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Wettbewerbsrecht | 29.06.2022

Spezi-Streit

„Einen Spezi bitte“: Streit um Kult­getränk vor Münchner Gericht

Es geht um 10 Millionen Euro

Für die einen ist Spezi eine nostalgische Erinnerung an die Kindheit, für andere einfach nur eine süß-herbe Erfrischung. Paulaner und Riegele vertreiben das beliebte Getränk unter dem bekannten Namen. Nun haben sich beide Brauereien vor Gericht wieder getroffen.

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Einen Spezi, bitte“ - ein Satz, der Biergarten- und Wirtshaus­besuchern vor allem in Bayern oft über die Lippen kommt. Die prickelnde, herb-süße Mischung aus Limonade und Cola gilt manchen gar als Kult­getränk, das obendrein einen sympathischen Namen hat, versteht man doch in Süd­deutschland darunter einen guten Freund. Nun wird um die bräunliche Brause gestritten. Am Dienstag begann ein Zivil­prozess vor dem Landgericht München I zwischen der Großb­rauerei Paulaner und der Augsburger Riegele Brauerei. Streitwert: 10 Millionen Euro.

Darf Paulaner „Spezi“ weiter so heißen?

„Das ist unbestritten, dass Riegele den Spezi erfunden hat“, sagte Sebastian Priller-Riegele, der die Riegele-Brauerei mit seinem Vater leitet, nach der Verhandlung. Mitte der 1950er Jahre ließen die Mittel­ständler das Waren­zeichen „Spezi“ eintragen und prägten den Slogan: „Ein Spezi muss dabei sein.“ 1977 gründeten sie einen Verband, um die Produktion mit Hilfe anderer Brauereien in Lizenz zu erweitern. Auch von Paulaner will Riegele Geld, wenn die Münchner den „Paulaner Spezi“ weiter vertreiben wollen. Nach Ansicht Paulaners eine Forderung ohne rechtliche Grundlage, weswegen man klagte.

Vereinbarung von 1974 macht es kompliziert

Kompliziert machen die Lage nicht nur diverse Rechts­nachfolgen und Über­tragungen bei Paulaner, sondern auch eine Vereinbarung von 1974 zwischen Riegele und der damaligen Paulaner Salvator Thomas-Bräu-AG. Worum es sich dabei handelt, darüber ist man uneins. Riegele spricht von einem Lizenz­vertrag, den man nun gekündigt habe, verbunden mit dem Angebot für einen neuen Vertrag. Bei einem Absatz von 900.000 Hektolitern jährlich könnten bei Paulaner für so eine Lizenz bis zu 5 Millionen Euro im Jahr fällig werden, rechnete das Gericht vor.

Paulaner erachtet Lizenz nicht für notwendig

Paulaner erachtet so eine Lizenz dagegen nicht für notwendig. Man habe 1974 nur vereinbart, die beiden Spezi-Getränke voneinander abzugrenzen und sie nebeneinander existieren zu lassen. Keine Rede von einem Lizenz­vertrag. Zudem sei Spezi inzwischen eine Gattungs­bezeichnung für diese Art von Cola-Limo-Mischungen. Auch das Landgericht tendierte zu der Ansicht. Nach vorläufiger Einschätzung handele es sich um eine Abgrenzungs­vereinbarung, die Paulaner gestatte, ein eigenes Zeichen für sein Spezi-Getränk zu nutzen, sagte die Vorsitzende Richterin.

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Riegele gehe es nicht darum, „Paulaner Spezi“ zu vernichten

„Es geht uns nicht darum, „Paulaner Spezi“ zu vernichten“, erklärte Riegele-Anwalt Axel Oldekop. Man wolle aber einen fairen Ausgleich dafür, dass man seit Jahren viel Geld in die Marke investiere und etwa gegen andere Konkurrenten vorgegangen sei, die auch „Spezi“ verkaufen wollten. Die Türen für Verhandlungen seien weit offen. Auch Paulaner zeigte sich verhandlungs­bereit. „Seit fast 50 Jahren gibt es Spezi von Paulaner und Riegele - jedes hat seinen eigenen Geschmack, jedes hat seine eigene Aufmachung, jedes hat seine eigenen Fans - und damit seinen Platz im Regal verdient“, sagte Unternehmens­sprecher Johannes Rieger. Man sei zuversichtlich, eine ein­vernehmliche Lösung zu finden. Bis Mitte Juli ist dafür Zeit. Ein Urteil könnte am 30. August verkündet werden.

Doch ist das Getränk die Mühe wert?

Im „Wall Street Journal“ hatte man da vor längerem Zweifel. Von „Sumpf­gebräu mit Kohlen­säure“ ist in dem Artikel die Rede. Oder von „verdünntem Hustensaft oder rostigem Wasser“. Wie dem auch sei, vor allem in Bayern sehen das die Menschen anders. Und so dürfte im Biergarten oder im Wirtshaus das nächste Mal sicher wieder zu hören sein: „Einen Spezi, bitte.“

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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