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Strafrecht | 01.11.2022

Sommer­märchen-Affäre

Ende der WM-Affäre: Auch Landgericht Frankfurt stellt Verfahren ein

Sommer­märchen-Affäre wird nicht mehr juristisch aufgearbeitet

Die Sommer­märchen-Affäre rund um die WM 2006 wird nicht mehr juristisch aufgearbeitet. Nach vielen Jahren dürfen Ex-Funktionäre wie Zwanziger und Niersbach aufatmen.

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Die vielen Frage­zeichen bleiben wahrscheinlich für immer, juristisch aber ist das Dauerthema Sommer­märchen auch in Deutschland beendet. Das Landgericht Frankfurt am Main hat das Verfahren in der Affäre rund um die Fußball-WM 2006 gegen die früheren DFB-Funktionäre Theo Zwanziger, Horst R. Schmidt und Wolfgang Niersbach wegen des Verdachts der Steuer­hinter­ziehung eingestellt. Das bestätigte die Frankfurter Staats­anwaltschaft am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Prozess in der Schweiz war bereits gescheitert

Zuvor war im Vorjahr bereits ein Prozess in der Schweiz gescheitert. Im Nachbarland hatten die ehemaligen Spitzen­funktionäre des Deutschen Fußball-Bundes nach der Einstellung des Verfahrens Entschädigungen erhalten. Die vier ursprünglich Angeklagten, zu denen auch der frühere FIFA-General­sekretär Urs Linsi gehörte, bekamen insgesamt rund 705.000 Schweizer Franken (640.000 Euro). Die Summe lag weit unter den Forderungen. Die Schweizer Bundes­staats­anwaltschaft hatte versucht, den Ex-Funktionären Zwanziger (77), Schmidt (80), Niersbach (71) und Linsi (73) Prozess­kosten aufzubürden. Sie argumentierte unter anderem, dass die vier Angeklagten das Verfahren erschwert hätten, bevor es im April 2020 wegen Verjährung eingestellt wurde. Auch die Frankfurter Staats­anwaltschaft hatte im gleichen Sach­zusammenhang gegen das Quartett ermittelt.

Zwanziger: „Angemessen blamables Ende“

Das Landgericht Frankfurt teilte am Montag mit: „In der angefragten Strafsache werden derzeit keine Auskünfte erteilt.“ Wegen „eines nicht behebbaren Verfahrensh­indernisses“, so die Verteidigung von Schmidt, wurde das Verfahren eingestellt. Eine Doppel­bestrafung durch ein Gericht in der Schweiz und in Deutschland ist nicht möglich. „Damit haben die von Anfang an pflichtwidrigen Ermittlungen der Staats­anwaltschaft Frankfurt, die der Schweizer Bundes­anwaltschaft zudem noch in höchst frag­würdiger Weise Rechtshilfe geleistet hat, ein für die Steuer­fahndung und die Frankfurter Justiz im Übrigen angemessen blamables Ende gefunden“, kommentierte Zwanziger über seinen Rechts­beistand die Ent­scheidung. Gleich­zeitig kündigte sein Anwalt an, wegen der Persönlichkeits­verletzungen Ansprüche von „nicht unter 50.000 Euro“ geltend zu machen - „angesichts des untadeligen Rufes meines Mandanten, der Dauer des Verfahrens von über sieben Jahren bei mangel­hafter Verfahrens­kontrolle und Versäumnissen in den Ermittlungs­maßnahmen.“ Da sich Zwanziger nun nicht vor einem Gericht gegen den Vorwurf der Steuer­hinter­ziehung wehren kann, hat er zudem am 21. September beim Hessischen Minister der Justiz eine Straf­anzeige gegen Beamte der Steuer­fahndung, Staats­anwälte und Richter des Ober­landes­gerichts eingereicht.

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DFB arbeitet an der Aufarbeitung der Sommermärchen-Affäre

Beim DFB läuft noch eine interne Aufarbeitung der Sommer­märchen-Affäre - ein aufsehen­erregender, teurer Bericht der Kanzlei Freshfields hatte keine welt­bewegenden Erkenntnisse gebracht. Die FIFA hatte im Februar 2021 mitgeteilt, dass sie das Ethik­verfahren gegen Zwanziger, den ehemaligen WM-OK-Chef Franz Beckenbauer und Schmidt wegen Verjährung nicht weiter verfolgt. Zwanziger, Schmidt und Linsi waren in der Schweiz wegen Betruges, Niersbach wegen Beihilfe zum Betrug angeklagt. Ein Verfahren gegen Beckenbauer (77) war wegen seines Gesundheits­zustands abgetrennt worden.

Weiter Unklarheit über Verbleib von 6,7 Millionen Euro

Im Kern ging es um eine Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro des DFB über den Weltverband FIFA an den inzwischen gestorbenen Unternehmer Robert Louis-Dreyfus. Das Geld wurde als Beitrag für eine Gala zur WM 2006 deklariert, die nie stattfand. Im Jahr 2002 hatte Beckenbauer ein Darlehen von Louis-Dreyfus in gleicher Höhe erhalten, das letztlich auf Konten des einstigen FIFA-Vize­präsidenten Mohamed bin Hammam verschwand. Wofür das Geld floss, ist bis heute unklar.

Strafklageverbrauch verhinderte Verfahren

Schmidts Anwalt teilte am Montag mit, dass das Frankfurter Gericht „zutreffend fest­gestellt“ hatte, „dass durch den Einstellungs­beschluss des schweizerischen Bundes­straf­gerichts vom 20. Mai 2021“ ein „Strafklage­verbrauch nach Art. 54 SDÜ eingetreten ist, da beide Straf­verfahren denselben Sachverhalt betrafen“. Die Kosten des Verfahrens trage nun die deutsche Staatskasse. Nun finde die „straf­rechtliche Verfolgung von Herrn Horst R. Schmidt jedenfalls ein vorläufiges Ende“, hieß es. Die Ermittlungen und die parallel in Deutschland und in der Schweiz geführten Verfahren hätten „unseren Mandanten in den vergangenen sieben Jahren sehr belastet“, teilten Schmidts Verteidiger mit. Sie legten „großen Wert auf die Feststellung, dass sich Herr Schmidt zu keinem Zeitpunkt und unter keinem Gesichts­punkt strafbar gemacht“ habe. „Damit bleibt es dabei: Das Sommer­märchen 2006 war die beste WM aller Zeiten“, hieß es.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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