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Schadensersatzrecht | 09.05.2017

Schmerzens­geld

Nach Totschlag: Eltern verlangen vom Täter Schmerzensgeld für toten Sohn

Eltern fordern 146.000 Euro Schmerzens­geld

Ihr einziger Sohn wurde umgebracht. Nun gehen die Eltern des Opfers zivil­rechtlich gegen den Täter vor und verlangen Schmerzensgeld.

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Die Stimme des Rentners ist belegt, er kämpft mit den Tränen. Obwohl sein Widersacher es vorgezogen hat, im Gefängnis zu bleiben, ist dies für ihn kein leichter Termin. Im Dezember 2013 wurde sein einziger Sohn umgebracht. Hier im Düsseldorfer Landgericht, zwei Etagen tiefer, hat er dem Täter gegenüber gesessen. Nun kam alles wieder hoch: Trauer, Wut, Zorn.

146.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld für den getöteten Sohn

Gemeinsam mit seiner Frau hat der Rentner aus Korschen­broich nahe Düsseldorf und Möncheng­ladbach den Mann verklagt, der einmal für ihn wie ein zweiter Sohn war - seinen Neffen. Von ihm fordert das Paar nun 146.000 Euro Schaden­ersatz und Schmerzensgeld für den getöteten Sohn. Zumindest teilweise seien die Forderungen berechtigt, sagt die Vorsitzende Richterin Katrin Jungclaus in einer vorläufigen Bewertung. Die verlangten 146.000 Euro werden es aber wohl nicht werden (vgl. Schmerzensgeldtabelle - Kategorie Schmerzensgeld bei Tod).

Opfer erstickte mit zertrümmertem Schädel an seinem Blut

Was treibt die Eltern? Ist es Rache, oder der Versuch, doch noch die Wahrheit herauszufinden, um abschließen können? Daniel und sein Cousin wuchsen wie Brüder auf, Garten an Garten. Doch eines Tages liegt Daniel tot neben seinem Auto an einer Landstraße im nahe­gelegenen Kaarst. Jemand hat ihm den Schädel zertrümmert. Der 35-Jährige erstickt an seinem Blut.

Täter könnte Ende 2020 auf Bewährung freikommen

Nach wochen­langen Ermittlungen kommt zum Entsetzen seiner Eltern heraus: Es war sein Cousin. Der angehende Sportlehrer war damals 28 Jahre alt. Wegen Totschlags sitzt er seither im Gefängnis, rechts­kräftig zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ende 2020 könnte er auf Bewährung freikommen.

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Täter droht auch im Falle eines nachträglichen Mord-Geständnisses keine höhere Strafe

Bis heute schweigt er zum Motiv seiner Tat, was für die Eltern des Opfers nur einen Sinn zu haben scheint: der lebens­langen Haft wegen Mordes zu entrinnen. Bis heute quält die Eltern des Opfers daher eine Frage: „Warum?

“Inzwischen könnte der Täter einigermaßen gefahrlos sein Schweigen brechen, sagt die Gerichts­sprecherin: Weil er bereits rechts­kräftig verurteilt ist, droht ihm auch im Fall eines nach­träglichen Mord-Geständnisses keine höhere Strafe.

Zwar kann er auch im Zivil­verfahren die Aussage verweigern, wie sein Anwalt betont, aber im Gegensatz zum Straf­prozess kann ihm das diesmal zum Nachteil gereichen.

Eltern verlangen in der Rolle als Erben Schmerzensgeld für ihren Sohn

Daniels Eltern verlangen nicht nur jeweils 25.000 Euro Schmerzens­geld für ihren eigenen Schmerz, sondern auch für den ihres Sohnes - als Erben. Das hat Folgen: Das Gericht muss nun mit Hilfe von Ärzten erforschen, ob und wie sehr der Sohn gelitten hat, bevor er starb.

Den Täter will das Gericht aus seiner Zelle holen: „Wir werden ihn dazu vernehmen“, kündigt die Richterin an.

Anwalt der Gegenseite hält lediglich Bestattungskosten für berechtigte Forderung

Der Anwalt der Gegenseite, Hans-Jürgen Auer, erkennt nur die Beerdigungs­kosten von fast 10.000 Euro als berechtigte Forderung an. Schon bei dem Betrag von 780 Euro für Blumen und Kränze äußert er Zweifel, verlangt weitere Nachweise. Da platzt dem Kläger der Kragen. Die Richterin bittet ihn um Mäßigung: „Ich weiß, es fällt Ihnen sehr schwer hier.“

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Tatmotiv bleibt unklar

Bei den Ermittlungen fanden sich Nackt­aufnahmen minder­jähriger Schülerinnen und gefälschte „Scheine“ für das Studium des Sportlehrers. Es kommt heraus, dass der als Student ein Verhältnis mit einer Dozentin hatte, die deswegen ihre Stelle verliert. War Daniel dahinter gekommen? Musste er deshalb sterben? „Der Mörder hat uns vier Wochen lang belogen“, sagt der Vater. „Mein Mandant ist kein Mörder“, sagt dessen Anwalt. Dass er seinen Cousin umgebracht hat, hatte er am Ende des Prozesses gestanden. In seinem Wagen waren winzige Blut­spritzer des Opfers entdeckt worden. Wann der Prozess weitergeht, steht noch nicht fest.

Siehe auch:

Quelle: dpa/DAWR/ab
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