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Steuerrecht und Vertragsrecht | 17.06.2021

Riester-Rente

Auszahlung der Riester-Rente: Nicht immer die beste Wahl

Diese Optionen gibt es!

Erst kommt das Sparen, dann der Lohn: Läuft der Riester-Vertrag am Ende aus, entscheiden sich die meisten für die regelmäßige Renten­zahlung. Das ist allerdings nicht immer die beste Option.

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Jahrelang „geriestert“, sprich: mit staatlicher Unterstützung privat fürs Alter vorgesorgt und dafür einen Riester-Renten-Vertrag abgeschlossen. Jetzt steht die Auszahlung der Rente unmittelbar bevor.

Gesamtauszahlung möglich

Der Haken: Nicht immer ist die Höhe dieser monatlichen Zusatzrente wirklich lukrativ. Viele erwägen daher, ob sie sich nicht das eingezahlte Geld auf einen Schlag auszahlen lassen sollen. „Grund­sätzlich ist das möglich“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucher­zentrale Hamburg. In einem solchen Fall müssten Sparer den Vertrag kündigen. Das hat aber seinen Preis.

Auszahlung an Rentenbeginn geknüpft

Grund­sätzlich ist die Riester-Rente in Form einer monatlichen Renten­zahlung zu gewähren. Regulär kommt sie ab dem Zeitpunkt zur Auszahlung, ab dem der Sparer in den Ruhestand geht. Versicherte erhalten dann zusätzlich zur gesetzlichen Rente oder Pension lebenslang die Riester-Rente.

Kommt es nun zu einer Gesamt­auszahlung des angesparten Kapitals, spricht der Gesetzgeber von einer „schädlichen Verwendung“ der Riester-Rente. „Verbraucher erhalten die Einmal­zahlung abzüglich aller Zulagen und Steuer­vorteile“, erläutert Becker-Eiselen. Zudem muss der Sparer Steuern zahlen - und zwar auf alle Erträge.

Kleinbetragsrenten auszahlen lassen

Es gibt aber eine Ausnahme: Eine Gesamt­auszahlung - ohne Zulagen und Steuer­vorteile zurück­zuzahlen - ist bei sogenannten Klein­betrags­renten möglich. Von einer solchen Rente ist die Rede, wenn die monatliche Auszahlung bei rund 30 Euro oder weniger liegt.

Solche vergleichsweise geringen Renten sind möglich, wenn Sparer über die Jahre nur geringe Beiträge einzahlen. Zum Beispiel, weil der Riester-Vertrag längere Zeit geruht hat. „Allerdings ist der ausgezahlte Betrag komplett im Jahr der Auszahlung zu versteuern“, sagt Verbraucher­schützerin Becker-Eiselen. Sparer sollten sich deshalb im Zweifels­fall beraten lassen.

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Kündigung kann sich lohnen

Abgesehen von einer Klein­betrags­rente: Selbst wenn die monatliche Riester-Rente weit mehr als 30 Euro beträgt, kann sich die Kündigung des Vertrags unter Umständen lohnen. Sparer sollten sich ihre Vertrags­unterlagen einschließlich Stand­mitteilungen und Steuer­bescheide ansehen und rechnen.

„Dabei gilt es, den Anteil der Förderung mit den eigenen Beiträgen zu vergleichen“, erklärt Katharina Henrich von der Stiftung Warentest. Stellt sich heraus, dass der Förder­anteil sehr hoch ist, ist auch eine sehr niedrige Rente zumeist immer noch vorteil­hafter als die Kündigung - weil der Sparer bei einem sehr hohen Förder­anteil sehr viel Geld zurück­zahlen müsste.

Was auch möglich ist: Eine Riester-Teil­auszahlung. Dabei lassen sich Sparer zu Renten­beginn einen Einmal­betrag von bis zu 30 Prozent des angesparten Riester-Kapitals auszahlen. Von dem Geld, das übrig bleibt, erhalten sie ganz regulär eine monatliche Riester-Rente - und zwar lebenslang.

Einmalbetrag muss versteuert werden

Wichtig zu wissen: Den Einmal­betrag müssen Verbraucher voll versteuern. Ob sich das unter dem Strich rechnet, müssen Betroffene für sich entscheiden. „Möglicher­weise können Sparer eine Einmal­zahlung gut gebrauchen, um zum Beispiel ein E-Auto zu finanzieren“, sagt Henrich. Aber: Die Höhe der monatlichen Riester-Rente ist nach der Einmal­zahlung entsprechend niedriger.

Doch wie attraktiv ist es überhaupt, wenn das angesparte Geld verrentet wird? „Im Prinzip muss man sehr alt werden, um das zurückzuerhalten, was an Beiträgen plus Zulagen in den Vertrag geflossen ist“, erklärt Becker-Eiselen. Denn Renten­versicherungen jeder Art seien eine Wette auf die Lebens­erwartung.

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Vertrag dreht erst nach vielen Jahren ins Plus

Verbraucher können für sich ausrechnen, ab wann die monatliche Riester-Rente für sie zum Plus wird. Katharina Henrich verdeutlicht dies an einer Beispiel­rechnung: Eine Sparerin addiert über die Jahre ihre Eigen­beiträge und kommt zu einer Summe von 12 751 Euro. Davon zieht sie die Summe der Steuer­vergünstigungen in Höhe von 3008 Euro ab. Ihr finanzieller Aufwand liegt also bei 9743 Euro.

Jetzt nimmt die Sparerin nach der Beispiel­rechnung den voraussichtlichen Netto-Betrag ihrer monatlichen Riester-Rente und multi­pliziert den Betrag mit zwölf. Angenommen, die garantierte Rente liegt bei 47 Euro im Monat, das wären 564 Euro im Jahr.

Wenn darauf durchschnittlich 20 Prozent Steuern anfielen, wären dies bei 564 Euro 113 Euro. 564 Euro minus 113 Euro ergeben 451 Euro - „so hoch wäre die jährliche Nettorente oder 37,58 Euro pro Monat“, so Henrich.

Wer jetzt den finanziellen Aufwand (9743 Euro) durch die Netto­jahresrente (451 Euro) teilt, kommt zum Ergebnis 21,6. „Das heißt, im Fall der Sparerin würde die Riester-Rente nach 21,6 Jahren garantiert ins Plus drehen.“ Erst mit dieser Information können Sparende einschätzen, ob sich eine Verrentung für sie auszahlt.

Riester-Rente vorzeitig auszahlen lassen

Was übrigens auch möglich ist: Sich die Riester-Rente vorzeitig, also vor Renten­beginn, auszahlen lassen. Allerdings sind dann nach Angaben der Deutschen Renten­versicherung Bund Zulagen und Steuer­vorteile ebenfalls komplett zurück­zahlen. Zudem müssen Sparer den ausgezahlten Betrag versteuern.

Anders ist es beim sogenannten „Wohn-Riester“: Wer ein Eigenheim kauft, baut oder barrierefrei umbauen lassen will, kann sich sein Riester-Kapital bereits vor Renten­beginn auszahlen lassen - und zwar ohne finanzielle Nachteile. Betroffene bleiben im Genuss der vollen staatlichen Förderung. Die Auszahlung müssen sie erst ab Renten­beginn monatlich versteuern.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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