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Baurecht und Verbraucherrecht | 25.02.2021

Bau­finanzierung

Bau­finanzierung über 50: Welche Rolle das Alter bei der Kredit­vergabe hat

50 ist das neue 30 - das gilt auch bei der Bau­finanzierung

Manche Träume erfüllen sich erst spät im Leben. Die eigenen vier Wände leisten sich manche erst mit 50 statt mit 30. Was hat das für Folgen für die Finanzierung?

50 ist das neue 30 - das gilt nicht nur für den runden Geburtstag, sondern auch bei der Bau­finanzierung. Ü-50- Kunden sind heute meist so beliebt bei den Banken wie früher die jüngeren Kunden. Vorbei die Zeiten, da ältere Menschen allein wegen der Anzahl ihrer Lebensjahre fürchten mussten, keinen Kredit mehr zu bekommen. Heute haben die Geld­institute die Vorzüge dieser Klientel erkannt. Und es gibt klare Vorschriften, wie mit älteren Kunden umzugehen ist.

Alter allein ist kein Kriterium

Das Alter allein ist kein Hinderungs­grund für die Kredit­vergabe, fand die Stiftung Warentest Anfang dieses Jahres bei einer Umfrage unter 73 Bau­finanzierern heraus. Auch die Verbraucher­zentrale Bremen beobachtet diesen Trend. „Wenn ein Kredit abgelehnt wird, dann eher aus Bonitäts- als aus Alters­gründen“, sagt Anke Behn, Beraterin für Finanz­dienst­leistungen.

Da aber das Alter ein wichtiges Merkmal bei der Ermittlung der Bonität eines Kunden ist, fließt es indirekt eben doch in die Bewertung der Kredit­würdigkeit ein. „Man kann ja nicht drum­herumreden, dass die verbleibende Lebens­erwartung von über 50-jährigen im Durchschnitt deutlich geringer ist als bei 20- oder 30-Jährigen“, sagt Dirk Stein vom Bundes­verband deutscher Banken.

„Die Banken müssen dem Kunden eine Bau­finanzierung anbieten, die für ihn auch zu tilgen ist. Da fallen die Laufzeiten für Ältere in der Regel kürzer aus als bei jüngeren Kunden.“

Schulden müssen zurückzahlbar sein

Es gibt kein offizielles Höchst­alter für die Vergabe von Immobilien­krediten. „Den EU-Wohn­immobilien­kredit­richtlinien zufolge müssen Banken jedoch darauf achten, dass der Darlehens­nehmer seine Kredit­schulden innerhalb seiner statistischen Lebens­erwartung vollständig zurück­zahlen kann.

Häufig nehmen Banken den 75. Geburtstag des Kredit­nehmers als Datum, bis zu dem der Kredit für Rentner getilgt sein muss“, erklärt Kai Weber von der Dr.-Klein-Bau­finanzierung, einem bundesweit tätigen Finanz­dienst­leister.

Wer also mit Mitte 50 ein Haus finanzieren will, hat noch Zeit. „Eine Finanzierung über zehn oder 15 Jahre ist aus Alters­gründen völlig unproblematisch“, meint Dirk Stein.

Immobilie dient als Sicherheit

Allerdings hat die EU-Immobilien­kreditlinie auch Nachteile für ältere Kunden. „Im Gegensatz zu der Zeit davor werden die Lage der geplanten Immobilie, der Wert bereits vorhandenen Wohn­eigentums oder die Lebenslage des potenziellen Kredit­nehmers nicht mehr berücksichtigt. Das Haupt­augenmerk liegt auf der Kredit­würdigkeit und dem Alter“, betont Kai Weber.

„Nach wie vor werden aber bei jeder Immobilien­finanzierung - also auch bei älteren Kunden - das zu finanzierende Gebäude oder die Wohnung als Sicherheit genutzt“, stellt Dirk Stein klar.

Laufzeit der Finanzierung gut planen

Eigentümer, die im höheren Alter eine Bau­finanzierung in Angriff nehmen, sollten sich bewusst sein, dass sich mit ihrem Renten­eintritt die finanziellen Verhältnisse ändern. In vielen Fällen ist das monatliche Budget dann deutlich kleiner als vorher. „Ziel sollte sein, im Alter von 65 oder 67 Jahren die Bau­finanzierung möglichst vollständig abgeschlossen zu haben“, rät Kai Weber.

Das sieht auch Verbraucher­schützerin Anke Behn so. „Manchen Kredit­nehmern ist nicht bewusst, wie viel geringer die Rente im Vergleich zum bisherigen Einkommen sein wird. Dadurch könnten einige dann in finanzielle Schwierig­keiten geraten.“

Flexibilität ist wichtig

Wer darauf angewiesen ist, den Kredit über das Renten­eintritts­alter hinaus abzuzahlen, sollte eine flexible Finanzierung vereinbaren. Es gibt die Möglichkeit, nach dem Renten­beginn deutlich geringere Raten zu zahlen als vorher. Der Kunde kann durchaus für die ersten Jahre der Kredit­laufzeit, wenn er noch im Arbeits­leben steht, höhere Raten vereinbaren. Geht er dann in Rente, sinkt die Ratenhöhe.

Auch ein Tilgungs­satz­wechsel oder Sonder­tilgungen sind möglich, zum Beispiel, wenn eine Lebens­versicherung fällig wird. So sinkt die monatliche Belastung im Alter. „Allerdings muss der Kunde diese Flexibilität der Finanzierung vor Vertrags­abschluss mit der Bank vereinbaren. Später lässt sich das nicht mehr nachholen“, sagt Stein.

Gut dran sind Bankkunden, die viel Eigen­kapital einbringen können. „Das sind in der Ü-50-Gruppe sehr viele“, sagt Dirk Stein. „In der Regel verdienen sie mehr Geld als jüngere Leute, die erst am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen.“ Und sie haben oft Rücklagen in Form von Lebens­versicherungen oder Wert­papieren. „Im Schnitt haben

50- bis 59-Jährigen ein doppelt so hohes Vermögen wie 30- bis 39-Jährige. Das macht sie für Banken zu einer solventen Zielgruppe“, so Weber.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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