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Schadensersatzrecht | 01.11.2022

Sanierung

Nachbarhaus darf bei Sanierung nicht beschädigt werden

Auch Eigen­initiative schmälert Schaden­ersatz nicht

(Oberlandesgericht Oldenburg, Urteil vom 08.07.2022, Az. 6 U 328/21)

Auf dem Bau geht selten alles glatt. Wenn aber Probleme über die eigene Grundstücks­grenze hinausgehen, können Eigen­tümerinnen und Eigentümer mit Schaden­ersatz­forderungen konfrontiert werden.

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Bei Sanierungsarbeiten am eigenen Haus sollte man umsichtig vorgehen. Entsteht durch die Arbeiten ein Schaden am Nachbarhaus, kann man sich schaden­ersatz­pflichtig machen. Geschädigte können sogar fiktiv abrechnen - also den Schaden selbst beheben, aber dennoch die Kosten geltend machen, die eine Fachfirma veranschlagen würde. Dies entschied das Oberlandes­gericht Oldenburg (Az.: 6 U 328/21).

Abgepumptes Wasser gelangte in Nachbarkeller

In dem konkreten Fall hatten der Beklagte und seine Geschwister das geerbte Elternhaus sanieren lassen. Dabei wurde auch Wasser aus dem Keller nach draußen gepumpt. Der Beklagte war überzeugt, das Wasser würde auf seinem Grundstück versickern, eine Ableitung zur Kanalisation nahm er daher nicht vor. Doch entgegen der Erwartung floss das Wasser zum Nachbarhaus hin und gelangte dort über einen Licht­schacht in den Keller, wo es Wände und Fußboden durch­nässte.

LG reduzierte die Forderungen um die Hälfte

Der Nachbar verlangte 6700 Euro Schaden­ersatz - den Betrag, den eine Fachfirma zur Behebung des Schadens in Rechnung gestellt hätte. Das Landgericht Osnabrück sprach ihm in der Vorinstanz nur gut die Hälfte der Summe zu: Die Abläufe des Licht­schachts seien unzureichend gewesen. Zudem habe er den Schaden selbst behoben, weshalb er nicht den gesamten Betrag geltend machen könne.

OLG: Forderung in vollem Umfang gerechtfertigt

Vor dem Oberlandes­gericht Oldenburg setzte der Nachbar seine Ansprüche dann aber voll durch. Dort urteilten die Richter, dass ihm kein Vorwurf zu machen sei. Der Licht­schacht sei zwar teilweise nicht in Ordnung gewesen, das habe sich laut Gutachten aber nicht auf den Schaden ausgewirkt. Auch könne der Kläger die fiktiven Kosten einer Fachfirma verlangen. Schädiger sollten nicht davon profitieren, wenn Geschädigte einen Schaden selbst beseitigten, so das Gericht.

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Quelle: dpa/DAWR/ab

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