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Arbeitsrecht und Persönlichkeitsrecht | 15.04.2019

Erscheinungsbild am Arbeits­platz

Bart oder glatt rasiert: Darf der Arbeitgeber den Bart verbieten?

In der Regel darf ein Arbeitgeber keine Vorgaben zum Aussehen seiner Angestellten machen - doch es gibt Ausnahmen

Ein gepflegtes Erscheinungsbild und Auftreten -eine Anforderung von Arbeit­gebern an Angestellte, die eigentlich jeder nach­vollziehen kann. Für einige Chefs gehört dazu jedoch, dass Angestellte glatt rasiert zur Arbeit kommen. Das ist nicht immer nach dem Geschmack der Mitarbeiter. Darf ein Chef verbieten, dass Angestellte Bart tragen?

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„Vorgaben zum Aussehen greifen in die freie Entfaltung des Persönlichkeit ein“, erklärt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeits­recht in Nürnberg. Das gilt bei Bärten ebenso wie bei Täto­wierungen, Frisuren oder Piercings. In solchen Fällen steht im Zweifel das allgemeine Persönlichkeits­recht, das im Grundgesetz fest­geschrieben ist, dem Interesse des Arbeit­gebers gegenüber. „Und die Persönlich­keitsrechte überwiegen in der Regel“, sagt der Fachanwalt, der Mitglied in der Arbeits­gemeinschaft Arbeits­recht des Deutschen Anwalt­vereins ist.

Ausnahmen bei Hygienevorschriften und Sicherheitsbedenken

Sollte es im Betrieb besondere Hygiene­vorschriften geben, kann der Arbeitgeber aber zum Beispiel verlangen, dass der Arbeit­nehmer ein Bartnetz trägt, erläutert Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeits­recht in Nürnberg. Gleiches gilt für Sicherheits­bedenken. Etwa wenn ein Angestellter an Maschinen tätig ist, in denen sich der Bart verfangen kann.

Arbeitgeber muss berechtigtes Interesse nachweisen

Unter bestimmten Umständen kann ein Arbeitgeber auch von einem Angestellten mit Kunden­kontakt ein gewisses Erscheinungsbild erwarten. Allerdings muss er im Streitfall sein berechtigtes Interesse nachweisen könne. „In aller Regel sind Vorschriften, die das persönliche Erscheinungsbild betreffen, nicht berechtigt.“

Betriebsrat hat Mitbestimmungsrecht

Zudem gilt: „Jede kollektive oder generelle Anweisung, die das Verhalten von Beschäftigten betrifft, vor allem wenn diese Persönlich­keitsrechte von Angestellten berührt, ist mit­bestimmungs­pflichtig“, sagt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeits­recht in Nürnberg. Das heißt: Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, muss dieser einem Verbot zunächst zustimmen. Außerdem muss die Regelung dann in der Betriebs­vereinbarung fest­geschrieben werden.

Für Beamte gelten strengere Regeln

Nicht zuletzt müsse man unter­scheiden, ob ein Bartträger im öffentlichen Dienst oder in einem Beamten­verhältnis angestellt ist. Hier können die Regeln durchaus strenger sein. „Aber selbst da ist es für Arbeitgeber nicht so einfach, Vorgaben zu machen, die das Persönlichkeits­recht des Einzelnen einschränken“, sagt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeits­recht in Nürnberg.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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