wichtiger technischer Hinweis:
Sie sehen diese Hinweismeldung, weil Sie entweder die Darstellung von Cascading Style Sheets (CSS) in Ihrem Browser unterbunden haben, Ihr Browser nicht vollstndig mit dem Standard HTML 5 kompatibel ist oder ihr Browsercache die Stylesheet-Angaben 'verschluckt' hat. Lesen Sie mehr zu diesem Thema und weitere Informationen zum Design dieser Homepage unter folgender Adresse:   ->  weitere Hinweise und Informationen
Suche
Anwalt gesucht?
Anwalt gefunden!
Sie haben ein rechtliches Problem? Eine individuelle Rechtsfrage? Streit mit dem Nachbarn, Chef oder Ämtern?Gehen Sie auf Nummer sicher und holen Sie sich den fachkundigen Rat eines Rechtsanwalts.Hier im Deutschen Anwaltsregister finden Sie immer den passenden Rechtsanwalt in Ihrer Nähe.Nutzen Síe Ihr Recht!

Arbeitsrecht | 18.06.2021

Arbeits­zeit­reduzierung

Arbeitszeit reduzieren: Wie Sie an eine Vier-Tage-Woche kommen

Informationen zum The­ma Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung

Ein Wochenende, das drei Tage lang andauert. Und das jede Woche. Viele Arbeit­nehmerinnen und Arbeit­nehmer träumen von der Vier-Tage-Woche. Warum machen wir das eigentlich nicht alle?

Werbung

Mehr Freizeit, weniger Stress: Für viele ist die Vorstellung einer Vier-Tage-Woche die Lösung für ein zufriedeneres Berufsleben. Hat die reduzierte Arbeitszeit tatsächlich einen so großen Einfluss? Und was muss man tun, um Vorgesetzte von seinem Wunsch zu überzeugen?

„Vier-Tage-Woche gleich glücklicher“?

Ganz so einfach funktioniert die Formel „Vier-Tage-Woche gleich glücklicher“ natürlich nicht. Es kommt sehr darauf, wie das Modell umgesetzt wird. „Eine Vier-Tage-Woche bedeutet nicht immer, dass ich tatsächlich meine Arbeitszeit reduziere“, sagt Prof. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen. Wer 40 Stunden in vier Tage packt, müsse sich darüber klar sein, dass er dann zehn Stunden und mehr am Tag mit Arbeit beschäftigt ist.

In manchen Fällen kann eine reduzierte Arbeitszeit zu mehr Belastung führen. „In Deutschland entspricht die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit oft nicht der tatsächlichen Arbeitszeit“, sagt Hannes Zacher, Professor für Arbeits- und Organisations­psychologie am Institut für Psychologie der Universität Leipzig.

Eine Vier-Tage-Woche kann daher bedeuten, dass sich Arbeit intensiviert oder Erwerbstätige die fehlende Zeit sogar kompensieren müssen. „Gerade für Frauen besteht Gefahr, da in eine Teilzeit­falle zu geraten. Sie erleben dann sogar mehr Stress.“ Wichtig sei, von Beginn an zu klären, dass die Aufgaben der vertraglichen Arbeitszeit entsprechen.

Der erhoffte Teilzeiteffekt

Wer aber seine Arbeitszeit und seine Aufgaben tatsächlich reduzieren kann, und womöglich von 40 auf 32 Stunden geht, wird laut Rump einen Effekt merken. „Das ist dann der ganz normale Teilzeit­effekt.“ Wer etwa an drei von sieben Tagen pro Woche nicht arbeitet, habe über 40 Prozent seiner Zeit zur freien Verfügung. „Also Zeit, in der ich Zeit-Souveränität und Zeit-Selbst­bestimmung habe.“

Das zeige auch die Studienlage, sagt Arbeits­psychologe Hannes Zacher. „Die Studien­ergebnisse deuten darauf hin, dass die Einführung einer Vier-Tage-Woche zu mehr Work-Life-Balance, weniger Burnout und besseren Erholungs­effekten führt.“ Gerade auf individueller Ebene gibt es positive Effekte. „Viele entlastet es allein, dass sie einen Tag weniger pendeln müssen.“

