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Schadensersatzrecht und Verkehrsrecht | 12.01.2018

Mit­verschulden bei Unfall

Außer­planmäßiger Ausstieg aus dem Bus auf der Landstraße: Kind trifft bei Verkehrs­unfall Mitverschulden

Bei älteren Kindern kann Gefahren­bewusstsein vorausgesetzt werden

(Oberlandesgericht Naumburg, Urteil vom 25.01.2017, Az. 10 66/16)

Auch ein noch nicht ganz zwölf­jähriges Kind muss im Straßen­verkehr gewisse Gefahren erkennen. Etwa dann, wenn es einen Bus verlässt und hinter ihm über die Straße geht. Ansonsten trifft es ein hohes Mit­verschulden. Das geht aus einem Urteil des Ober­landes­gerichts Naumburg hervor (Az.:10 66/16).

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Im zugrunde liegenden Fall fuhr eine fast zwölfj­ährige Schülerin mit einem Linienbus nach Hause. Unterwegs bat sie den Busfahrer, sie vor der ursprünglichen Haltestelle auf freier Strecke aussteigen zu lassen. Das wäre eine große Abkürzung. Dem kam der Fahrer nach, öffnete die Tür, schaltete die Warnblink­anlage aber nicht an. Das Mädchen stieg aus und querte hinter dem Bus die Straße. Dabei kam es zu einem Unfall mit einem Auto, das langsam auf der Gegen­fahrbahn fuhr.

Versicherung verweigert Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld

Die Eltern verlangten Schmerzensgeld und Schadensersatz, da sie der Auffassung waren, dass ein elf­jähriges Kind nicht allein hafte. Die Versicherung verweigerte die Zahlung. Auch ein Kind in diesem Alter hätte die selbst herbeigeführte Situation erkennen können. Es hätte zumindest abwarten müssen, bis der Bus nicht mehr die Sicht versperrt, bevor es über die Straße ging. 30 Prozent des Schadens seien bereits gezahlt worden.

Mitverschuldensanteil von 70 Prozent gerechtfertigt

Das Gericht gab der Versicherung Recht. Ein Kind in diesem Alter verfüge über die notwendige Einsichts­fähigkeit. Und damit über das Wissen, dass es mit erheblichen Gefahren verbunden ist, hinter einem Bus über die Straße zu gehen. So etwas sei nur mit der entsprechenden Vorsicht zu tun. Daher hätte die Klägerin einen Mit­verschuldens­anteil von 70 Prozent zu tragen. Der Busfahrer hätte allerdings nicht außerhalb der eigentlichen Halte­station halten dürfen. Auch der andere Autofahrer hätte früher reagieren können. Das sei aber bereits im Verschuldens­anteil von 30 Prozent berücksichtigt.

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Quelle: dpa/DAWR/ab

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