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Strafrecht | 16.06.2017

Bankraub

Bankraub aus Freund­schaft: Bank­kaufmann fädelt Überfall auf eigenes Geld­institut ein

Vorsitzender Richter stuft Überfall als minder­schweren Fall ein

Ein vermögender Bank­kaufmann fädelt den Überfall auf sein eigenes Geld­institut in Hannover ein. Die Hintergründe konnte der Prozess vor dem Landgericht nicht ganz aufklären. Fest steht aber: Beide Täter verband eine intensive Freund­schaft.

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Er führte ein Luxusleben, besaß einen Porsche Cayenne und einen Mercedes-Benz SL Roadster, sammelte edle Uhren. Der 32-jährige Nicolas F., Filial­leiter einer Bank in Hannover, war auf der Gewinner­straße - bis er gemeinsam mit seinem Freund Ehsan J. (32) auf die Idee kam, sein eigenes Geld­institut zu überfallen. Am 22. Juni 2016 betrat Ehsan J. morgens maskiert mit einer Pistole die Filiale und fesselte zwei arglose Angestellte sowie seinen eingeweihten Freund. 367.500 Euro erbeutete das Duo aus dem gut gefüllten Tresor, erst im November wurden die zwei gefasst.

„Irrsinn und Wahnsinn“

Als „Irrsinn und Wahnsinn“ bezeichnete der Verteidiger von Nicolas F., Matthias Waldraff, die Tat. Das Landgericht Hannover verurteilte den 32-Jährigen wegen schweren Raubes zu einer Haftstrafe von drei Jahren und fünf Monaten. Sein gleichaltriger Komplize erhielt eine Freiheits­strafe von drei Jahren und zehn Monaten und kommt zunächst in eine Entziehungs­anstalt. Der Vorsitzende Richter Volker Löhr stufte den Überfall als minder­schweren Fall ein und folgte damit der Verteidigung. Die Staats­anwaltschaft hatte Strafen von viereinhalb beziehungs­weise vier Jahren und neun Monaten gefordert. Das Urteil ist rechts­kräftig.

Schulden waren Auslöser

Auslöser des Plans waren rund 20.000 Euro Schulden, die Ehsan J. wegen seiner Kokainsucht im kriminellen Milieu hatte. Er habe seinem Freund aus der Patsche helfen wollen, hatte Nicolas F. über seinen Verteidiger erklären lassen. Zudem sei er beunruhigt gewesen, weil sein Kumpel von der Drogenmafia bedroht worden sei.

Auf der Anklagebank sitzen die ungleichen Freunde, die fast täglich telefonierten, rund zwei Meter voneinander entfernt. Nicolas F. ist groß und trägt ein lässiges dunkles Sakko, weißes Hemd und eine modische Hornbrille. Er sitzt in sich zusammen­gesunken, während der aus dem Iran stammende Ehsan S. mit geradem Rücken die Verhandlung verfolgt. Der Mann mit der Glatze und dem akkurat geschnittenen Bart hat keine abgeschlossene Berufsaus­bildung, arbeitete im Betrieb seines Vaters.

Nach dem geglückten Raubzug erhielt der Filial­leiter laut Gericht nur etwa 50.000 Euro. Diese Summe war bei der Festnahme des Duos Ende 2016 noch vorhanden. Ehsan J. dagegen habe einen Großteil seiner 217.500 Euro „in Massage­salons und Bars verprasst“, sagte der Vorsitzende. Immerhin seien 89.500 Euro wieder aufgetaucht.

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Bankkaufmann will geraubte Summe zurückzahlen

Trotz seines geringen Anteils an der Beute hatte sich der Bank­kaufmann bereiterklärt, die geraubte Summe komplett aufzubringen und den Schaden wieder­gutzumachen. „Bisher ging es für ihn nur um Kohle, Kohle. Mit dem Materialismus ist es jetzt vorbei. Er hat einen Hebel umgelegt in der Haft“, sagte Waldraff nach der Verhandlung. Der Verteidiger zeigte sich sehr zufrieden mit dem Urteil. Zum Prozess­start habe eine Strafe von acht bis neun Jahren gedroht.

Trotz der umfassenden Geständnisse der beiden nicht vorbestraften Angeklagten bleiben offene Fragen. So gab der Räuber an, er habe bei dem Überfall nur eine nicht geladene Gaspistole und die Attrappe einer Handgranate dabei gehabt. Diese habe er später im Müll entsorgt. Diese Aussage sei nicht widerlegbar gewesen, sagte Richter Löhr. Bei scharfen Waffen hätte die Mindest­strafe bei fünf Jahren gelegen.

Bankmitarbeiter will zwei Räuber gesehen haben

Rätselhaft bleibt zudem, warum einer der damals gefesselten Bank­mitarbeiter weiterhin überzeugt ist, dass zwei Räuber beteiligt waren. „Wir können nicht sicher sein, dass ein dritter Täter vorhanden war“, sagte der Richter. Die Polizei fahndete zunächst nach zwei Männern - einer mit rotem Oberteil und einer im weißen Maler-Overall. Ehsan S. sagte, dass er auch der Mann im Overall war.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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