Werbung

Der rechtliche Anspruch auf Teilzeit

Genau nach diesem selbst­bestimmten Lebens­gefühl streben Beschäftigte. Grund­sätzlich haben Arbeit­nehmerinnen und Arbeit­nehmer in Deutschland auch einen Anspruch darauf, in Teilzeit zu arbeiten, wie Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeits­recht erklärt. Das gilt zumindest für alle, deren Arbeitgeber regelmäßig mehr als 15 Mitarbeitende beschäftigt und deren Arbeits­verhältnis seit mehr als sechs Monaten besteht.

Wichtig sei, dass Arbeit­nehmer ihren Wunsch rechtzeitig und richtig vorbringen, so der Fachanwalt. Ablehnen kann der Arbeitgeber ein Teilzeit­verlangen nur aus dringenden betrieblichen Gründen. „Da liegt die Latte sehr hoch“, so der Arbeits­rechts­experte.

Kann ich mir das leisten?

Neben den rechtlichen Aspekten spielt die Frage eine Rolle, ob Beschäftigte es sich leisten können, in Teilzeit zu arbeiten. „Die Reduzierung der Arbeitszeit hat natürlich den Effekt, dass ich weniger Geld im Portemonnaie habe“, sagt Jutta Rump.

Entsprechend verfolgen vor allem diejenigen den Wunsch nach einer Vier-Tage-Woche, „die sich eher in der oberen Hälfte der Gehalts­skala bewegen.“ Es seien zudem meist Personen, die noch keine eigene Familie haben, in einer Beziehung sind, in der Partner oder die Partnerin ebenfalls Geld verdient oder die noch eher am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen.

„Eine Person, die gleich­zeitig familiäre Verpflichtungen hat, denkt meist nur im Kontext der Vereinbar­keit von Beruf und Familie darüber nach, ihre Arbeitszeit und damit ihr Gehalt zu reduzieren“, so Rump. „Das ist für ein Modell für ein bestimmtes Segment des Arbeits­markts.“

Werbung

Wie verklickere ich das meinem Arbeitgeber

Auch wenn es ein Recht darauf gibt, die Arbeitszeit zu reduzieren: Viele scheuen den Schritt, mit dem Wunsch zur Führungs­kraft zu gehen. Warum? „Es ist tatsächlich schwierig“, sagt Hannes Zacher. „Wir haben in Deutschland eine aus­geprägte protestantische Arbeits­ethik.“

Viele würden sich stark über ihre Arbeit oder ihren Beruf identifizieren. „Es ist verpönt, weniger arbeiten zu wollen“, sagt der Arbeits­psychologe. Erwerbstätige hätten oft Angst, als faul zu gelten und nehmen stattdessen zum Beispiel Leerlauf­zeiten in Kauf, in denen eigentlich gar nichts zu tun ist.

„Neben der Präsenz­kultur gibt es in Deutschland auch immer noch eine starke Vollzeit­kultur.“ Es sei verbreitet, dass die Anzahl der Arbeits­stunden mit Leistungs­bereitschaft und Engagement gleich­gesetzt wird. „Die Forschung würde dagegen sagen, es ist sogar effektiver, fünf Stunden am Tag fokussiert zu arbeiten, als acht Stunden, von denen man drei gar nicht wirklich etwas zu tun.“

Die Effekte der Pandemie

Und vielleicht sind diese Ansichten mittlerweile auch schon weiter verbreitet - nicht zuletzt durch die Veränderungen, die Corona in der Arbeitswelt angestoßen hat. „Ich glaube schon, dass die Pandemie noch mal zu einer Ver­änderung führen wird. Gerade die Frage, wie viel Bedeutung wir der Arbeit beimessen wollen, haben sich in den vergangenen Monaten viele gestellt“, sagt Hannes Zacher.

