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Immobilienrecht und Mietrecht | 28.09.2016

Mietstreit

Lizenz zum Weiter­qualmen: Rauchender Rentner Friedhelm Adolfs gewinnt Mietstreit

Raucher Friedhelm Adolfs (78) hat den spektakulären Rechts­streit um den geplanten Rauswurf aus seiner Wohnung doch noch gewonnen

Lizenz zum Weiter­qualmen: Der rauchende Rentner Friedhelm Adolfs geht im jahrelangen „Kippen-Krieg“ mit seiner Vermieterin als strahlender Sieger aus dem Saal - und steckt sich eine an.

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Die Finger zum Victory-Zeichen gespreizt, in der anderen Hand eine dicke Sieges-Zigarre. Raucher Friedhelm Adolfs hat es nach mehr als drei Jahren Prozess­dauer doch noch geschafft. Der 78-Jährige darf in seiner Wohnung bleiben - die fristlose Kündigung seiner Vermieterin ist praktisch vom Tisch. Das Düsseldorfer Landgericht weist ihre Klage wegen seines Rauch­verhaltens, das für die Nachbarn unzumutbar sei, ab und lässt keine Revision zu (Az.: 23 S 18/15). Das Urteil ist zwar noch nicht rechts­kräftig, dass der Bundes­gerichts­hof den Fall aber noch einmal auf den Kopf stellt, gilt nach den Hinweisen der Bundes­richter als extrem unwahrscheinlich.

„Die Erleichterung ist sehr groß“

Blitzlicht­gewitter, Umarmungen und Schulter­klopfen vor Saal 2.119. „Die Erleichterung ist sehr groß“, bekennt der schmächtige Rentner, der sich für den Termin in Schale geworfen hat: Nadel­streifen-Anzug, Krawatte und blaues Hemd. „Ich brauche jetzt nicht von heute auf morgen raus, das ist schon mal gut. Einmal musste es ja zum Schluss kommen.“ Als die Anspannung von ihm abfällt, ist Adolfs sichtbar den Tränen nahe, seine Augen werden feucht: „Schöner kann es mir gar nicht gehen.“

Nach der Anhörung von 13 Zeugen in der vom Bundes­gerichts­hof angeordneten Beweis­aufnahme hatten sich die dunklen Wolken über dem 78-Jährigen bereits gelichtet. Den zuvor siegreichen Anwältinnen der Vermieterin schwammen bei der Neuauflage des Falls vor dem Landgericht die Felle davon.

Die von Adolfs aufgebotenen Zeugen teilten unisono mit, nichts von üblen Rauch­schwaden und unerträglichem Gestank bemerkt zu haben, wenn sie den Senior besuchten. Der habe eifrig gelüftet. Und wenn doch, dann seien es andere gewesen, die im Hauseingang geraucht hätten, jedenfalls nicht der Witwer.

Rentner Adolfs vermutete Profitgier seiner Vermieterin

Adolfs selbst hatte Profit streben hinter dem Vorgehen der Vermieterin vermutet: Die wolle vermutlich bloß seine Wohnung auch noch in lukrativen Büroraum umwandeln. Seine unmittelbaren Nachbarn hätten sich jedenfalls überhaupt nicht beschwert.

„Die Sache ist rechtlich relativ eindeutig“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. „Mieter müssen ausreichend lüften. Das gilt nicht nur für Zigaretten­rauch, auch etwa für extremen Knoblauch­geruch.“ Wer sich daran halte, der dürfe rauchen. „Die eigenen vier Wände sind schließlich der letzte Rückzugs­ort für Raucher.“

Sogar aus Sicht des Eigentümer­verbandes Haus & Grund ist das Urteil „juristisch nachvollziehbar“: „Wenn die Belästigung nicht beweisbar ist, muss man das so hinnehmen“, sagt Sprecher Alexander Wiech. Das Urteil sei dennoch kein Freibrief: „Mieter müssen sich sozial­verträglich verhalten.“

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Amtsgericht und Landgericht hatten die Kündigung bestätigt

Zuvor hatte Adolfs vor dem Amtsgericht und dem Landgericht Niederlagen erlitten. Beide Instanzen hatten die Kündigung nach mehr als 40 Jahren Mietdauer bestätigt. Adolfs habe seine Nachbarn in dem Mehr­parteien­haus mit Zigaretten­qualm unzumutbar belästigt und so ihre Gesundheit gefährdet, hieß es damals. Nach dem Tod seiner Frau soll er die Parterre­wohnung kaum gelüftet haben. Der Qualm sei in den Hausflur gezogen, hatte der Haus­verwalter berichtet.

Der Streit war zum bundesweit diskutierten Politikum geraten

Millionen Raucher sahen sich in der Defensive gegen einen immer schärferen Nicht­raucher­schutz. Sie befürchteten, das Verfahren könnte die rote Linie zwischen Rauchern und Nicht­rauchern, die unter einem Dach leben, zu ihren Ungunsten verschieben. Adolfs selbst war bei Raucher-Demos aufgetreten, Raucher hatten wiederum eine Spenden­aktion für die Prozess­kosten des Haus­meisters im Ruhestand gestartet.

Ob er jetzt, wo er darf, dort langfristig weiter wohnen bleibe, wisse er noch gar nicht so genau, sagt Adolfs. Erst als die Frage kommt, ob er nun nicht doch etwas weniger rauchen wolle, blitzen seine Augen wieder angriffslustig: „Um Gottes Willen - auf keinen Fall.“

Siehe auch:

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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