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Datenschutz, Internetrecht und Verbraucherrecht | 30.06.2020

Identitätsd­iebstahl

Mahnungen unbekannter Online-Händler: Was bei Identitätsd­iebstahl zu tun ist

So können Sie sich gegen Identitätsd­iebstahl schützen

Mahnungen unbekannter Online-Händler gelten schnell als Spam. Sie können aber ein Warnhinweis auf Identitätsd­iebstahl sein. Wie geht man in solchen Fällen vor? Und wie schützt man sich?

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Ein gutes Beispiel für klassischen Identitätsd­iebstahl gibt es in der Literatur: Im Roman von Patricia Highsmith und dem gleichnamigen Film „Der talentierte Mr. Ripley“ ist Tom Ripley so von seinem Freund Dickie fasziniert, dass er heimlich Dickies Kleidung trägt und ihn immer realitäts­getreuer imitiert. Er ermordet Dickie schließlich und gibt sich selbst für ihn aus. Toms Existenz wird zum Katz-und-Maus-Spiel mit der italienischen Polizei.

Das Klauen von vertraulichen Daten kann mit verschiedenen Absichten geschehen, zum Beispiel mit einer Bereicherungs­absicht (wenn der Täter etwas bestellt und die Rechnung für die Ware an eine abweichende Adresse schicken lässt) oder mit einer Schädigungsa­bsicht - der Täter eröffnet zum Beispiel ein Facebook-Profil im Namen einer fremden Person.

Gefühl wie nach einem Einbruch

„Wenn sich jemand unserer Identität bemächtigt, verletzt uns das meistens tief“, erläutert Bernhard Witt, Datenschutz­experte bei der it.sec GmbH. „Das Gefühl ist mit dem Gefühl nach einem Einbruch zu vergleichen, wenn man weiß, dass jemand in unseren Dingen herum­gewühlt hat. Jemand ist in unseren persönlichen Bezugs­rahmen eingedrungen.“

Der Diebstahl beziehungs­weise die Imitation der Identität ist im genannten Film ebenso wie in der digitalen Welt die entscheidende Vorbereitung für den Betrug. Bei Identitätsd­iebstahl, aber auch bei Skimming, Phishing oder Nicknapping handelt es sich um sogenannte Man-in-the-Middle-Angriffe (MITM-Angriffe): Zwischen den beiden eigentlich kommunizierenden Personen oder Vertrags­partnern steht eine dritte Partei, die Daten abfängt und diese verwendet, um damit einen Betrug zu begehen.

Fachleute raten zur Strafanzeige

Geklaut werden bei einem Identitätsd­iebstahl immer Daten und Kombinationen von Daten, die zur Identifikation einer Person dienen, zum Beispiel das Geburts­datum und die Anschrift, die Kredit­karten-, Personal­ausweis-, Sozial­versicherungs- oder Führerschein­nummer.

„Wenn ein solcher Betrug vorliegt, würden wir immer empfehlen, eine Straf­anzeige zu erstatten“, sagt Katharina Wiatr, Referentin bei der Berliner Daten­schutz­beauftragten. Der Polizei sollte man so viele Informationen wie möglich etwa von einer unter falschen Angaben getätigten Waren­bestellung übergeben.

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Widerspruch einlegen

„Die Kopie der Straf­anzeige sollte man unbedingt an das Unternehmen, von dem die Rechnung beziehungs­weise die Mahnung kam, sowie an das Inkasso­unternehmen und an die Auskunfteien schicken“, rät Katharina Wiatr, Referentin bei der Berliner Daten­schutz­beauftragten. Wichtig sei es auch, gegen jegliche Forderung Widerspruch einzulegen. Oft bemerke man den Betrug zwar erst mit zeitlichem Verzug, aber auch wenn der Betrug nicht mehr rück­gängig gemacht werde könne und man gegen unbekannt vorgehe, lohne sich der Aufwand.

„Meist muss man unter zeit- und kosten­intensiven Umständen viel aufrollen“, bedauert Katharina Wiatr, Referentin bei der Berliner Daten­schutz­beauftragten, „aber unsere Erfahrung zeigt, dass man dann zum Beispiel die Ware, die man nicht bestellt hat, auch nicht wird bezahlen müssen.“ Einige Auskunfteien bieten ein Formular zur Meldung von Identitäts­betrug durch Betroffene an.

