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Erbrecht | 06.07.2018

Widerruf

OLG Stuttgart zum Widerruf eines Testaments durch Streichungen

Bei einer Testaments­aufhebung sollten alle Exemplare vernichtet werden

(Oberlandesgericht Stuttgart, Urteil vom 16.08.2017, Az. 8 W 71/16)

Ein Erblasser kann ein Testament jederzeit und ohne besonderen Grund widerrufen. Allerdings muss das eindeutig geschehen. Nicht ausreichend ist es, nur eine Kopie des Testaments durch­zustreichen. Denn daraus lässt sich später nicht schließen, dass der Erblasser seinen letzten Willen aufheben wollte, befand das Oberlandes­gericht Stuttgart (Az.: 8 W 71/16).

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In dem zugrunde liegenden Fall setzte die Erblasserin eine ihrer Töchter zu ihrer Alleinerbin ein. Ihre andere Tochter sollte nur ihren Pflichtteil erhalten. Im Zuge einer hitzigen Diskussion innerhalb der Familie wurde auf einer Kopie der Testaments­wortlaut durchgestrichen. Ob von der Erblasserin selbst oder von einem anderen Familien­mitglied, ließ sich nicht mehr eindeutig klären.

Widerruf durch durchstreichen einer Testamentskopie unwirksam

Nach Ansicht des Gerichts bleibt die Verfügung deshalb wirksam. Denn: Vernichtet oder verändert der Erblasser von mehreren Testaments­urschriften nur eine, so bestehe gerade keine Vermutung, dass das Testament aufgehoben werden sollte. Dies gelte erst recht, wenn es sich bei dem veränderten Exemplar nur um eine Kopie handelt.

Originalexemplar muss ebenfalls widerrufen werden

Die Erblasserin hatte das Testament erst drei Monate vorher errichtet. Hätte sie das Original­testament widerrufen wollen, so hätte es nahegelegen, das Original­exemplar zurückzufordern und durch geeignete Handlungen ebenfalls zu widerrufen. Dies hat die Erblasserin aber nicht getan.

Quelle: dpa/DAWR/ab

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