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Steuerrecht | 26.01.2022

Mieter­abfindung

Mieter­abfindungen können Herstellungs­kosten sein

Unmittelbare Veranlassung durch bauliche Maßnahme genügt

(Finanzgericht Münster, Urteil vom 12.11.2021, Az. 4 K 1941/20 F)

Wenn Mieter vorzeitig ausziehen und der Vermieter dafür eine Abfindung zahlt, stellt sich die Frage: Wie wirken sich diese Kosten steuerlich aus? Das Finanz­gericht Münster hat eine Antwort gefunden.

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Manche Immobilien müssen aufwendiger renoviert werden. In solchen Fällen zahlen Vermieter ihren Mietern mitunter eine Abfindung, damit diese ihre Wohnung vorzeitig räumen.

Für Eigentümer stellt sich die Frage: Wie werden die Abfindungen steuerlich behandelt?

„Handelt es sich um Werbungs­kosten, können die Ausgaben sofort steuerlich geltend gemacht werden“, erklärt Daniela Karbe-Geßler vom Bund der Steuer­zahler in Berlin. „Gelten sie als anschaffungs­nahe Herstellungs­kosten, müssen sie über die Nutzungs­dauer verteilt werden, wenn sie eine bestimmte Grenze überschreiten.“

Gericht musste entscheiden

Nach Ansicht des Finanz­gerichts Münster zählen Abfindungen zu den Herstellungs­kosten (Az.: 4 K 1941/20 F). Nach Ansicht des Gerichts bezieht sich die gesetzliche Regelung nicht nur allein auf rein bauliche Kosten. Abfindungen seien durch Renovierungs­maßnahmen veranlasst, weil diese durch den Auszug der Mieter schneller durchzuführen seien.

Mieterabfindungen als Werbungskosten geltend gemacht

In dem Fall wollte ein Immobilien­unternehmen ein Haus renovieren. Um die Mieter zum Auszug zu bewegen und die Renovierungs­arbeiten so einfacher zu gestalten, zahlte die Firma Abfindungen. Diesen Betrag machte sie als sofort abzugsfähige Werbungs­kosten geltend. Das Finanzamt behandelte die Abfindungen aber als anschaffungs­nahe Herstellungs­kosten. Dagegen zog die Firma vor Gericht.

FG: Unmittelbarer Veranlassungszusammenhang zu der baulichen Maßnahme ausreichend

Ohne Erfolg: Das Finanz­gericht wies die Klage ab. Die Mieter­abfindungen seien laut Gesetz als anschaffungs­nahe Herstellungs­kosten zu behandeln. Der Wortlaut der Vorschrift sei so gefasst, dass als Aufwendungen für Instandsetzungs- und Modernisierungs­maßnahmen nicht nur Baukosten im technischen Sinne in Betracht kommen. Vielmehr reiche ein unmittelbarer Veranlassungs­zusammenhang zu der baulichen Maßnahme aus.

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Arbeiten im Voraus gut planen

Für dieses weite Verständnis spreche der Sinn und Zweck der Vorschrift, wonach die Renovierung einer Immobilie unmittelbar nach deren Erwerb steuerlich mit dem Erwerb einer bereits renovierten und damit teureren Immobilie gleichgestellt werden soll.

Für einen Sofortabzug der Kosten für Renovierung oder Sanierung muss daher darauf geachtet werden, dass die Kosten entweder erst drei Jahre nach Kauf anfallen oder innerhalb dieser Zeit 15 Prozent des Gebäude­werts nicht überschreiten. „Steuerlich günstiger kann sich der sofortige Abzug im Jahr der Aufwendungen auswirken“, sagt Karbe-Geßler. Es lohnt sich also, die anfallenden Arbeiten gut zu planen.

Quelle: dpa/DAWR/ab

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