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Reiserecht und Schadensersatzrecht | 08.11.2022

Flugannullierung

Nach Flug-Stornierung durch Airline auch höhere Sitzklasse und Abflug von einem anderen Flughafen erstattungs­fähig

Nicht erfolgtes Angebot der Airline für zeitnahe Ersatz­flüge stellt eine Pflicht­verletzung dar

(Landgericht Köln, Urteil vom 13.04.2022, Az. 4 O 440/20)

Ein Flug wird storniert und man bekommt keine Ersatz­beförderung angeboten? Dann kann man selbst tätig werden. Ein Urteil zeigt: Im Einzelfall sind auch höherwertige Tickets erstattungs­fähig

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Bei einem von der Airline stornierten Flug haben Passagiere Anspruch auf Ersatz­beförderung. Kommt die Fluggesellschaft diesem Wunsch nicht nach, können Passagiere selbst auf die Suche nach alternativen Flügen gehen und sich Mehrkosten dafür erstatten lassen. Der Anspruch kann auch dann bestehen, wenn die ersatzweise gebuchten Flüge eine höhere Sitzklasse haben und von einem anderen Flughafen starten als die stornierte Verbindung. Das zeigt ein Urteil des Land­gerichts Köln (Az.: 4 O 440/20).

Nach Flug-Storno - Kein Angebot für Ersatzbeförderung von Airline

Kläger war ein Mann, der mit seiner Frau von Singapur nach Deutschland fliegen wollte. Die Airline hatte den Flug aber Mitte März 2020 storniert. Der Mann hatte wegen der Flugannullierung vergeblich per E-Mail und Telefon bei der Airline um Infos gebeten, wie es nun weitergehen solle. Ein Angebot für eine Ersatz­beförderung machte die Airline nicht.

Passagier wird aktiv

Deshalb wurde der Mann am Tag nach seinen vergeblichen Kontakt­aufnahme­versuchen selbst tätig. Zu der Zeit drohten wegen der Corona-Pandemie schon Schließungen von Flughäfen und der stornierte Flug wäre schon am folgenden Tag abgehoben.

Der Mann war zu dem Zeitpunkt mit seiner Frau in Thailand. Er hatte für beide Flugtickets nach Singapur gebucht, um dort den jetzt jedoch stornierten Flug nach Deutschland zu erwischen. Das Problem für ihn: Von Singapur gab es keine adäquaten Ersatz­flüge mehr am geplanten Abflugtag.

Deshalb suchte er alternativ nach Flügen aus Thailand nach Deutschland und fand nur noch Verbindungen mit einer höher­wertigen Sitzklasse (Business­class statt Premium Economy). Er buchte Tickets für sich und seine Frau und stornierte die selbst gebuchten Zubringer-Flüge von Thailand nach Singapur.

Im Nachgang zahlte die Airline dem Mann das Geld für die stornierten Singapur-Deutschland-Flüge in Höhe von rund 2500 Euro zurück. Doch er forderte von der Airline auch eine Beteiligung an den Mehrkosten für die von ihm selbst ersatzweise gebuchten Business­class-Flüge von Thailand nach Deutschland, die gut 5000 Euro gekostet hatten.

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Gericht bejaht Anspruch auf Schadenersatz

Zu Recht, entschied das Landgericht. Die Airline sei in diesem Fall schaden­ersatz­pflichtig. Der Mann habe einen Anspruch auf Erstattung der Kosten im Sinne der EU-Flug­gast­rechte­verordnung (§ 8). Dem stehe weder der andere Abflugort noch die höhere Sitzklasse entgegen. Das nicht erfolgte Angebot der Airline für zeitnahe Ersatz­flüge stellt laut Gericht eine Pflicht­verletzung dar.

Worauf der Mann dagegen sitzen bleibt, sind die Stornokosten für seine Flugtickets von Thailand nach Singapur. Das lag laut Gericht nicht im Kenntnis- und Einfluss­bereich der beklagten Airline.

Quelle: dpa/DAWR/ab

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