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Immobilienrecht | 11.06.2018

Energie­ausweis

10 Jahre Energie­einspar­verordnung: Brauchen Eigentümer neue Energie­ausweise?

Pflichten, Fristen und Bußgelder - Antworten auf wichtige Fragen zu Energieausweisen

Seit gut zehn Jahren gilt auch für Gebäude eine Ausweis­pflicht. Mit einem Energie­ausweis müssen Eigentümer nachweisen können, wie effizient ihre Immobilie ist. Gültig sind die Dokumente zehn Jahre lang. Ist die Frist abgelaufen, muss ein neuer Ausweis her.

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Wer eine Immobilie besitzt, sollte einen Blick auf den Energie­ausweis seines Gebäudes werfen. Der Grund: 2018 und 2019 laufen viele Ausweise ab. Denn die Dokumente haben grund­sätzlich nur eine Gültigkeit von zehn Jahren, erklärt die Stiftung Warentest. Haben Eigentümer keinen gültigen Energie­ausweis, drohen in bestimmten Fällen hohe Bußgelder. Antworten auf wichtige Fragen:

Bei welchen Gebäuden laufen die Ausweise bald ab?

Betroffen sind zunächst Immobilien mit einem Baujahr vor 1966, erklärt die Deutsche Energie-Agentur (dena). Für sie ist seit Mitte 2008 ein Energie­ausweis verpflichtend, wenn sie vermietet, verpachtet oder verkauft werden. Folglich laufen die ersten Ausweise nun ab. Wohnhäuser mit Baujahr ab 1966 brauchen seit Januar 2009 einen Energie­ausweis. Hier werden ab 2019 die ersten Ausweise ungültig. Vorgeschrieben ist der Ausweis auch für Gebäude, die seit 1. Oktober 2007 neu gebaut oder modernisiert wurden. Hier sind die ersten Ausweise bereits im Oktober 2017 abgelaufen, erklärt das vom Umwelt­ministerium Baden-Württemberg geförderte Informations­programm Zukunft Altbau.

Müssen Eigentümer nun sofort einen neuen Ausweis besorgen?

Nein, müssen sie nicht unbedingt. Einen neuen Energie­ausweis brauchen Eigentümer nämlich nur, wenn sie ihr Gebäude verkaufen oder - ganz oder teilweise - neu vermieten, erklärt die Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen. Der Energie­ausweis muss dann den Interessenten bei der Besichtigung vorgelegt werden. Auch für die Immobilien­anzeige sind Angaben aus dem Energie­ausweis Pflicht.

Wer sein Eigentum selbst nutzt oder nicht vermietet, braucht im Prinzip auch keinen Energie­ausweis. Auch Bau­denkmäler sowie kleine Gebäude mit einer Nutzfläche von bis zu 50 Quadrat­metern sind von der Ausweis­pflicht freigestellt.

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Welche Arten von Energieausweisen gibt es?

Die Energie­einspar­verordnung (EneV) kennt zwei Arten von Ausweisen: den Verbrauchs­ausweis und den Bedarfs­ausweis. Für letzteren erfasst ein Experte meist vor Ort den Zustand von Gebäude und Heizung und berechnet den Energie­bedarf, erklärt der Eigentümer­verband Haus & Grund Deutschland. Die Kosten hierfür belaufen sich auf mindestens 300 Euro. Die Angaben im Verbrauchs­ausweis beruhen auf den tatsächlichen Verbräuchen der vergangenen drei Jahre. Die Kosten liegen hier zwischen 50 und etwa 100 Euro.

Bei beiden Varianten wird der Energie­standard des Gebäudes mittels Energie­effizienz­klassen von A+ bis H und einer Farbskala von Grün bis Rot veranschaulicht. Die Farbskala wurde im Laufe der Jahre angepasst. Reichte der Energie­bedarf bei Ausweisen von 2008 noch bis 400 Kilowatt­stunden pro Quadrat­meter, endet sie mittlerweile bei 250 Kilowatt­stunden. Die optische Folge: Ein Gebäude mit einem Verbrauch von 222 Kilowatt­stunden pro Quadrat­meter lag früher im gelben Bereich, heute aber im orange-roten.

Kann man wählen, welchen Energieausweis man sich ausstellen lässt?

Ob Eigentümer den Bedarfs­ausweis erstellen lassen müssen oder ob sie mit dem Verbrauchs­ausweis auskommen, hängt unter anderem vom Baujahr ab. Wurde der Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt, hat das Gebäude weniger als fünf Wohnungen und erfüllt die Anforderungen der 1. Wärmeschutz­verordnung nicht, ist ein teurerer Bedarfs­ausweis Pflicht. Wurden die Anforderungen der 1. Wärmeschutz­verordnung erfüllt, der Bauantrag nach dem 1. November 1977 gestellt oder gibt es mehr als fünf Wohn­einheiten, kann der Eigentümer wählen, ob er einen Bedarfs- oder Verbrauchs­ausweis haben möchte.

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Welche Regeln gelten in Wohneigentümergemeinschaften?

Eigentümer von Wohnungen können sich in der Regel keinen individuellen Energie­ausweis ausstellen lassen. Sie müssen ihre Mit­eigentümer mit ins Boot holen. Die Eigentümer­gemeinschaft muss einen entsprechenden Beschluss fassen und den Verwalter mit dem Erstellen eines Energie­ausweises beauftragen, erklärt Haus & Grund. Im Idealfall hat die Eigentümer­gemeinschaft schon bei der erstmaligen Beauftragung festgelegt, dass sich die Verwaltung auch um die Ver­längerung der Energie­ausweise kümmern soll. Ein neuer Beschluss ist dann nicht unbedingt nötig.

Wo kann man einen Energieausweis bekommen?

Energie­bedarfs- oder -verbrauchs­ausweise für Bestands­gebäude dürfen nur von Ausstellern mit ent­sprechender Qualifikation ausgestellt werden. Dies können unter anderem Architekten, Bau­ingenieure, Heizungs­bauer oder Schornstein­feger sein. Für Neubauten ist die Ausstellungs­berechtigung landes­rechtlich geregelt. Im Internet hat die Deutsche Energie-Agentur eine Datenbank eingerichtet, in der man nach Experten suchen kann (www.energie-effizienz-experten.de).

Was passiert, wenn man sich nicht an die Vorgaben hält?

Der Verkäufer oder Vermieter ist verantwortlich dafür, dass er den Energie­ausweis rechtzeitig vorlegt und übergibt. Wer dies vorsätzlich oder leichtfertig nicht, nur unvollständig oder nicht rechtzeitig macht, riskiert ein Bußgeld. Im schlimmsten Fall kann das 15.000 Euro betragen. Gleiches trifft Eigentümer, die vorsätzlich oder leichtfertig nicht dafür Sorge tragen, dass die von ihnen zur Erstellung eines Energiev­erbrauchs­ausweises zur Verfügung gestellten Daten richtig sind.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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