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Internetrecht und Wettbewerbsrecht | 15.11.2019

Fake-Bewertungen

Gekaufte Fake-Bewertungen auf Reiseportal sind rechts­widrig

Abgabe von Bewertungen ohne tatsächliche Übernachtung unzulässig

Fake-Bewertungen im Internet sind ärgerlich - für Online-Shopper ebenso wie für Webportale, deren Ruf leidet. In einem exemplarischen Fall schreitet das Münchner Landgericht ein.

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In einem Urteil mit Signal­charakter hat das Münchner Landgericht gekaufte Fake-Bewertungen im Internet für rechts­widrig erklärt. Das Gericht gab mit der Entscheidung einer Klage des Urlaubs­portals Holiday­check gegen erfundene Bewertungen statt, die die im süd­amerikanischen Kleinstaat Belize ansässige Firma Fivestar Marketing an mehrere Hoteliers verkauft hatte.

Bewertung nur bei tatsächlicher Übernachtung zulässig

Fivestar darf künftig keine Bewertungen mehr von Menschen verkaufen, die nicht tatsächlich in dem jeweiligen Hotel oder Ferienhaus übernachtet haben. Das Unternehmen muss dafür Sorge tragen, dass die entsprechenden Fake-Bewertungen gelöscht werden. Fivestar muss außerdem dem zum Medien­konzern Burda gehörenden Urlaubs­portal Auskunft geben, von wem die erfundenen Bewertungen stammten. Die Entscheidung erging in Form eines so genannten Versäumnis­urteils. Trotz Ladung war kein Vertreter von Fivestar zur Verhandlung erschienen.

Positive Bewertungen werden an Unternehmen verkauft

Zielgruppe von Fivestar sind Firmen, die ihre Umsätze durch positive Bewertungen aufbessern wollen. „Durch Fivestar erhalten Sie hochwertige Rezensionen Ihrer Produkte, Ihrer Dienst­leistungen oder Ihres Shops“, wirbt Fivestar auf der eigenen Webseite.

Amazon-Bewertungen am teuersten

Gekaufte Amazon-Bewertungen sind mit einem Preis ab 19,40 am teuersten, Bewertungen kann die Kundschaft aber auch für Google, Facebook oder Arbeitgeber­bewertungs­portale kaufen - im Paket billiger. Fivestar warb in der Vergangenheit damit, dass Spitzen­bewertungen verkauft werden, hat diesen Hinweis aber mittlerweile gestrichen.

Bereits mehrere Gerichtsentscheidungen gegen Fivestar

Die Aktivitäten von Fivestar sind auch anderen Online-Konzernen aufgefallen. Der US-Konzern Amazon ist ebenfalls sehr darauf bedacht, Fake-Bewertungen einen Riegel vorzuschieben. In Deutschland habe Amazon ein Dutzend Gerichts­entscheidungen gegen Unternehmen erwirkt, die Bewertungen verkaufen, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. „Unter anderem haben wir zwei einstweilige Verfügungen gegen Fivestar Marketing erreicht, von denen eine bereits durch ein rechts­kräftiges Urteil bestätigt wurde.“

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Nicht authentische Bewertungen meist computergeneriert

Die Geschäfts­praxis von Fivestar unter­scheidet sich von anderen Bewertungs­firmen, die bei Fake-Rezensionen im Internet auf automatisierte Verfahren setzen. „Nach unseren Schätzungen sind mehr als 90 Prozent der nicht authentischen Bewertungen computer­generiert“, sagte der Amazon-Sprecher. „Wir arbeiten mit Prüfteams und automatisierten Systemen, um unechten Rezensionen vorzubeugen, sie aufzuspüren und Maßnahmen gegen die Betreiber dieses Missbrauchs zu ergreifen.“

Fivestar nutzt keine Computerautomaten

Fivestar nutzt dagegen keine Computer­automaten, sondern heuert freie Mitarbeiter an. Im speziellen Münchner Fall verbietet das Urteil des Land­gerichts Fivestar nicht generell, Bewertungen auf Holiday­check zu verkaufen - verboten sind jedoch Rezensionen von Fivestar-Bewertern, „die das Hotel nie von außen, geschweige denn von innen gesehen haben“, wie der Vorsitzende Richter Gawinski formulierte.

Ansprüche bleiben trotz Umbenennung und Änderung der Rechtsform bestehen

Das beklagte Unternehmen hat sich kürzlich umbenannt und die Rechtsform geändert, von Fivestar Marketing UG in Fivestar AG bR, wie der Richter vortrug. Der ehemalige Geschäfts­führer ist nun nicht mehr Geschäfts­führer, ein neuer ist im Handels­register nicht eingetragen. Das wird dem Unternehmen aber nicht helfen, den Ansprüchen der siegreichen Holiday­check zu entgehen. „Das ist wie eine Geschlechts­umwandlung“, sagte Richter Gawinski zur Änderung der Rechtsform. „Das bedeutet nicht, dass es die Firma nicht mehr trifft.“

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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