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Verkehrsrecht | 24.01.2016

Senioren im Straßen­verkehr

Verkehrs­unfälle durch Senioren: Rentner sollen zu Fahrtests und Gesundheits­tests verpflichtet werden

Unfall­forscher fordern verbindliche Testfahrten für Senioren

Schlechter sehen, schwerer hören, langsamer reagieren – die Voraussetzungen für gutes Autofahren werden im Alter nicht besser. Jetzt fordern Experten verbindliche Testfahrten für Senioren.

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Ältere Autofahrer sollten mittel­fristig gesetzlich dazu verpflichtet werden, Testfahrten mit geschulten Beobachtern durchzuführen - das hat die Unfall­forschung der Versicherer (UDV) vor Beginn des Verkehrs­gerichtstages in Goslar angeregt. „Auf diese Weise könnten Senioren von unabhängigen Fachleuten über­prüfen lassen, wie fit sie noch für den Straßen­verkehr sind und ob von ihnen eine erhöhte Unfall­gefahr ausgeht“, sagte der Leiter der UDV, Siegfried Brockmann, der Deutschen Presse-Agentur.

ADAC für Freiwilligkeits-Prinzip

Der Verkehrs­gerichtstag hatte sich zuletzt vor einigen Jahren mit dem Thema Senioren im Straßen­verkehr befasst. Das Gremium forderte ältere Autofahrer damals dazu auf, ihre Fahreignung freiwillig über­prüfen zulassen. Der ADAC unterstütze das Freiwilligkeits-Prinzip und biete deshalb schon seit einigen Jahren entsprechende Fahreignungs-Test für Senioren an, sagte die Sprecherin des ADAC Nieder­sachsen/Sachsen-Anhalt, Christine Rettig.

Freiwilligkeits-Prinzip reicht nicht aus - Unfallforscher sehen Handlungsbedarf

Die Unfall­forscher sehen dagegen Handlungs­bedarf. Die Zahl der Kraftfahrer in hohem Alter wird nach Angaben der UDV wegen der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren stark zunehmen. Damit wachse auch die Unfall­gefahr, sagte Brockmann. „Wenn Senioren über 75 Jahren in Unfälle verwickelt sind, haben sie diese zu rund 75 Prozent selbst verursacht.“ Die Quote liege damit höher als bei der Hochrisiko­gruppe der 18- bis 24-Jährigen, sagte der Unfall­forscher. Dennoch hielten sich die meisten Senioren für gute Fahrer und ließen sich nur schwer auf Fehler ansprechen. Freiwillige Maßnahmen würden deshalb kaum angenommen.

Auch medizinische Labortests seien kaum geeignet, um „gefährliche Senioren“ zuverlässig zu erkennen, sagte Brockmann. Das belege die Auswertung zahlreicher internationaler Studien. Deshalb sei es auch nicht sinnvoll, den Erhalt des Führer­scheins von solchen Tests abhängig zu machen.

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Verbindliche Testfahrten

Verbindliche Testfahrten dagegen halte die UDV für eine mögliche Lösung. Ziel sei es dabei nicht unbedingt, dass Senioren den Führer­schein abgeben. „Deshalb sollten auch nicht die Führer­scheinbehörden, sondern nur die getesteten Personen selbst eine detaillierte Rück­meldung bekommen“, sagte Brockmann. „Ansonsten bleibt das Ergebnis geheim.“

Die Betroffenen könnten nach den Testfahrten jedoch ihre Fähig­keiten besser einschätzen. Sollten Defizite festgestellt werden, könnte es vielfach schon helfen, wenn Senioren anschließend ihre Fahrweise darauf einstellen und zum Beispiel nur in bekannten Gebieten fahren oder das Auto bei Dunkelheit in der Garage stehen lassen.

„Ich kann den Vorschlag verstehen“, sagte der Präsident des Verkehrs­gerichtstages Kay Nehm (74). Mit dem Alter steige das Unfall-Risiko. „Und mancher, der sich für einen guten Fahrer hält, würde bei der Wieder­holung der Fahr­prüfung durchfallen.“

Ab dem 75. oder 80. Lebensjahr verbindliche Gesundheitstest

Verkehrs­juristen geht die Forderung der Unfall­forscher denn auch nicht weit genug. „Verbindliche Testfahrten wären in Ordnung. Und es wäre gut, wenn sich zum Fahren ungeeignete Senioren auf Basis der Selbst­erkenntnis einschränken oder den Führer­schein abgeben“, sagte der Vorsitzende der Arbeits­gemeinschaft Verkehrs­recht des Deutschen Anwalt­vereins, Jörg Elsner. Doch viele ältere Autofahrer seien uneinsichtig. Deshalb sollten ab dem 75. oder 80. Lebensjahr verbindliche Gesundheits­test durch­geführt werden. „Solche Unter­suchungen mutet man Lkw-Fahrern schließlich schon ab 50 zu, und keiner regt sich darüber auf.“

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Quelle: dpa/DAWR/pt
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