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Arzthaftungsrecht und Schadensersatzrecht | 05.07.2018

Behandlungs­fehler

Ärzte­pfusch und Behandlungs­fehler: Wo Betroffene Hilfe finden

Grund­sätzlich müssen Betroffene einen vermuteten Behandlungs­fehler nachweisen können

Falsche Diagnose, Pfusch im Operations­saal oder ein fehler­haftes künstliches Gelenk: Wer den Verdacht auf einen Behandlungs­fehler hat und deswegen gegen den Arzt vorgehen will, muss es beweisen können.

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Ein Beispiel

Die Beschwerden begannen nach der Rückkehr aus dem Madagaskar-Urlaub: Kopf- und Glieder­schmerzen, Schüttel­frost und Fieber plagten den 22-jährigen Urlauber. Der Mann ging mit Malaria-Verdacht zu seinem Hausarzt. Doch der erstellte in dem akuten Fall weder eine sorgfältige Diagnose noch brachte er die richtige Therapie auf den Weg.

Nach drei Tagen suchte der Patient auf eigene Faust eine Tropen­klinik auf. Erst dort bekam er die Behandlung, die er dringend benötigte. Später warf der junge Mann dem Hausarzt einen Behandlungs­fehler vor. Er wandte sich an die Schlichtungs­stelle für Arzthaft­pflicht­fragen der nord­deutschen Ärzte­kammern in Hannover, die über den Fall in ihrer Statistik berichtet.

So wie dem 22-Jährigen geht es jedes Jahr tausenden Menschen in Deutschland. Sie vermuten, dass ihnen eine falsche Diagnose gestellt oder im Operations­saal gepfuscht wurde.

Aber was ist überhaupt ein ärztlicher Behandlungsfehler?

Davon ist immer dann die Rede, wenn der zum Behandlungs­zeitpunkt allgemein anerkannte medizinische Standard nicht beachtet wurde. „Eine Ausnahme sind Fälle, bei denen Patient und Arzt einen abweichenden Standard der Behandlung als zulässig und wirksam vereinbart haben“, sagt Ann Marini vom Spitzenv­erband der gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV) in Berlin.

Neben rein medizinischen Behandlungs­fehlern kann es auch zu organisatorischen Fehlern oder fehlerhaftem Verhalten von Mitarbeitern des Behandlers kommen. „Auch die fehlende oder falsche, un­verständliche oder unvollständige therapeutische Aufklärung des Patienten durch den Behandler über das eigene Verhalten in der Therapie kann unter Umständen als Behandlungs­fehler gewertet werden“, erklärt Ann Marini.

Unterstützung durch die Krankenkasse

Gesetzlich Versicherte können sich an ihre Kasse wenden. Entbindet der Versicherte den behandelnden Arzt von seiner Schweige­pflicht, können die Kranken­kassen die Unterlagen prüfen. Verdichten sich Hinweise auf einen Behandlungs­fehler, kann der Patient gegen den Arzt juristisch vorgehen.

Mitglieder der privaten Kranken­versicherung (PKV) wenden sich ebenfalls direkt an ihre jeweilige Kasse, um die mögliche Unterstützung durch den Versicherer zu klären, wie Dirk Lullies vom Verband der Privaten Kranken­versicherung erläutert.

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Außergerichtliche Einigung anstreben

Anlauf­stellen können auch die Gutachter­kommissionen und Schlichtungs­stellen der Ärzte­kammern sein. „Unabhängige Ärzte und Juristen beurteilen Grund­sätzlich aufgrund der Behandlungs­dokumentation, ob ein Behandlungs­fehler vorliegt, durch den der Patient einen Gesundheits­schaden erlitten hat“, sagt Kerstin Kols von der Schlichtungs­stelle für Arzthaft­pflicht­fragen der nord­deutschen Ärzte­kammern. Aus ihrer Sicht sind Gutachter­kommissionen und Schlichtungs­stellen eine gute Möglichkeit, langwierige Gerichts­verfahren zu vermeiden.

Eine außergerichtliche Streit­beilegung, die schriftlich erfolgt, ist für den Patienten kostenfrei - und zudem weitaus kürzer als ein Zivil­gerichts­verfahren. „Am Ende erhält der Patient - in der Regel auf Basis eines wissen­schaftlich begründeten Gutachtens - eine juristische Einschätzung, ob Haftungs­ansprüche in seinem Fall gerechtfertigt erscheinen“, so Kerstin Kols.

Klagen nach außergerichtlichen Verfahren möglich

Während des Verfahrens ist die Verjährung gehemmt. Wer will, kann nach Abschluss des Verfahrens immer noch klagen. Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungs­vorwürfen führten, standen laut Kols 2017 im Zusammenhang mit Knie- und Hüftgelenks­arthrosen sowie Unter­schenkel- und Sprung­gelenk­frakturen.

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Behandlungsfehler begründet Anspruch auf Entschädigung

Im Jahr 2017 haben nach Angaben der Bundesärzte­kammer die Gutachter­kommissionen und Schlichtungs­stellen deutschland­weit insgesamt 7.307 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungs­fehlern getroffen - im Vorjahr waren es 7.639 Entscheidungen. In 2.213 Fällen lag ein Behandlungs­fehler vor (Vorjahr: 2.245). Davon wurde in 1.783 Fällen ein Behandlungs­fehler beziehungs­weise ein Risiko­aufklärungs­mangel als Ursache für einen Gesundheits­schaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete (Vorjahr: 1845 Fälle). Das können etwa Schmerzens­geld, Schadens­ersatz­ansprüche oder auch Verdienst­ausfälle sein.

Schmerzensgeldtabelle

In der DAWR Schmerzensgeldtabelle können Sie ersehen, wie hoch ein mögliches Schmerzensgeld sein kann. Die DAWR Schmerzensgeldtabelle ist von Rechtsanwälten erstellt und wird laufend um neue Gerichtsentscheidungen ergänzt. Hier können Sie die Schmerzensgeldtabelle online einsehen oder hier die Schmerzensgeldtabelle PDF herunterladen.

Beweislast liegt beim Patienten

„Die Beweislast, dass tatsächlich ein Behandlungs­fehler gemacht wurde, liegt Grund­sätzlich beim Patienten“, sagt Prof. Peter Gellner, Fachanwalt für Medizinrecht aus Verl. Er ist auch Bundes­vorsitzender der Arbeits­gemeinschaft Patienten­anwälte. Patienten sollten möglichst genau aufschreiben, wann was geschah und was gesagt wurde. Außerdem sollte man sich Behandlungs­unterlagen in Fotokopie vom Arzt aushändigen lassen und gegebenenfalls Fotos anfertigen. Wenn eine außergerichtliche Einigung zwischen Patient und Arzt nicht möglich ist und der Patient darauf beharrt, dass ein Behandlungs­fehler gemacht wurde, führt kein Weg daran vorbei, Klage zu erheben.

Anwaltliche Hilfe ratsam - DAWR Anwaltsliste

Wer unschlüssig ist, wie er in seinem Fall am besten vorgehen soll, lässt sich am besten von vornherein von einem auf Arzthaftungsrecht spezialisierten Anwalt beraten. Hier im Deutschen Anwaltsregister (DAWR) finden Sie eine spezielle Anwaltsliste Arzthaftung und Behandlungs­fehler.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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