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Strafrecht | 20.08.2021

Waffen­besitz

Weltkriegs­panzer aus der Villa - Bewährungss­trafe für Eigentümer

Verurteilung zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung - wegen unerlaubten Besitzes von Waffen, Munition und Sprengstoff

(Landgericht Kiel, Urteil vom 03.08.2021, Az. 7 Kls 13/17)

Die Bilder der Durch­suchung einer Villa an der Kieler Förde sind 2015 um die Welt gegangen. Neun Stunden benötigten Pioniere der Bundeswehr, einen knapp 40 Tonnen schweren Weltkriegs­panzer vom Typ „Panther“ mit Bergungs­panzern sicherzustellen. Es folgte ein sechs­jähriges juristisches Gezerre. Nun hat das Kieler Landgericht den 84 Jahre alten Eigentümer zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt - wegen unerlaubten Besitzes von Waffen, Munition und Sprengstoff (Akten­zeichen: 7 Kls 13/17).

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Wegen rechts­widriger Verfahrens­dauer gelten vier Monate davon als verbüßt. Der Angeklagte muss 250.000 Euro zahlen. Davon sollen bis Ende August 2022 das Schmerz- und Palliativ­zentrum der Kieler Uniklinik und die SOS-Kinder­dörfer je 70.000 Euro erhalten, ein Kieler Tierheim 60.000 Euro und die Staatskasse bis Jahresende 50.000 Euro.

Hohe Alter als strafmildernd

Der Angeklagte habe nicht in böser Absicht gehandelt, sondern als Sammler, sagte der Vorsitzende Richter Stephan Worpenberg in der Urteils­begründung. Er sei „nicht rumgelaufen und hat geschossen“. Als strafmildernd wertete die Kammer das hohe Lebensalter, fehlende Vorstrafen und das Geständnis. Gegen einen minder­schweren Fall sprachen das Auffinden vieler Waffen und Munition im Anwesen des Angeklagten.

Flugabwehrkanone und Panzer müssen verkauft werden

Seinen Panzer und auch die Waffen bekommt der 84-Jährige nicht zurück. Kammer, Staats­anwaltschaft und Verteidigung haben vor dem Urteil eine Ver­ständigung erzielt. Der Angeklagte muss den Panzer und eine Flugabwehr­kanone vom Kaliber 8,8 Zentimeter binnen zwei Jahren an ein geeignetes Museum beziehungs­weise einen Sammler verkaufen. Laut Verteidigung haben an dem Panzer ein Museum aus Seattle und an der Flak ein Sammler aus Nordrhein-Westfalen Interesse.

Verzichtet hat der Angeklagte auf eine Ent­schädigung, etwaiges Schmerzens­geld sowie die Rückgabe von Waffen und Munition. Bei der Durch­suchung wurden neben Panzer und Flak ein Torpedo, ein Mörser sowie Maschinen- und Sturm­gewehre, halb- und vollautomatische Pistolen und mehr als 1000 Schuss Munition sicher­gestellt. Dabei entstanden an Haus und Panzer Schäden.

Besitz habe ausschließlich „militärhistorischen Sammlungszwecken“ gedient

Verteidiger Gerald Goecke verwies in seinem Plädoyer auf die „bis dahin untadelige Lebens­führung“ des ehemaligen Finanz­vermittlers. Jahrelang habe über ihm ein Straf­verfahren als Damokles­schwert geschwebt, die Ermittlungen hätten wirtschaftliche Folgen gehabt. Er sprach von einer immensen Belastung. Das Kriegs­gerät sei in dem Anwesen „sicher vor dem Zugriff unbefugter Dritter“ gewesen. Der Besitz habe ausschließlich „militär­historischen Sammlungs­zwecken“ gedient. Der Anwalt lobte, die Kammer habe die mediale Begleitung außer Acht gelassen und sich am Tatvorwurf orientiert. Er habe keinen Grund, sich über den Ausgang nicht zu freuen. „Ich bin zufrieden damit.“

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Verurteilung nur im Fall eines Maschinengewehr-Laufs und zweier Patronen wegen Besitzes einer Kriegswaffe

Im Kern ging es darum, ob Panzer und Flak unter das Kriegs­waffen­kontroll­gesetz fallen und somit nicht im Privat­besitz sein dürfen. Auf Basis mehrerer Gutachten hielt die Kammer im Gegensatz zur Staats­anwaltschaft jedoch nur die Flak möglicher­weise für eine Kriegswaffe. Der Panzer sei laut Gutachter nicht mehr zum Einsatz in einem militärischen Konflikt geeignet, sagte Richter Worpenberg. Er diene musealen Zwecken. Verurteilt wurde der 84-Jährige letztlich nur im Fall eines Maschinen­gewehr-Laufs und zweier Patronen wegen Besitzes einer Kriegswaffe.

Mit dem Urteil sind alle Seiten ziemlich zufrieden

Folglich trägt die Staatskasse die Kosten für Bergung und jahrelange Unter­bringung des Panzers und anderer Großg­eräte. Staats­anwalt Thorsten Wolke geht davon aus, dass die der Landeskasse zugesprochenen 50.000 Euro dafür reichen. „Mehr wird das nicht gewesen sein.“ Die Bundeswehr sei im Sommer 2015 in Amtshilfe dabei gewesen. In seinem Plädoyer hatte Wolke ein Jahr und vier Monate gefordert. „Im Ergebnis bin ich mit dem Urteil zufrieden.“

Panzer bei Durchsuchung im Juli 2015 entdeckt

Auf die Spur des Waffen­sammlers waren Behörden im Zuge von Ermittlungen um wieder aufgetauchte Nazi-Kunst gestoßen. Ein Polizist berichtete, wie er im Mai 2015 bei einer Durch­suchung nach Einschalten des Lichts seinen Augen nicht traute. An der Wand hingen beleuchtete SS-Runen und im Keller stand ein Wehrmachts­panzer. Der Beamte nahm Kontakt mit Landes­kriminalamt und Staats­anwaltschaft auf. Wochen später kam es schließlich zu der spektakulären Durch­suchung. Gegen das Urteil kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden.

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Quelle: dpa/DAWR/ab

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