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Verbraucherrecht und Vertragsrecht | 17.02.2021

Alters­vorsorge

Alters­vorsorge: Lohnt sich Riestern über den Betrieb?

Gesetzgeber hat den finanziellen Nachteil beseitigt - Riester im Betrieb und Riester privatsind jetzt gleichgestellt

Die Riester-Rente hat nicht unbedingt den besten Ruf. Kritiker monieren mickrige Aus­zahlungen und hohe Kosten. In der betrieblichen Alters­vorsorge wird Riester selten genutzt. Das kann sich ändern.

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Üblicherweise schließen Arbeit­nehmer private Riester-Verträge ab. In der betrieblichen Alters­vorsorge (bAV) ist riestern zwar auch möglich, spielte jedoch kaum eine Rolle.

Bislang waren finanzielle Nachteile die Ursache

Denn anders als bei privat abgeschlossenen Riester-Verträgen fielen bei der bAV sowohl auf die Beiträge als auch auf die ausbezahlte Rente Abgaben zur Kranken- und Pflege­versicherung an.

Das machte betriebliches Riestern wenig lukrativ, Arbeit­nehmer nutzten diese Vorsorge­form so gut wie nicht. „Die 18, 19 Prozent Sozial­abgaben ließen sich rendite­mäßig nicht auffangen. Das war häufig das K.O.-Kriterium, Riester fiel hinten runter“, sagt Klaus Stiefermann, Geschäfts­führer der Arbeits­gemeinschaft für betrieb­liche Alters­versorgung (aba) mit Sitz in Berlin.

Betrieblicher Riester nachgebessert

Inzwischen hat der Gesetzgeber den finanziellen Nachteil beseitigt: Die Sozial­abgaben während der Auszahlungs­phase sind gestrichen. Das wurde im Betriebs­renten­stärkungs­gesetz verankert. „Insofern sind Riester im Betrieb und Riester privat jetzt gleichgestellt“, erläutert Britta Langenberg, Vorsorge­expertin der in Berlin ansässigen Verbraucher­initiative Finanzwende. Diese Änderung mache die betrieb­liche Variante im Vergleich zu vorher attraktiver.

Zu dem Schluss kommt auch der Vorstand des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein. „Durch die Neuerung ist Riestern interessanter geworden“, stimmt er Langenberg zu. Große Versicherungen versuchen inzwischen unter anderem über das Internet, Arbeit­gebern Riester-Angebote schmackhaft zu machen, damit sie diese ins Alters­vorsorge-Portfolio für ihre Beschäftigten aufnehmen.

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Bringt das wirklich einen Schub?

Eine Renaissance der bAV-Riester­verträge beäugen Kleinlein wie Langenberg jedoch skeptisch. Die bekannten Probleme mit der Riester-Rente blieben, meinen sie. „Die Produkte sind weiterhin ineffizient“, stellt Kleinlein generell fest.

Als Pferdefuß nennen beide Kritiker erstens die Kosten, zum Beispiel für Provisionen, die zu Lasten des Ertrags und damit der monatlichen Renten­zahlung für den Arbeit­nehmer gehen, und zweitens den Renten­faktor. Diese Kennzahl gibt Auskunft darüber, wie alt jemand werden muss, um das in Riester investierte Kapital wieder herauszu­bekommen.

Lange Lebenserwartung einkalkuliert

Weil Versicherungen die garantierte Leistung lebenslang zahlen müssen, kalkulieren sie nach Ansicht der Kritiker mit absurd hohen Lebens­erwartungen von 90 und mehr Jahren. „Das ist auch in der betrieblichen Riester-Rente nicht besser geworden“, meint Kleinlein.

Je älter ein Sparer laut Kalkulation wird, desto geringer fällt seine monatliche Riester-Rentenrate aus. Die Folgen fasst Anke Puzicha von der Verbraucher­zentrale Hamburg drastisch zusammen: „Wer früher stirbt, macht ein schlechtes Geschäft.“ Das gelte grund­sätzlich für betrieb­liche wie private Riester-Verträge.

Förderung bringt einen Vorteil

Trotzdem weist Puzicha einen Vertrags­abschluss nicht gänzlich von der Hand. Das hängt mit der staatlichen Förderung zusammen. Diese wurde vergangenes Jahr erhöht. Die Grundzulage beträgt 175 Euro pro Jahr, für Nachwuchs gibt es mehr. Einer Familie mit zwei Kindern schießt der Staat zwischen 720 und 950 Euro im Jahr zu.

Die Zulagen kommen der Rendite zugute. Außerdem können sie lukrativer sein als Steuer­vorteile, die Arbeit­nehmer aus anderen Formen der betrieblichen Alters­versorgung, etwa der Entgelt­umwandlung, generieren. „Familien, Gering­verdiener und solche, die sehr wenig auf der Rentenuhr haben, sollten Riester prüfen“, meint Verbraucher­schützerin Puzicha.

Die zwei letztgenannten Gruppen könnten im Alter zudem von der Besonderheit profitieren, dass die bAV-Riester­rente nicht auf die Grund­sicherung angerechnet wird. Besser­verdienende sollten mit dem Steuer­berater klären, ob betrieb­liche Alters­vorsorge über Riester für sie lohnt.

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Konditionen gut prüfen

Bevor Arbeit­nehmer einen Riester­vertrag im Rahmen der bAV unterschreiben, sollten sie die Konditionen genau prüfen. Das Haupt­augenmerk gilt den Gebühren. Diese fallen meistens für Provisionen sowohl bei Abschluss als auch während der Auszahlungs­phase an. Das kann die monatliche Renten­zahlung deutlich mindern.

Relativ günstige Kosten­strukturen dürften Riester­verträge beinhalten, die über unternehmens­eigene Pensions­kassen angeboten und abgeschlossen werden. „Die Abschluss­kosten sind niedrig, weil die Kassen ohne Gewinn­erzielungs­absicht arbeiten“, erläutert aba-Fachmann Stiefermann. Kleinere Firmen verfügen selten über eine Pensions­kasse. Sie können Kontrakte direkt mit einem Riester-Anbieter vereinbaren.

Riester ist nicht immer ein Selbstläufer

In dem Fall rät Britta Langenberg, das Produkt­informations­blatt einschließlich der Kosten­angaben gründlich zu lesen. Ob diese aus Sicht des Arbeit­nehmers gut oder weniger gut ausfallen, hängt davon ab, was sein Chef mit dem Anbieter aus­gehandelt hat. So oder so, „Riester in der bAV ist kein Selbst­läufer“, sagt Langenberg.

Die Beiträge zur Riester-bAV zahlt der Arbeit­nehmer von seinem Nettogehalt. Er erhält im Unterschied zur Entgelt­umwandlung, also der steuerlich günstigen Umwandlung von Brutto­gehalt in Vorsorge­ansprüche, keinen Zuschuss vom Arbeitgeber. Um die für sie optimale Lösung zu finden, sollten Beschäftigte beide Alter­vorsorge­varianten vergleichen, empfiehlt Klaus Stiefermann.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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