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Arbeitsrecht | 08.12.2022

Abteilungs­wechsel

Auf zu neuen Zielen: Ein neuer Job im alten Unternehmen

So gelingt der Abteilungs­wechsel

Ein neuer Job im alten Unternehmen ist mehr als nur ein Umzug ins Büro gegenüber: Nicht nur die fachlichen Anforderungen, sondern auch neue Gepflogenheiten können zur Heraus­forderung werden.

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Der Job ist öde, aber ein Weggang schmerzt, weil die Firma beste Bedingungen bietet? Für diesen Zwiespalt gibt es eine Lösung: neue Heraus­forderungen innerhalb des bisherigen Unternehmens. Ein Beispiel: Wer etwa lange Zeit in der Personal­abteilung gearbeitet hat, kann dank eines IT-Bootcamps Teil der Technik innerhalb der Firma werden.

Ein Abteilungs­wechsel nach einer vorherigen Schulung bietet für Beschäftigte die Möglichkeit, sich in vielerlei Hinsicht weiter­zuentwickeln - nicht nur beruflich, sondern auch persönlich. „Es sind ja nicht nur die Aufgaben, die neu und anders als bislang sind, sondern auch das zwischen­menschlich-kollegiale Umfeld, das womöglich anders tickt als das bisherige“, sagt Ute Gietzen-Wieland, Karriere-Coach aus Bielefeld.

Um in den neuen Bereich hinein­zuwachsen, sollten Beschäftigte die neuen Aufgaben vorsichtig angehen. Freundlich neutral auftreten und eher zurück­haltend etwa mit Kommentaren sein - das ist nunmehr das A und O. „Denn womöglich herrschen in der neuen Abteilung völlig andere Gepflogenheiten und Regeln als jene, die man bislang kennt“, so Gietzen-Wieland. Mitunter ist es sogar eine völlig andere Subkultur - in der Personal­abteilung förmlich, in der Technik eher locker-lässig.

Zurückhalten und Vertraulichkeit wahren

Jetzt heißt es also: sich anpassen, heraus­finden, wer in dem Team welche Bedeutung hat und einen Draht zu jedem Einzelnen aufbauen. Und natürlich weiterhin guten Kontakt zu den bisherigen Kolleginnen und Kollegen pflegen - so schafft man sich ein ideales Netzwerk. Was aber nicht bedeutet, dass man Interna aus der alten in der neuen Abteilung und umgekehrt verbreiten sollte. „Vertraulichkeit zu wahren, ist immer positiv und zeugt von Stil“, so Gietzen-Wieland.

Aus ihrer Sicht ist es für den Neuling hilfreich, vor dem Abteilungs­wechsel zu erfragen, ob die künftige Stelle schon einmal besetzt war - man selbst also ein Erbe antritt - oder ob es sich um einen neu geschaffenen Posten handelt. Wer jemand anderem folgt, tritt womöglich in große Fußstapfen. Ist einem das bekannt, kann man sich darauf einstellen und um Hilfe bitten.

Ebenfalls von Vorteil ist es für den Neuling, wenn er oder sie weiß, ob sich eventuell jemand anderes aus dem Team Hoffnungen auf die Stelle, die man nun hat, gemacht hatte. „Denn der unterlegene Bewerber könnte vielleicht neidisch sein und unter Umständen konter­karieren, dass sich der Neuling gut ins Team einfindet“, so Gietzen-Wieland.

Um Nachsicht bitten

Sollte sich eine solche Miss­befindlichkeit abzeichnen, kann es ein guter Weg sein, auf den oder die Unterlegene zuzugehen und sinngemäß zu sagen „Mir ist bewusst, dass Du gerne meine Stelle gehabt hättest, aber der oder die Vorgesetzte hat sich für mich entschieden, dafür kann ich nichts. Lass uns doch weiter konstruktiv zusammen­arbeiten“.

Das Zwischen­menschliche ist das eine, das Fachliche das andere. „Man sollte ein klares Bild von den Erwartungen haben, die Vorgesetzte an den Neuling haben“, betont Ute Gietzen-Wieland. Einfach begeistert vorpreschen und sich mit Übereifer in die neue Arbeit stürzen, ist nicht unbedingt die optimale Vorgehensweise. Ist die Erwartungs­haltung eindeutig, geht es darum, sich regelmäßig gezielt Feedback von oben zu holen. Passt es so, wie ich es mache, an welcher Stelle müsste ich noch bessere Leistungen bringen?

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Mindestens ein Zwischenzeugnis anfordern

Einfluss auf den bestehenden Arbeits­vertrag hat ein Abteilungs­wechsel zumeist nicht. „Oft macht der Arbeitgeber bei dem oder der Beschäftigten einen Anhang oder eine Ergänzung zum Arbeits­vertrag, in dem der neue Aufgaben­bereich beschrieben ist“, sagt der Offenburger Fachanwalt für Arbeits­recht Jürgen Markowski.

Juristisch ist das ihm zufolge aber nur zwingend, wenn sich durch einen Wechsel etwas substanziell ändert. „Der Arbeitgeber kann sich auch auf sein Weisungs­recht berufen, nach dem ihm freisteht, einen oder eine Beschäftigte entsprechend ihren Fähigkeiten in einer anderen Abteilung einzusetzen“, so Markowski.

Sein Tipp: Sich vor einem Abteilungs­wechsel trotzdem immer von der oder dem Vor­gesetzten ein Zwischen­zeugnis ausstellen lassen. So hat man die bisherigen Leistungen dokumentiert und der Wechsel erfolgt nicht ganz ohne Dokumentation.

Rückkehrrecht nur nach Vereinbarung

Denn generell gilt: „Die Konsequenzen eines Abteilungs­wechsels, der aus eigenem Antrieb erfolgt, sollten sich Beschäftigte immer gut überlegen“, sagt Arbeits­rechtler Markowski. Denn einen „Rückfahr­schein“ in die alte Abteilung gibt es nicht immer - es sei denn, man hat dies mit dem Arbeitgeber ausdrücklich vereinbart.

Ist kein Rückkehr­recht vorhanden und die Leistungen in der neuen Abteilung sind unzureichend, kann der Arbeitgeber eine Abmahnung aussprechen. „Schlimmsten­falls ist auch eine Kündigung möglich“, erklärt der Arbeits­rechtler. Und selbst, wenn es ein Rückkehr­recht gibt und man dieses nutzt: „Es wird in aller Regel nicht mehr so wie einst sein“, so Markowski.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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