Verfahren werden oft eingestellt

„Wenn Anzeige erstellt wurde, ist die Polizei verpflichtet, ein Ermittlungs­verfahren einzuleiten“, erklärt Ulrich Dost-Roxin, Fachanwalt für Strafrecht. „Oft vergehen aber leider Monate oder sogar Jahre, bis man eine Nachricht erhält. Und die laute dann oft, dass das Verfahren eingestellt wurde. Denn das Strafrecht sei ein stumpfes Schwert im Kampf gegen die Internet­kriminalität.

Identitäts­missbrauch ist kein Offizial­delikt. Die Taten werden nur auf Antrag verfolgt und gering bestraft. „Im Zeitalter des Internets ist der Staat nicht mehr in der Lage, solche Taten annähernd effektiv zu verfolgen“, sagt Dost-Roxin. Trotzdem solle man bei Identitäts­missbrauch Anzeige erstatten.

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Schnelligkeit ist geraten

Wichtig sei es, möglichst schnell zu reagieren, damit weitere Miss­bräuche des Identitäts­merkmals vermieden und Folge­schäden begrenzt werden könnten, sagt auch Datenschutz­berater Witt. So sei es am Ende vielleicht doch befriedigend, dass man andere End­verbraucher habe warnen können.

Man solle sich auch überlegen, zum Beispiel den Versand-Account aufzukündigen oder mit dem Vertrags­partner ein anderes Identifikations­merkmal zu vereinbaren. „Es gibt verschiedene Arten, identitäts­bestimmende Daten zu verwalten“, erklärt der Experte. „Man muss nicht unhinterfragt hinnehmen, was einem vom Vertrags­partner vorgeschlagen wird.“

Ungeeignete Mittel der Authentifizierung

Oft liege das Problem bei den Unternehmen, die ungeeignete Mittel zur Identifizierung bieten oder die Nutzer nicht ausreichend identifizierten, weiß auch die Datenschutz-Referentin Wiatr. „Wenn zum Beispiel bei einer Erst­bestellung auf Rechnung eine abweichende Liefer­anschrift angegeben wird, wird das von den Anbietern oft nicht nach­verfolgt.“ Gerade so wird bei einem Kauf auf Rechnung Identitätsd­iebstahl überhaupt erst möglich.

Bei so etwas sollten Unternehmen eigentlich hellhörig werden: Die Fälle träten dann aber doch zu vereinzelt auf, als dass die Wirtschaft sie mit Interesse verfolgen würde, so Wiatr. Der elektronische Personal­ausweis als Identifikations­mittel sei bislang in der digitalen Einkaufs­welt noch nicht richtig angekommen. Das genaue Hingucken bei ab­weichender Liefer­anschrift und das Nachfragen beim Kunden in einem solchen Fall sei natürlich zeit- und kosten­aufwendig.

AGBs oft zu kompliziert

Witt sieht bei der Vertrags­gestaltung zweier Parteien Verbesserungs­potenzial. Kaum jemand habe Zeit, auch noch das in den AGBs verlinkte Dokument durch­zulesen. Außerdem fehlte den Verbrauchern oft das Wissen, mit dem man Formulierungen und Informationen in den AGBs interpretieren und einordnen könne.

„Meines Erachtens sollten die Hürden bei der Vertrags­gestaltung nicht so hoch­gestellt werden“, sagt Bernhard Witt, Datenschutz­experte bei der it.sec GmbH. „Natürlich müssen sich die Unternehmen absichern, aber gewisse Teile in der Textwüste sollten hervor­gehoben werden und verständlich formuliert sein.“ Sonst könne von gleich­berechtigten Vertrags­partnern keine Rede sein.

Wichtige Vorsichtsmaßnahmen

Die Experten empfehlen, auch einmal zu überprüfen, wie viele Informationen online über einen selbst abrufbar seien. Mit dem Identity Leak Checker des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) kann zum Beispiel mithilfe der E-Mail-Adresse geprüft werden, ob persönliche Daten bereits im Internet veröffentlicht wurden.

Generell solle man mit den persönlichen Daten im Netz so sparsam wie möglich umgehen, raten die Experten. Damit schränke man einen Identitäts­missbrauch erheblich ein oder halte die Schaden­höhe gering. Wichtig sei es, ein sicheres Passwort zu den geschützten Bereichen, zu erstellen. Solche und andere grund­legenden Ratschläge, wie das nicht Öffnen unbekannter Anhänge oder die Einrichtung eines Viren­schutzes auf dem Computer hätten, wie die Experten sagen, ihre Dringlichkeit nicht verloren.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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