Täter in dem besagten Verfahren hat jedoch das Geld stets auf sein eigenes Konto überwiesen, welches er auf seinen richtigen Namen angelegt hatte. Das war recht dumm. Ich hatte auch mal die schräge Situation, dass ein Angeklagter nackt zur Verhandlung erschienen ist. Er war schon zuvor inhaftiert gewesen und hatte dann in der Haftanstalt ein weiteres Delikt begangen. Aus Protest gegen den Rechtsstaat wollte er bei der Verhandlung nichts anziehen und wurde dann splitterfaser­nackt in den Gerichts­saal geführt. Das war für alle ein einmaliges Ergebnis.

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Sind Gesetz und Gerechtigkeit dasselbe in ihren Augen?

Grund­sätzlich kommt oft die Kritik am deutschen Strafrecht dahingehend auf, dass die Gesetze nicht streng genug seien. Das sehe ich nicht. Der Richter hat einen großen Spielraum, und es gibt nur wenige Gesetzes­lücken. In den Fällen, in denen es um Kapital­delikte wie Mord und Totschlag geht, kann es aus der Sicht der Hinter­bliebenen des Opfers kein gerechtes Urteil geben. Das, was durch die Tat angerichtet wurde, kann durch kein Urteil dieser Welt wieder gutgemacht werden.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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