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Strafrecht | 28.06.2022

Beihilfe zum Mord

101-Jähriger wegen Beihilfe zum Mord im KZ zu Haft verurteilt

Ehemaliger Wachmann von Konzentrations­lager Sachsen­hausen zu fünf Jahren Haft verurteilt

Neun Monate lang verhandelte das Landgericht Neuruppin gegen einen mutmaßlichen früheren SS-Wachmann des KZ Sachsen­hausen. Der hochbetagte Mann bestritt bis zuletzt, in dem Lager tätig gewesen zu sein. Doch das Urteil fällt eindeutig aus.

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Ein 101-jähriger Mann ist wegen Beihilfe zum Mord an Tausenden Häftlingen im Konzentrations­lager Sachsen­hausen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte in dem Prozess vor dem Landgericht Neuruppin bis zuletzt bestritten, in dem KZ Wachmann gewesen zu sein.

Richter überzeugt von Tätigkeit als Wachmann

Der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann sagte: „Das Gericht ist zur Überzeugung gelangt, dass Sie entgegen Ihren gegen­teiligen Beteuerungen rund drei Jahre lang in dem Konzentrations­lager als Wachmann tätig waren.“ Damit habe der Angeklagte den Terror und die Mord­maschinerie der National­sozialisten mitgetragen. „Sie haben mit Ihrer Tätigkeit diese Massen­vernichtung bereitwillig unterstützt.“

Verteidigung forderte Freispruch

Auch die Staats­anwaltschaft hatte fünf Jahre Gefängnis für den Mann gefordert. Nebenklage-Vertreter Thomas Walther plädierte auf eine mehrjährige Haftstrafe, die ein Maß von fünf Jahren nicht unter­schreiten solle. Zwei weitere Nebenklage-Vertreter forderten einen Schuld­spruch, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen. Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert.

Angeklagter bestritt bis zuletzt Tätigkeit als Wachmann

Der 101-Jährige hatte in dem seit Oktober vergangenen Jahres laufenden Prozess bestritten, dass er in dem KZ tätig war und angegeben, er habe in der fraglichen Zeit als Land­arbeiter bei Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern) gearbeitet. Die Staats­anwaltschaft stützt sich bei ihrer Anklage aber auf Dokumente zu einem SS-Wachmann mit dem Namen, Geburts­datum und Geburtsort des Mannes sowie auf weitere Dokumente.

Im KZ Sachsenhausen waren etwa 200.000 Häftlinge

In dem Konzentrations­lager, das im Sommer 1936 von Häftlingen aus den Emsland­lagern errichtet worden war, waren in der Zeit von seiner Errichtung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert - unter ihnen politische Gegner des NS-Regimes sowie Angehörige der von den National­sozialisten verfolgten Gruppen wie Juden und Sinti und Roma. Zehn­tausende Häftlinge kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangs­arbeit, medizinische Versuche und Miss­handlungen ums Leben oder wurden Opfer von systematischen Vernichtungs­aktionen der SS.

Der Prozess wurde aus organisatorischen Gründen in einer Sporthalle in Brandenburg/Havel, dem Wohnort des 101-Jährigen geführt. Der hochbetagte Mann war nur eingeschränkt verhandl­ungsfähig und konnte täglich nur etwa zweieinhalb Stunden an dem Prozess teilnehmen.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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