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Familienrecht und Unterhaltsrecht | 19.02.2018

Ausbildungs­unterhalt

Besondere familiäre Umstände können Anspruch auf Kindes­unterhalt für vierte Ausbildung begründen

Eltern haben auf Grund schwieriger häuslicher Verhältnisse erhöhte Finanzierungs­pflicht

(Oberlandesgericht Brandenburg, Beschluss vom 04.04.2017, Az. 10 WF 19/16)

Junge Erwachsene brauchen manchmal mehrere Anläufe, bis sie die richtige Ausbildung gefunden haben. Auch die familiäre Situation kann ihren Teil dazu beitragen. In diesem Fall können Eltern in die Pflicht genommen werden, mehrere Aus­bildungen zu finanzieren.

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Ein volljähriges Kind kann aus­nahmsweise Anspruch auf Kindes­unterhalt für eine vierte Ausbildung haben. Voraussetzung ist, dass die vorherigen Aus­bildungen aufgrund besonderer familiärer Umstände erfolglos waren. Die häuslichen Verhältnisse müssen sich negativ auf die Entwicklung und Ausbildung des Kindes ausgewirkt haben. Das hat das Oberlandes­gericht Brandenburg entschieden (Oberlandesgericht Brandenburg, Beschluss vom 04.04.2017, Az. 10 WF 19/16).

Volljähriger Sohn fordert Kindesunterhalt vom Vater für vierte Ausbildung

In dem verhandelten Fall verlangte der mittlerweile volljährige junge Mann von seinem Vater Kindes­unterhalt. Drei vorherige Aus­bildungen hatte er abgebrochen, nun absolvierte er eine vierte. Die erste Ausbildung war aufgrund einer Fehlein­schätzung seiner Begabung ungeeignet gewesen. Der Abbruch der Fach­oberschule war durch den Umzug der Mutter in ein anderes Bundesland bedingt. Der gerade volljährig gewordene Sohn begleitete sie. Die nach einem Vierteljahr ab­gebrochene dritte Ausbildung zum Hotel­fachmann erwies sich ebenfalls als Fehlschlag. Es war die erste Ausbildung, die der Sohn im Erwachsenen­alter aufgenommen hatte.

Gericht bejaht Ausbildungsunterhalt

Nach Auffassung des Gerichts steht dem Sohn Ausbildungs­unterhalt vom Vater zu. Und zwar auch dann, wenn dies die vierte Ausbildung sei. Die Eltern hätten eine erhöhte Finanzierungs­pflicht. Grund für den dreimaligen Ausbildungs­abbruch seien schwierige häusliche Verhältnisse. Deshalb müsse ihm eine Orientierungs­phase zugestanden werden.

Vierte Ausbildung kann als zweite Ausbildung als Erwachsener gewertet werden

Bei der dritten abgebrochenen Ausbildung handele es sich um die erste Ausbildung, die der junge Mann als Voll­jähriger aufgenommen habe. Während der Zeit habe er im Wesentlichen seinen Unterhalt auch selbst bestritten, das müsse berücksichtigt werden. Die vierte Ausbildung sei somit die zweite Ausbildung, die er als Erwachsener beginne. Daher stehe ihm auch ein Ausbildungs­unterhalt zu. Im Normalfall haben volljährige Kinder nur bis zum Ende der ersten Ausbildung Anspruch auf Unterhalt.

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Quelle: dpa/DAWR/ab

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