Auch Jutta Rump rät: „Versucht es doch einfach! Was kann schon passieren?“ Nie seien die Zeiten so günstig wie jetzt gewesen, an das Thema heran­zugehen, „alleine durch die Diskussion um das Thema Homeoffice.“

Zacher empfiehlt, einen Gesprächs­termin mit der Führungs­kraft zu vereinbaren. In diesem festgelegten Termin sollten Erwerbstätige die Beweg­gründe nennen, warum sie ihre Arbeitszeit gerne reduzieren würden. „Wichtig ist, Verständnis für die andere Seite zu zeigen, dafür, dass beim Arbeitgeber dann Arbeits­kraft fehlt.“ Auch bei der Führungs­kraft sei aber Offenheit gefragt.

Unternehmerisches Denken freut Arbeitgeber

Oft machen sich Beschäftigte schon im Vorhinein viele Gedanken wie: Sind nicht ohnehin alle total gestresst, und gibt es nicht viel zu viel zu tun? Wie wird die Führungs­kraft da wohl das Anliegen aufnehmen?

Solche Zweifel können sogar hilfreich sein. „Wenn jemand das genauso vorbringt, und sich schon in die Situation des Arbeit­gebers versetzt hat und dessen Position wahrnimmt, zeigt das: Die Person denkt unter­nehmerisch. Darüber kann man sich als Arbeitgeber nur freuen“, sagt Rump.

Dann lasse sich gemeinsam an einer Lösung arbeiten, die für beide Seiten passt. Denn auch der Arbeitgeber gewinne in der Regel, wenn sich ein guter Kompromiss finden lässt: Eine hohe Loyalität und Identifikation seitens des Mitarbeiters oder der Mit­arbeiterin. „Am einfachsten wird es wohl, wenn man schon eine Lösung parat hat, wie sich die Teilzeit am besten gestalten lässt“, sagt Rump.

Wie geht man mit Vorbehalten um?

Oft hadern Beschäftigte nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit Vorbehalten aus dem persönlichen Umfeld. Beeinflussen lassen sollte man sich davon nicht. „Hilfreich ist es, ganz klar für sich selbst zu formulieren, was man möchte und das ebenso wie eigene Befürchtungen mit Freunden oder dem Partner zu besprechen“, sagt Zacher. Auch Bedenken, dass eine Vier-Tage-Woche letztendlich Kolleginnen und Kollegen mehr belastet, sollten nicht entscheidend sein „Letztendlich muss das Unternehmen dafür eine Lösung finden.“

Jutta Rump empfiehlt eine SWOT-Analyse. „An diese Fragen muss man klar strukturiert und analytisch rangehen, mit Ratio und nicht nur aus einer Laune heraus.“ Das englische Akronym SWOT steht für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken). Diese Faktoren gilt es in einer Analyse abzustecken, und dann zu bewerten: Was sind die Vorteile, was setzt man aufs Spiel? Und ist es das wirklich wert?

Wer nach einer sauberen Analyse dann ein Modell identifiziert hat, das Zufriedenheit verspricht, kann das Gespräch mit der Führungs­kraft suchen. „Natürlich kann man sich noch Rat einholen“, so Rump. „Am Ende des Tages ist es aber Ihre Karriere und Ihr Leben.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
BewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertung: 3 (max. 5)  -  1 Abstimmungsergebnis Bitte bewerten Sie diesen Artikel.0





       Sie sind Anwalt?! Werden Sie ein Teil vom Deutschen Anwaltsregister (DAWR) und stellen Sie sich und Ihre Kanzlei ausführlich vor!Profitieren Sie von der großen Reichweite des DAWR und seiner Partnerportale.Klicken Sie hier und nutzen Sie jetzt Ihre Gelegenheit
auf mehr Mandate aus dem Internet!

#8408

URL dieses Artikels: https://www.dawr/d8408
 für RechtsanwälteEin Kanzleiprofil beim DAWR kann auch Ihnen helfen!