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Ordnungswidrigkeitenrecht und Verkehrsrecht | 19.01.2017

Radarfallen

Die Radarfalle feiert Geburtstag: Vor 60 Jahren begann der Siegeszug der ungeliebten „Blitzer“

Als Stichtag der ersten Radar­kontrolle gilt der 21. Januar 1957 mit einem Test in Düsseldorf

Seit 60 Jahren stellt die Polizei mit Radar­geräten Tempo­sündern nach. Doch die Geschwindigkeits­kontrolle selbst ist in Deutschland schon mehr als 100 Jahre alt.

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Immer wieder waren sie der blanken Wut der Tempo­sünder ausgesetzt: Radarfallen wurden beschossen, angezündet, abgesägt, mit Farbe besprüht und mit Klebeband umwickelt. Vor 60 Jahren wurde erstmals in Deutschland ein Radargerät getestet, das allzu flotte Autofahrer gerichtsfest überführen sollte.

Erste Radarfalle 1956 auf Polizeimesse vorgestellt

1956 war der Prototyp VRG 1 der Firma Telefunken auf der Internationalen Polizei­ausstellung in Essen vorgestellt worden. Nach ersten Feld­versuchen mit dem Gerät 1957 in Düsseldorf, Hamburg und Ulm - das geht aus dem Firmen­archiv hervor - trat die „Radarfalle“ als Weiter­entwicklung VRG 2 ihren bundesweiten Siegeszug an.

Zuvor war die Zahl der jährlichen Verkehrs­toten in der noch jungen Bundes­republik trotz des relativ geringen Verkehrsauf­kommens auf erschreckende 13.000 in die Höhe geschnellt.

Zeitungen feierten die neue „Wunderwaffe“ der Polizei

Mit Blitzlicht konnten nun sogar in der Nacht Tempo­sünder erwischt werden - die Zeitungen feierten die neue „Wunderwaffe“ der Polizei, die ihrerseits davon begeistert war, „statistisch gesehen jeden Autofahrer alle zehn Tage kontrollieren zu können“.

Als Stichtag der ersten Radar­kontrolle gilt in vielen Publikationen der 21. Januar 1957 mit einem Test in Düsseldorf - doch Historiker und Archivare tun sich schwer, dieses Datum auf den Tag genau zu bestätigen.

In der Bevölkerung kam das neue Instrumentarium der Polizei nicht ganz so gut an, wie Fach­zeitschriften damals vermerkten. Schnell wurden Begriffe wie Abzockerei und Wegelagerei laut.

Geschwindigkeitskontrolle älter als Radarfalle

Die Geschwindigkeits­kontrolle ist sogar deutlich älter - nämlich gerade 100 Jahre alt geworden. 1906 maßen eifrige Polizisten im badischen Kehl das Tempo von Kraft­fahrern im Geschwindigkeits­rausch. Auf einer bestimmten Strecken­länge wurden Autofahrer mit Fahnen­zeichen und Taschenuhr „überführt“.

Ein Tourist aus den USA zeigte sich sehr erbost über die polizeiliche Maßnahme - die zu internationalen Verwicklungen führte und zur Drohung mit einem Tourismus-Boykott. Damals galt Tempo 20 als ziemlich unverantwortliche Raserei.

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1.800 Blitzer fest im Land installiert

Inzwischen sind etwa 1800 Geräte als fest montierte „Staren­kästen“ über das Land verteilt - und versetzen mit ihren Blitzen Autofahrer immer wieder in ohnmächtige Wut.

Felix Hoffmann, Leiter des Deutschen Polizei­museums im westfälischen Salzkotten, hat als Polizist früher selbst zahllose Tempo­kontrollen durch­geführt und ist von ihrem Nutzen felsenfest überzeugt: „Zu schnelles Fahren ist immer noch die Unfall­ursache Nummer Eins.“

Fotogalerien zeigen im Internet die kuriosesten Aufnahmen der Blitzer-Kameras:

Enten im Tiefflug, Hub­schrauber, Lamas, der Weihnachts­mann, die Oma mit Rollator, ein Pony mit 59 km/h - alle hatten es eilig, oder gerieten aus Versehen ins Visier von Radar und Laser.

Mancher fähft auch extra in die Radarfalle - wie kürzlich ein Gruppe von Touristen, die sich vor den deutschen Bußgeldern sicher glaubte.

Museums­leiter Hoffmann hat haarsträubende Einsprüche gegen die Bußgeld­forderungen gesammelt: „Bei der Beurteilung ist zu berücksichtigen, dass dem Verantwortlichen für das Königs­schießen das Bier ausgegangen war.“

Einiger Blitzer mussten wieder abgebaut werden

In einigen Fällen konnten Rechts­anwälte den Abbau der Blitzer erzwingen, wo deren Millionen­einnahmen allzu offen­sichtlich mehr der klammen Staatskasse dienten denn der Verkehrs­sicherheit.

Dennoch blitzt es seither ohne Unterlass - im bevölkerungs­reichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen allein durch die Polizei 2,1 Millionen Mal im Jahr 2015. Hinzu kommen die Aufnahmen der kommunalen Radar­anlagen.

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Die Gegner der Radargeräte haben illegal aufgerüstet:

Warngeräte für das Auto und reflektierende Folien für das Nummern­schild sollen vor Bußgeld, Punkten in Flensburg und Führer­schein­entzug schützen.

Die Polizei kontert seit einigen Jahren mit modernen und kleinen Laser­geräten, die die Radar­technik in Genauigkeit übertrumpfen - und mit dem Blitz-Marathon, den 24-stündigen Kontroll­tagen.

Welchen abgrundtiefen Hass eine Radar­kontrolle auslösen kann, musste die Polizei im Jahr 2000 in Hessen erfahren: Als ein Fernfahrer „geblitzt“ wurde und fürchten musste, seinen Führer­schein zu verlieren, kehrte er um, erschoss einen der Polizisten und verletzte einen zweiten Beamten schwer.

Polizei testet neuste Generation

Die neueste Generation der Polizei ist die halbstationäre Radarfalle. Die Anlagen sind auf Anhängern installiert und können personal­sparend jeweils für mehrere Tage an wechselnden Orten aufgestellt werden, ohne von Beamten bewacht werden zu müssen. Derzeit werden sie in Köln getestet: 47.000 Autofahrer haben bereits in den ersten Wochen damit eine kost­spielige Bekanntschaft gemacht.

Siehe auch:

Quelle: dpa/DAWR/ab
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