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Versicherungsrecht | 13.08.2019

Rechtschutz­versicherung

Bau­herren-Rechts­schutz: Bauherren bekommen Rechts­schutz oft nur im Mini-Format

Klassische Rechts­schutz­policen schließen viele Bau-Streitig­keiten aus

Bauen ist ein teures Abenteuer. Wer es eingeht, kalkuliert Ärger ein. Rechts­schutz­versicherungen decken Streitig­keiten selten ab. Aber es gibt Ausnahmen.

Kaum ein Projekt zehrt so sehr an den Nerven wie der Bau des eigenen Hauses. Krach mit Architekten und ausführenden Firmen oder Schäden bleiben selten aus. Manches landet vor Gericht. Doch häufig schließen klassische Rechts­schutz­policen solche Streitig­keiten aus.

Bauherren müssen Baurisiko größtenteils selbst tragen

„Bei allem, wogegen sich ein Bauherr eigentlich versichern möchte, greifen die Versicherungen nicht“, lautet das ernüchternde Fazit von Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) mit Sitz in Hamburg. Ihre Einschätzung fußt auf den Muster­bedingungen der Versicherungs­branche, die so gut wie jeder Anbieter nutzt.

Darin wird ausdrücklich eine lange Liste an Situationen ausgeschlossen - unter anderem der Kauf von Bau­grund­stücken sowie Planung, Neubau, Umbau und Kauf einer Immobilie. Bauherren müssen also Klagen gegen Planer und Firmen aus eigener Tasche zahlen. Einige Policen decken auch Auseinander­setzungen um die Finanzierung nicht ab.

Elke Weidenbach, Referentin für Versicherungen bei der Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen, erläutert den Grund für die Einschränkungen: „Das Baurisiko ist zu hoch“. Zur Vielzahl an Klagen komme der hohe Streitwert. Nach diesem richten sich Gerichts- und Anwalts­kosten sowie Gutachter-Honorare. Fünf- bis sechs­stellige Summen sind schnell zusammen, das wird Versicherungen schlicht zu teuer.

Ausnahmen für den Selbstbezug

Dennoch können klassische Rechts­schutz­verträge Klauseln zugunsten des Bauherrn beinhalten. Wer zur Kapital­anlage kauft, bleibt in der Regel aber außen vor. Denn Voraussetzung ist oft, dass der Eigentümer in der gebrauchten Immobilie lebt.

Auch für den Selbstbezug gebraucht gekaufter Häuser und Wohnungen bieten Tarife teilweise Ausnahmen. „Wenn ein solches Haus Mängel hat, würde darauf Rechts­schutz bestehen“, erläutert Michael Sittig, Redakteur der Zeitschrift „Finanztest“. So springt die Versicherung zum Beispiel ein, wenn der neue Eigentümer nichts vom Hausschwamm-Befall wusste und deshalb den Verkäufer verklagen will.

Bei Mehr­familien­häusern hängt es laut Michael Sittig von der Formulierung ab, ob der Schutz für das gesamte Gebäude gilt oder lediglich für die selbst bewohnte Einheit. Dann bekäme etwa der Eigentümer eines Sechs­familien­hauses nur ein Sechstel der Kosten erstattet. Ist dieser Punkt vertraglich nicht geregelt, sei die kunden­freundlichste Auslegung der Klausel geboten. Bedeutet: Rechts­schutz fürs ganze Haus.

Sind Kunden anderer Ansicht als die Assekuranz, können sie sich online beim Versicherungs­ombuds­mann beschweren. Dafür brauchen sie keine juristischen Kenntnisse. Der Ombudsmann schlichtet den Streit, das Verfahren ist kostenlos.

Anstrich oder Solaranlage können versichert sein

Umbauten können ebenfalls versichert sein. Jedenfalls dann, wenn sie keine Bau­genehmigung erfordern. Als Beispiele nennt Sittig den Fassaden­anstrich, das Versetzen einer nicht tragenden Wand oder die nachträglich aufs Dach gesetzte Solaranlage. Für den Anbau einer Garage hingegen gibt es demnach keinen Rechts­schutz.

Sogar der Kredit für eine genehmigungs­freie bauliche Ver­änderung kann mit­versichert sein, sagt der Experte, auch wenn Krach um Finanzierungen generell ausgeschlossen wird. Manche Tarife umfassen auch anwaltliche Beratungs­gespräche und Prozess­kosten, die jedoch nach oben gedeckelt sind.

Fallstricke beim Abschluss

Neben den typischen Rechts­schutz­versicherern mit Mini-Schutz gibt es wenige Spezial­anbieter, die mehr leisten. Sie übernehmen etwa Klagen gegen Bau­unternehmen. Einer der Anbieter übernimmt bis zu 100.000 Euro Prozess­kosten. Der Schutz hat seinen Preis: Bauherren zahlen 0,5 Prozent der Bau- oder Kaufsumme.

Elke Weidenbach warnt davor, falsche Angaben zu machen, um Beiträge zu sparen. „Außerdem gibt es einen Selbst­behalt und die Bedingung, den Vertrag vor dem Notartermin unter Dach und Fach zu bringen.“

Wer eine Rechts­schutz­versicherung abschließen will, sollte darauf achten, die Police vor Beginn des Bau­vorhabens zu unterschreiben, empfiehlt die Verbraucher­schützerin. Für problematisch hält sie allgemein sowohl die mögliche Kappung der Versicherungs­summe als auch eine Wartezeit bis zum Greifen des Rechts­schutzes. Verzichte eine Gesellschaft darauf, sollten sich Bauherren dies schriftlich bestätigen lassen. Und: „Genau erkundigen, ob für das geplante Objekt der Versicherungs­schutz passt.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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