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EU-Recht, Reiserecht und Schadensersatzrecht | 15.02.2017

Entschädigung

Nach Chaostagen bei Tuifly: Erste Erfolge für geschädigte Tuifly-Kunden

Gericht setzt Entschädigung fest

Nach der plötzl­ichen Massen­erkrankung des fliegenden Tuifly-Personals haben frustrierte Fluggäste eine Prozess­welle gestartet. Nun gibt es erste Urteile. Doch das Gesamtbild ist nach wie vor uneinheitlich.

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Erste Erfolge für geschädigte Fluggäste: Nach dem Chaos um ausgefallene und verspätete Flüge im vergangenen Herbst muss die Airline Tuifly zwei Klägern Entschädigungen zahlen. Das entschied Richterin Catharina Erps im Amtsgericht Hannover.

Rentnerpaar aus Bergisch Gladbach und Familie aus Celle haben Anspruch auf Entschädigung

Ein Rentnerpaar aus Bergisch Gladbach hat demnach Anspruch auf 800 Euro Entschädigung, weil ihr Rückflug von Kos nach Deutschland fast vier Stunden Verspätung hatte. Neben Zinsen muss die Tuifly auch die Kosten des Rechts­streits übernehmen.

Eine fünf­köpfige Familie aus Celle bekommt statt der geforderten 4000 Euro von Tuifly aber nur 2000 Euro, weil ihre Reise ganz abgesagt wurde und sie sich damit nur beschränkt auf die EU-Flug­gast­rechte­verordnung berufen konnte.

„Entscheidungen haben eine gewisse Signalwirkung“

Sie hat zudem gegen den Reise­veranstalter Tui geklagt und somit Chancen, auch den Restbetrag noch vor Gericht einzuklagen. Einer der Kläger-Anwälte der entschiedenen Fälle, Paul Degott aus Hannover, betonte: „Die Entscheidungen haben eine gewisse Signal­wirkung“. Bisher wollte die zum welt­größten Reise­konzern Tui gehörende Tuifly die betroffenen Urlauber nicht auf Basis der Flug­gast­rechte­verordnung entschädigen, da es die massenhaften Krank­meldungen von Crews im Herbst 2016 als wilden Streik wertete. Die Richterin dagegen betonte, das sei nicht hinlänglich bewiesen. Tuifly erstattet nur den Reisepreis und macht höhere Gewalt geltend.

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Bisher wurden vier von voraussichtlich über 1000 Verfahren entschieden

Ein Sprecher der Tui Deutschland betonte mit Hinweis auf zwei frühere Urteile zu Gunsten des Unternehmens: „Wir werden zunächst wohl immer ein uneinheitliches Bild haben, bleiben aber bei unserer Linie: Wir wollen ein Gefühl dafür bekommen, wie die Amtsrichter das in Summe bewerten.“ Damit sind in erster Instanz vier von voraussichtlich über 1000 Verfahren entschieden. Rund 700 Zivil­verfahren sind allein in Hannover anhängig. Verhandelt wurden bundesweit 30 Fälle; viele Amtsrichter hätten dabei signalisiert, dass sie der Linie des Unternehmens folgen wollten, sagte Tui-Deutschland-Kommunikations­chef Mario Köpers. Bei den jüngsten Entscheidungen werde Berufung geprüft.

Hintergrund der Verfahren: Krankheitswelle bei Tuifly

Im Herbst 2016 hatten viele Piloten und Flug­begleiter die Arbeit nieder­gelegt. Zuvor war bekannt geworden, dass Tuifly unter Führung der arabischen Fluglinie Etihad mit der österr­eichischen Air-Berlin-Tochter Niki in eine Holding integriert werden soll. An mehreren Tagen fielen reihenweise Flüge aus. Tui musste rund 3000 Reise­verträge kündigen, die meist mehrere zusammenreisende Personen betrafen. Die Flug­ausfälle im Oktober 2016 kosteten den Reise­konzern 22 Millionen Euro - darin sind die möglichen Kosten für den Rechts­streit noch nicht eingerechnet. Die Prozess­gegner gehen davon aus, dass er durch mehrere Instanzen gehen wird.

Siehe auch:

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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