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Verbraucherrecht | 16.07.2019

Elektronischer Personal­ausweis

Ausweis für die digitale Welt: Was der elektronische Personal­ausweis bringt

Elektronischer Personal­ausweis ist mit Online-Ausweis­funktion für die digitale Welt geeignet

Der elektronische Personal­ausweis steckt heute in vielen Geldbeuteln, doch kaum einer nutzt ihn. Was er kann und woran es hapert.

Auf dem Bürgeramt führt heute kein Weg mehr dran vorbei: Wer einen neuen Personal­ausweis beantragt, erhält damit Zusatz­funktionen. Seit 2017 ist bei jedem Ausweis die sogenannte eID-Funktion aktiviert. Das ist ein eingebauter Chip, mit dem sich Nutzer auch im Internet ausweisen können.

Nachträgliche Aktivierung des Chips gegen Gebühr möglich

Das Bundes­innen­ministerium schätzt, dass derzeit bei gut 25 Millionen Personal­ausweisen der Chip aktiv ist. Wer einen Personal­ausweis im Scheck­karten­format hat und bei der Bestellung den Chip nicht aktivieren ließ, kann das auch noch nachträglich gegen eine Gebühr tun. Wie viele Menschen den Online-Ausweis tatsächlich nutzen, weiß das Ministerium allerdings nicht. Rund 52.000 Mal wurde die Software vom Bund herunter­geladen, es gibt aber noch weitere Anbieter.

Zwei Funktionen

Eigentlich hat der elektronische Personal­ausweis zwei Funktionen: Aus der Ferne lässt sich theoretisch eine rechtsverbindliche Unterschrift leisten. Mit der eID lässt sich im Internet oder an speziellen Bürger-Automaten in Behörden zweifelsfrei die Identität beweisen. Bei Behörden, Versicherungen oder beim Online-Shopping können sich Verbraucher so in ihr Konto einloggen. Identitätsd­iebstahl und Missbrauch soll mit dem Online-Ausweis vorgebeugt werden.

App oder Lesegerät für Nutzung erforderlich

Um sich am heimischen Computer auszuweisen, benötigt man neben der persönlichen PIN-Nummer ein spezielles Lesegerät oder eine App. Das Smartphone oder das Lesegerät kann dann den Chip im Ausweis auslesen und die Daten übertragen.

Auf dem Chip gespeichert sind Name, Anschrift, Geburtstag und gegebenenfalls Künstler- oder Ordensname und akademischer Titel. Der Anbieter erhält nur die Daten, die er für den Vorgang benötigt. Das Foto, die Serien­nummer und der Finger­abdruck, der bislang noch freiwillig gespeichert werden kann, werden dagegen nicht gesendet. Ab 2021 ist der Finger­abdruck auch beim Personal­ausweis Pflicht.

Sicherheit durch Zwei-Faktor-Authentifizierung

„Vor der Übermi­ttlung der Ausweis­daten können die Anwender sehen, wer die Daten erhält und dass dieser zur Nutzung der Online-Ausweis­funktion berechtigt ist“, erklärt Tim Griese vom Bundesamt für Sicherheit in der Informations­technik (BSI). „Nur wer im Besitz des Personalaus­weises ist und die persönliche Geheim­nummer kennt, kann die Online-Ausweis­funktion nutzen. Diese sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung ist sicherer als die verbreitete Ein-Faktor-Authentifizierung mit Nutzernamen und Pass­wörtern.“

Kommunen entscheiden selbst über Angebot

Elektronisch ausweisen können sich Besitzer einer eID bisher bei 101 Diensten. 70 Prozent davon sind laut Bundes­innen­ministerium Behörden, der Rest Unternehmen, die sich für das Verfahren zertifizieren mussten. Dazu zählen beispiels­weise einige Versicherungen, Banken, die Deutsche Bahn und Deutsche Post.

In einigen Landkreisen lässt sich zum Beispiel online das Auto abmelden, eine Melde­bestätigung beantragen, ein Umzug melden oder die Briefwahl beantragen. Doch jedes Land und jede Kommune entscheidet selbst über das Angebot, deshalb gleicht das Angebot bisher einem Flicken­teppich. „Nicht einmal die Behörden bieten sinnvolle Nutzungs­möglich­keiten für die eID flächend­eckend an“, kritisiert Constanze Kurz vom Chaos Computer Club. Bundesweit können Bürger unter anderem Kindergeld online beantragen, bei der Renten­versicherung das eigene Konto einsehen oder ein Führungs­zeugnis anfordern.

Doch zumindest bei den Behörden soll es absehbar besser werden. Mit dem Online­zugangs­gesetz legte die Bundes­regierung fest, dass bestimmte Services in allen Behörden online zu erledigen sein müssen. Auch private Anbieter, so die Hoffnung des Bundes­innen­ministeriums, sollen die Online-Ausweis­funktion künftig häufiger nutzen.

Elektronischer Ausweis gilt als sicher

„Digitale Technologien ermöglichen viele neue Dienste, deren Nutzung eine sichere Identifikation voraussetzt, wie etwa Carsharing“, sagt Antonia Schmidt vom Digital-Branchen­verband Bitkom. „Weil der Bedarf groß ist, nutzen Unternehmen mittlerweile auch andere digitale Identifizierungs­systeme, zum Beispiel das Video-Ident-Verfahren.“

Diese Lösungen sind bequem zu nutzen, bestätigt Constanze Kurz. Der Online-Ausweis ist dagegen vergleichsweise umständlich. Doch manche Verbraucher haben bei den privaten Lösungen Sicherheits­bedenken. Dort, wo die eID angeboten wird, spricht daher nichts dagegen, die Funktion zu nutzen, findet Constanze Kurz. Denn der elektronische Personal­ausweis gilt als relativ sicher. Die Ausweis­daten werden immer Ende-zu-Ende-verschlüsselt übermittelt und können laut BSI-Sprecher Griese nicht abgefangen oder eingesehen werden.

Auch Constanze Kurz bescheinigt der Verschlüsselung gute Standards, auch wenn diese schon zehn Jahre alt sind. Die Daten auf dem Chip könnten auch nicht unbemerkt ausgelesen werden, dafür brauche es immer die PIN.

Sicherheitshinweise

„Wer die eID nutzen möchte, sollte sich aber keinesfalls ein billiges Lesegerät für den Chip kaufen. Lieber eines mit einer kleinen Tastatur, die können nicht so leicht gehackt werden.“ Und Constanze Kurz empfiehlt, nach der Nutzung immer das Gerät vom Computer abzuziehen. Wer die App auf dem Handy nutzt, sollte sich danach unbedingt wieder aus der App ausloggen. „Letztendlich ist die eID aber immer nur so sicher, wie das Betriebs­system auf Computer oder Handy.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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