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Krankenversicherungsrecht und Versicherungsrecht | 23.07.2020

Versicherung

Alter­na­ti­ven zur Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung bergen Risiken

Vorsicht vor allzu speziellen Versicherungen

Die Arbeits­kraft ist für die meisten die Existenz­grundlage. Sie zu versichern, ist wichtig. Wer keine Berufs­unfähigkeits­versicherung bekommt, sollte Alternativen gut prüfen.

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Eine Krankheit, ein Unfall oder psychisches Leiden - Berufs­unfähigkeit kann jeden treffen. Betroffene können dann von einer Berufs­unfähigkeits­versicherung - kurz BU - profitieren.

Früher Abschluss kann sich lohnen

Nach Angaben des Gesamt­verbandes der Deutschen Versicherungs­wirtschaft (GDV) schließen Versicherte im Schnitt mit 28 Jahren eine solche Police ab. Ein früher Abschluss lohnt sich, weil dann meist noch keine Vorerkrankungen vorliegen. Die Prämien sind dann vergleichsweise günstig.

Das zeigt aber auch die Kehrseite der Medaille: Wer unter Vorerkrankungen leidet oder in einem risiko­reichen Job arbeitetet, muss entweder hohe Beiträge zahlen oder bekommt unter Umständen erst keinen Vertrag. Doch wer abgelehnt wird, muss nicht zwangs­läufig komplett auf Schutz verzichten.

Ist die Berufs­unfähigkeits­versicherung zum Beispiel zu teuer, kann eine private Erwerbs­unfähigkeitsv­ersicherung infrage kommt. Denn: „Dadurch, dass sie in weniger Fällen leisten muss, ist sie für Berufstätige mit hohem Berufs­unfähigkeits­risiko, wie körperlich Tätigen, deutlich günstiger“, erklärt Kim Paulsen vom Bund der Versicherten.

Private Erwerbsunfähigkeitsversicherung leistet nur unter bestimmten Voraussetzungen

Ähnlich wie bei der gesetzlichen Erwerbs­minderungs­rente, leistet eine private Erwerbs­unfähigkeitsv­ersicherung nämlich nur dann, wenn ein Betroffener aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich für mindestens sechs Monate weniger als drei Stunden pro Tag in irgendeinem Beruf tätig sein kann.

„Das Problem ist, dass dabei nicht auf den zuletzt ausgeübten Beruf abgezielt wird“, erklärt Paulsen. Welcher Beruf noch ausgeübt werden kann, spielt also keine Rolle. Eine BU hingegen springt ein, wenn man seinen ursprünglichen Beruf zu 50 Prozent nicht mehr ausüben kann, erklärt Sandra Klug von der Verbraucher­zentrale Hamburg.

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Seelische Krankheiten nicht überall versichert

Die Erwerbs­unfähigkeitsv­ersicherung ist auch deswegen oft die erste Alternative zur Berufs­unfähigkeits­versicherung, weil die Ursache der Berufs­unfähigkeit keine Rolle spielt. Neben Unfällen und körperlichen oder organischen Erkrankungen leisten die beiden Versicherungen auch bei psychischem Leiden betont Paulsen. Wer seine seelische Gesundheit also mit absichern will, sollte auf eine der beiden Versicherungen setzen.

Betroffene, die aufgrund von Vorerkrankungen, wie Bluthoch­druck, Rücken­beschwerden oder thera­peutischer Behandlung, bei der BU abgelehnt wurden, haben allerdings auch wenig Aussicht auf eine Erwerbs­unfähigkeitsv­ersicherung. Denn diese stellen laut Klug in aller Regel die gleichen Fragen zur Gesundheit. Selbstständige sollten sich besser privat versichern Und kann man sich im Zweifel allein auf eine staatliche Absicherung verlassen? Sandra Klug meint: Nein. Denn wer sich auf gesetzliche Absicherung verlässt, könne auf Hartz-IV-Niveau zurückfallen. Hinzu komme, dass sie nur Personen zusteht, die auch in die Renten­versicherung eingezahlt haben. Selbstständige sollten sich deswegen besser privat versichern.

Spezielle Versicherungen haben oft engen Leistungskatalog

Auf der Suche nach Alternativen finden Interessierte auch eine Vielzahl von Versicherungen, die spezielle Gründe der Berufs­unfähigkeit absichern, wie sogenannte Dread-Disease- (schwere Krankheit) oder Multi-Risk-Ver­sicherungen.

Die Dread-Disease-Versicherung zahlt bei Eintritt einer versicherten Erkrankung, wie zum Beispiel Krebs, in der Regel eine Einmal­leistung. Sie sei daher für die Absicherung von dauerhaften Einkommens­einbußen bei Verlust der Arbeits­kraft ungeeignet - zumal ein dauerhafter Verlust der Arbeits­kraft häufig andere Ursachen habe als beispiels­weise eine Krebs­erkrankung, erläutert Paulsen.

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Verträge kombinieren verschiedene Produkte

Multi-Risk-Ver­sicherungen seien hingegen oft Kombination aus mehreren Produkten wie einer Unfall­versicherung, Pflege­versicherung, Grund­fähigkeiten- oder Dread-Disease-Ver­sicherungen, sagt Paulsen: „Bei diesen Angeboten gibt es aber leider keine einheitlichen Versicherungs­bedingungen, wie oftmals bei der Berufs­unfähigkeits­versicherung“. Das macht sich vor allem bei der Absicherung der schweren Krankheiten und Grund­fähigkeiten, wie Sehen, Gehen oder Sprechen, bemerkbar.

Große Unterschiede bei den abgedeckten Krankheiten sowie Grund­fähigkeiten macht einen Vergleich zwischen den Anbietern schwierig. Damit man nicht „Äpfel mit Birnen“ vergleiche, sollte man das laut Paulsen aber unbedingt tun.

Versicherungen sollten nicht zu speziell sein

Klug warnt außerdem vor allzu speziellen Versicherungen: „Die Leistungs­kataloge sind häufig so eng gefasst, dass nur geleistet wird, wenn man eine bestimmte, definierte Krankheit hat. Wenn die Erkrankung nur ein bisschen davon abweicht bekommt man keine Leistungen“. Für den Fall einer schweren Krankheit rät die Expertin, deswegen sich besser ein finanzielles Polster anzusparen.

Personen, die sich vor allem gegen Unfälle versichern wollen, können von einer privaten Unfall­versicherung profitieren. Die zahlt in der Regel einmalige Prämien aus. „Das Problem ist aber meistens die fehlende Renten­zahlung. Ein Einmal­betrag ist schnell aufgebraucht“, so Klug. Die Leistung eines Einmal­betrages sollte deswegen mit einer Renten­leistung gekoppelt werden.

Quelle: dpa/DAWR/ku
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