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EU-Recht, Reiserecht und Schadensersatzrecht | 31.10.2018

Flug­verspätung

Bei zu pauschal begründeter Flug­verspätung besteht Anspruch auf Entschädigung

Airline kann sich nicht mit Verweis auf viele andere verspätete Flüge auf außergewöhnliche Umstände berufen

(Amtsgericht Berlin-Wedding, Urteil vom 20.11.2017, Az. 18 C 146/17)

Mit dem Verweis auf viele andere verspätete Flüge kann sich eine Airline nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen, wenn sie einen Flug annulliert. Betroffenen Passagieren steht dann eine Entschädigung nach EU-Recht zu, wie aus einem Urteil des Amts­gerichts Berlin-Wedding hervorgeht (Az.: 18 C 146/17).

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Anschlussflug wegen Flugverspätung verpasst

Im verhandelten Fall wollte ein Passagier von Brest in Frankreich über Paris nach Berlin fliegen. Doch die Maschine hob verspätet in Brest ab, der Mann verpasste den direkten Anschluss­flug mit derselben Airline in Paris. Erst gut 24 Stunden später landete er in Berlin. So eine Verspätung komme einer Annullierung des ganzen Fluges mit beiden Teil­strecken gleich, so das Gericht. Dem Mann stehe demnach gemäß EU-Flug­gastrechte-Verordnung eine Entschädigung von 250 Euro zu.

Airline beruft sich auf schlechte Sichtverhältnisse

Grund für die Verspätung waren nach Angaben der Airline schlechte Sicht­verhältnisse am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle. Von dort war die Maschine schon verspätet nach Brest abgehoben und aus diesem Grund auch zu spät wieder in Paris angekommen. Die Airline gab an, es habe an diesem Tag mehr als 130 verspätete Flüge in Paris gegeben.

Gericht findet Begründung „völlig pauschal“

Das Gericht nannte diese Begründung „völlig pauschal“. Demnach konnte die Fluggesellschaft nicht belegen, dass außergewöhnliche Umstände - etwa Anordnungen der Flug­sicherung wegen des schlechten Wetters - für die Flug­verspätung gesorgt hatten. Außerdem konnte die Airline, die ihr Drehkreuz in Paris hat, nicht erklären, warum der Mann erst einen Tag später nach Berlin geflogen werden konnte. Die Route Paris-Berlin werde oft bedient, so das Gericht. Die Angabe, der Mann sei auf den „erst­möglichen Flug mit ver­fügbaren Plätzen“ umgebucht worden, reiche nicht für das gebotene bestmögliche Bemühen um Ersatz­beförderung.

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Gericht verneint außergewöhnlicher Umstände

Demnach hat die Airline aus Sicht des Gerichts nicht alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen, um die erhebliche Verspätung zu verhindern. Doch sie muss genau diese Bemühungen nachweisen, wenn sie Entschädigungen für Annul­lierungen aufgrund außergewöhnlicher Umstände ablehnt.

Quelle: dpa/DAWR/ab

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