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Arbeitsrecht | 28.11.2022

Elektronische Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung

Arbeits­unfähigkeit melden: So funktioniert das neue eAU-Verfahren

Ab 2023 wird die eAU für Arbeitgeber verpflichtend

Ab 2023 müssen Beschäftigte ihrem Arbeitgeber keine Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung mehr vorlegen. Das geschieht elektronisch. Auf einen AU-Ausdruck für sich selbst sollten sie aber weiter bestehen.

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Arbeitgeber erhalten ab Januar 2023 die Daten zur Arbeits­unfähigkeit ihrer Angestellten von den Kranken­kassen nur noch elektronisch. eAU-Verfahren heißt das Ganze - „e“ für „elektronisch“, „AU“ für „Arbeits­unfähigkeit“. Bis Ende 2022 müssen auch alle Praxen, die die Patienten­daten an die Kasse geben, auf das Verfahren umgestellt haben. Für Versicherte ergeben sich dadurch Änderungen.

Bislang sind Arbeit­nehmerinnen und Arbeit­nehmer dazu verpflichtet, ihrem Arbeitgeber spätestens ab dem vierten Tag der Arbeits­unfähigkeit eine sogenannte AU-Be­scheinigung ihres Arztes vorzulegen. Umgangs­sprachlich ist auch oft vom gelben Schein oder einer Krank­schreibung die Rede. Eine Ausführung müssen sie zudem an die Kranken­kasse weiterreichen.

Neu ist nun

„Die Verpflichtung zur Vorlage der Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung in Papierform fällt ab dem 1. Januar 2023 weg“, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeits­recht in Berlin. Das gilt zumindest für alle, die gesetzlich versichert sind.

Beim eAU-Verfahren übermitteln Praxen noch am Tag des Arzt­besuches die Bescheinigung elektronisch an die Kranken­kasse, die die Daten künftig auch dem Arbeitgeber elektronisch zur Verfügung stellt. „Die Version für Arbeit­gebende können diese bei Bedarf bei den Kassen abrufen“, sagt Helge Dickau vom GKV-Spitzen­verband. Eine Information darüber erhält der Versicherte nicht.

Privatversicherte nehmen noch nicht teil

Privat­ärzte, Ärzte im Ausland, Rehabilitations­einrichtungen und Physio- sowie Psycho­therapeuten sind an dem Verfahren jedoch noch nicht beteiligt. Außerdem fehlt es derzeit noch an einer gesetzlichen Regelung, um auch für Privat­versicherte ein entsprechendes Angebot umzusetzen, teilt der Verband der Privaten Kranken­versicherung (PKV) auf Anfrage mit.

Was sich nicht ändert: Gesetzlich Kranken­versicherte müssen weiterhin rechtzeitig zum Arzt gehen und die Erstellung der Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung ermöglichen, so Bredereck.

Bei der Krankmeldung bleibt alles beim Alten

Sobald ein Arbeit­nehmer oder eine Arbeit­nehmerin weiß, dass er oder sie wegen einer Erkrankung die Arbeit nicht aufnehmen wird, muss das dem Arbeitgeber unverzüglich mitgeteilt werden. Auch über die voraus­sichtliche Dauer der Arbeits­unfähigkeit müssen Beschäftigte ihren Arbeitgeber informieren, so Bredereck.

Wie beim gelben Schein erfährt der Arbeitgeber auch beim eAU-Verfahren lediglich den Namen des Arztes, aber nichts von der Diagnose oder dem Befund. „Er erfährt lediglich, ob die Fortdauer einer Arbeits­unfähigkeit oder eine erneute Arbeits­unfähigkeit auf derselben Krankheit beruht“, sagt Bredereck. Arbeitgeber nutzen laut GKV-Sprecher Helge Dickau für den Abruf der eAU bei den Kassen zertifizierte Systeme. Der Datenschutz sei gewähr­leistet.

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Fehler in der Einführungsphase erwartet

Die eAU bringt weniger Bürokratie und Zettel­wirtschaft, entlaste auch Versicherte und ist „ein wichtiger Schritt hin zur papierlosen Praxis“, sagt Dickau. Fachanwalt Alexander Bredereck rechnet jedoch damit, dass es in der Einführungs­phase des neuen Verfahrens zu Un­regel­mäßigkeiten kommt und zum Beispiel anfragende Arbeitgeber Fehler­meldungen erhalten. Für Beschäftigte hat das keine weitere Bedeutung: „Da den Arbeit­nehmer hieran keine Schuld trifft, darf ihm daraus auch kein Nachteil entstehen.“

Für die eigenen Unterlagen gibt es wie gewohnt eine Version der AU-Bescheinigung auf Papier

Für ihre eigenen Unterlagen erhalten Arbeit­nehmerinnen und Arbeit­nehmer nach Angaben des GKV aber wie gewohnt eine Version der Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung auf Papier. Darauf sollten die Patientinnen und Patienten im Zweifel auch bestehen.

Nach wie vor erfülle sie eine wichtige Funktion, für den Fall, dass der Arbeitgeber die Arbeits­unfähigkeit anzweifelt, sagt Bredereck. Mit ihrer Hilfe belegt ein Arbeit­nehmer oder eine Arbeit­nehmerin, dass er oder sie tatsächlich arbeits­unfähig war. „Nur so sichert der Arbeit­nehmer seinen Anspruch auf Entgelt­fortzahlung und vermeidet eine Abmahnung oder Kündigung wegen Un­tätigkeit.“

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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