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Verkehrsrecht und Versicherungsrecht | 20.01.2017

Führer­schein

Nach Führer­schein mit 17 - kommt nun der Führer­schein mit 16?

Experten wollen Autoführer­schein künftig schon mit 16

Jugendliche könnten künftig früher ans Lenkrad: Wer mit 16 Jahren als Autofahrer beginnt, könne bis zum 18. Geburtstag in Begleitung fahren und dadurch sicherer werden, sagen Fachleute. Wie stehen die Chancen für den Vorschlag?

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Bei vielen Eltern löst der Gedanke ein mulmiges Gefühl aus: Sollen Jugendliche schon mit 16 Jahren Auto fahren dürfen? Ist das nicht zu früh, selbst wenn Mama oder Papa noch bis zum 18.Geburtstag daneben sitzen müssen, damit der Nachwuchs mit Tempo 100 über die Landstraße brausen darf?

Führerschein mit 17 - ein großer Erfolg

2004 gab es in Nieder­sachsen den ersten Modell­versuch für den Führer­schein mit 17. Mittlerweile ist daraus bundesweit ein großer Erfolg geworden: Wer mit 17 die Fahrerlaubnis erwirbt und zunächst nur in Begleitung eines Erwachsenen fahren darf, der baut später deutlich weniger Unfälle, wenn er ab 18 alleine unterwegs ist. Wegen dieses positiven Effekts des begleiteten Fahrens fordern Experten jetzt im Vorfeld des 55. Verkehrs­gerichts­tages in Goslar, den Führer­schein sogar schon mit 16 zu erlauben. Noch ist es bis dahin aber ein weiter Weg.

Frühes Fahren für mehr Verkehrssicherheit

„Je länger man am begleiteten Fahren teilnimmt und je mehr man dabei fährt, desto größer ist der Erfolg“, sagt der Vorsitzende der Bundes­vereinigung der Fahrlehrer­verbände, Gerhard von Bressensdorf. „Die Teilnehmer am begleiteten Fahren haben später 20 Prozent weniger Unfälle.“ Auch deshalb unterstützt der Verband einen Vorstoß des niedersächsischen Fahrlehrer­verbandes, der den Führer­schein mit 16 ins Gespräch gebracht hat.

„Begleitetes Fahren ist die günstigste und effektivste Verkehrs­sicherheits­maßnahme“, sagte der Chef der niedersächsischen Fahrlehrer, Dieter Quentin, erst kürzlich der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Das bisherige begleitete Fahren habe aber einen Haken: Viele junge Leute schöpften das Jahr zwischen ihrem 17. und 18. Geburtstag gar nicht voll aus, sondern machten den Führer­schein erst ein halbes oder ein Vierteljahr vor ihrer Volljährigkeit. Der Führer­schein mit 16 könne da mehr Spielraum geben.

Auch der Deutsche Verkehrs­sicherheits­rat steht dem Vorstoß positiv gegenüber, weil dadurch die Phase des begleitetes Fahrens verlängert werden könnte, sagt Sprecher Sven Rademacher. „Allerdings sollte eine solche Regelung nicht dazu führen, dass die jungen Menschen anschließend bereits ab 17 alleine fahren dürfen.“

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Automobilclubs sind für den Führerschein mit 16

Zustimmung erhalten die Fahrlehrer auch von den Automobil­clubs. „Alle Daten zeigen, dass jeder Kilometer begleitetes Fahren die Unfall­wahrscheinlichkeit beim späteren Allein­fahren senkt“, sagt Constantin Hack vom ACE Auto Club Europa. „Ein früherer Einstieg in das begleitete Fahren ermöglicht es, wichtige Erfahrungen zusammeln.“

Ähnlich sieht es der ADAC. „Wir sind im Prinzip für den Führer­schein mit 16“, sagt Sprecher Andreas Hölzel. Die Erlaubnis sollte es aber nur im Rahmen eines Mehrphasen­modells geben. „Nach dem 18. Lebensjahr müsste eine Phase mit Fahr­sicherheits­trainings, Seminaren und psychologischen Schulungen hinzukommen, in denen es auch um die Risiken im Straßenv­erkehr geht“, sagt der ADAC-Sprecher.

Gute Chance Zahl der Unfälle zu verringern

Der Unfall­forscher Siegfried Brockmann vom Gesamt­verband der Versicherungs­wirtschaft sieht im Führer­schein mit 16 eine gute Chance, die Zahl der Unfälle junger Autofahrer weiter zu verringern. „Heute beginnen viele Jugendliche mit der Fahr­ausbildung zu spät und haben dann nach bestandener Prüfung oft nur wenige Monate begleitetes Fahren vor sich“, sagt der Unfall­forscher Siegfried Brockmann. „In dem der Beginn der Fahr­ausbildung nach vorn verlegt wird, verlängert sich die Zeit des begleiteten Fahrens.“

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Präsident des Verkehrsgerichtstages zeigt sich reserviert

Eher reserviert äußerte sich dagegen der Präsident des Verkehrs­gerichts­tages, Kay Nehm. „Unzureichende Ausbildungs­zeiten könnten auf andere Weise kompensiert werden“, meint der frühere General­bundesanwalt. „Zum Beispiel könnte der Gesetzgeber eine Mindestan­zahl von Kilometern oder Stunden im begleiteten Fahren verlangen.“ Fahr­anfänger und Ausbilder sollten dies vor der endgültigen Fahrerlaubnis per Fahrtenbuch nachweisen.

EU-Gesetz müsste geändert werden

Derzeit lässt das europäische Recht einen Führer­schein mit 16 ohnehin noch nicht zu, sagt der Vorsitzende der Fahrlehrer­verbände, von Bressensdorf. „Es wäre aber sicher sinnvoll, den Führer­schein mit 16 auszuprobieren.“ Das Land Nieder­sachsen hat auf den Vorstoß bereits reagiert. Verkehrs­minister Olaf Lies (SPD) kündigte an, er werde das Thema mit Experten erörtern. Das Ergebnis könnte eine Bundes­rats­initiative mit dem Ziel sein, das entsprechende EU-Gesetz zu ändern.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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