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EU-Recht, Reiserecht und Schadensersatzrecht | 06.07.2018

Flug­verspätung

EuGH: Entschädigung bei Flug­verspätung von gebuchter Airline

Finanzielle Verantwortung für Verspätungen liegt bei ausführendes Luftfahrt­unternehmen

(Europäischer Gerichtshof , Urteil vom 04.07.2018, Az. C-523/17)

Ein verspäteter Flug, stunden­langes Warten am Flughafen: In so einem Fall können Reisende nach EU-Recht Entschädigungen verlangen. Doch welche Airline ist zuständig? Manchmal kann es knifflig werden - sowie in diesem Fall vor dem Europäischen Gerichtshof.

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Bei stundenlangen Verspätungen bekommen Reisende Entschädigungen von der gebuchten Airline - auch wenn diese ein fremdes Flugzeug samt Besatzung gemietet hat. Das entschied der Europäische Gerichtshof. Die finanzielle Verantwortung bei Annullierung oder langer Verspätung trage die Gesellschaft, die einen Flug ansetzt. (Gerichtshof der Europäischen Union, Urteil vom 04.07.2018, Az. C-532/17)

Passagiere verlangen Entschädigung nach EU-Recht wegen dreistündiger Flugverspätung

Im konkreten Fall ist demnach TUIfly in der Pflicht. In dem Rechts­streit geht es um einen verspäteten Flug, für den TUIfly eine Maschine samt Besatzung von Thomson Airways gemietet hatte. In der Buchungs­bestätigung hieß es, dass die Buchungen von TUIfly vorgenommen würden, der Flug aber von Thomson Airways „ausgeführt“ werde.

Nachdem der Flug von Hamburg ins mexikanische Cancún mit mehr als drei­stündiger Verspätung ankam, verlangten mehrere Passagiere Entschädigung nach EU-Recht. Sie stellten ihre Forderungen zunächst an Thomson Airways. Die Gesellschaft verweigerte eine Zahlung aber - mit der Begründung, sie sei nicht das ausführende Luftfahrt­unternehmen gewesen.

Fluggesellschaft die entscheidet ist auch verantwortlich

Die Kläger zogen vor das Landgericht Hamburg. Dieses wollte nun vom EuGH wissen, welche Airline in einem solchen Fall als „ausführendes Luftfahrt­unternehmen“ im Sinne der EU-Regeln gilt - und somit die Entschädigung zahlen muss.

Die Luxemburger Richter entschieden: Die Fluggesellschaft, die die Entscheidung treffe, einen bestimmten Flug anzubieten, sei als ausführendes Luftfahrt­unternehmen anzusehen. „Welche Airline in der Buchungs­bestätigung als ausführendes Luftfahrt­unternehmen genannt ist, spielt dabei keine Rolle“, kommentierte der Anwalt Dirk Smielick von der Wirtschafts­kanzlei CMS in Köln das Urteil.

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Entschädigung bei mehr als drei Stunden Verspätung

Wenn ein Flug annulliert wird oder sich um mehr als drei Stunden verspätet, steht Passagieren nach EU-Recht eine Entschädigung zu. Die EU-Flug­gastrechte-Verordnung sieht bei einer Flugstrecke von bis zu 1.500 Kilometern 250 Euro pro Person vor. Bei Strecken von 1.500 bis 3.500 Kilometern sind es 400 Euro, bei über 3.500 Kilometern 600 Euro.

Anspruch auf Entschädigung auch bei Verspätung von Anschlussflügen außerhalb Europas

Flug­reisenden steht auch bei der Verspätung von Anschluss­flügen außerhalb Europas unter bestimmten Bedingungen eine Entschädigung zu. Wenn der Abflugsort innerhalb der EU liegt und die Flüge Teil einer Buchung waren, ändern auch Zwischen­landungen außerhalb Europas nichts an bestehenden Ansprüchen.

Die britische Fluggesellschaft Thomson Airways und die deutsche Fluggesellschaft TUIfly gehören zum TUI-Konzern. 2017 wurde die britische Tochter­firma Thomson Airways in TUI-Airways umbenannt - um eine global einheitliche Marke zu bilden, wie TUI damals mitteilte.

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Quelle: dpa/DAWR/ab

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