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Baurecht und Verbraucherrecht | 16.05.2022

Hausbau

Baukrise: So finden private Bauherren eine zuverlässige Baufirma

6 Tipps im Überblick

Es gibt eine Krise am Bau: Ein Mangel an Baustoffen und Fach­kräften macht den Firmen zu schaffen. Vor allem private Bau­interessenten merken das - es ist nicht mehr so einfach, eine Baufirma zu finden.

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Wer sich heute ein Haus bauen lassen will, muss viel Zeit und Geduld mitbringen. Denn die Suche nach einer passenden Baufirma gestaltet sich schwieriger denn je. Fehlende Fachkräfte, Material­engpässe sowie drastische Preis­steigerungen machen der Branche zu schaffen.

„Entsprechend zurück­haltend reagieren viele Firmen auf Anfragen, besonders im Privat­bereich“, sagt Peter Burk, Bauberater und Fachbuch­autor. „Schlüssel­fertige Häuser zu bauen, lohnt sich für sie vor allem in größeren Wohnanlagen. Ein- oder Zwei­familien­häuser stehen deshalb oft am Ende der Warte­schlange.“ Trotzdem sollte man in der Not nicht zu irgendeiner Firma gehen - es geht schließlich um nicht weniger als das künftige Eigenheim.

1. Trotzdem mehrere Angebote einholen

Wichtig ist daher, mehrere Angebote einzuholen, auch wenn die Auswahl knapp ist. Und man sollte selbst­bewusst auftreten. „Bauherren sind keine Bittsteller. Sie geben ihr gutes Geld und haben Anspruch auf ein solides, mängel­freies Haus zum vereinbarten Preis“, sagt Florian Becker, Geschäfts­führer des Bauherren-Schutzbundes in Berlin.

Zu einem seriösen Angebot für den Hausbau gehört ein detail­lierter Preis mit den Mehrkosten für gewünschte Sonder­leistungen und den Gutschriften für Eigen­leistungen, aufgeschlüsselt nach Material- und Lohnanteil. Florian Becker rät, Bauherren sollten die komplette Bau- und Leistungs­beschreibung und den Vertrag mit Zahlungs­plan anfordern. Auch die Grundrisse mit Bemaßung und Angaben zur Wohnfläche sind wichtig. Denn all diese Unterlagen benötigt auch die Bank zur Prüfung der Finanzierung.

2. Aktualität der Internet-Bewertung überprüfen

„Viele Bauherren suchen zuerst im Internet, das ist im Prinzip auch okay“, sagt Heiko Püttcher, Geschäfts­führer des Vereins zur Qualitäts-Controlle am Bau. „Aber sie sollten auch prüfen, ob die Bewertungen der User zu diesen Firmen aktuell sind.“ Denn in der gegenwärtigen Marktlage könne sich vieles schnell ändern. Material­schwierigkeiten und Personalnot machten auch Firmen zu schaffen, die bisher einen guten Ruf hatten, so Püttcher.

Die Gefahr, eine Baufirma zu erwischen, die keine guten Handwerker­partner hat, ist heute also groß. Dann drohen fachliche Fehler, wie zum Beispiel Mängel an wichtigen statischen Elementen, die den Bauherren teuer zu stehen kommen.

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3. Referenzobjekte persönlich ansehen

Wenn sich eine engere Auswahl herausgebildet hat, sollten sich Bauherren Referenz­objekte der Firmen ansehen. „Aber Vorsicht: Schlägt die Firma nur ein einziges Bauprojekt als Referenz vor, muss dieses nicht unbedingt die tatsächliche Qualität ihrer Arbeit widerspiegeln“, sagt der Bau­sachverständige Heiko Püttcher.

Es gebe Fälle, bei denen Firmen die Bewohner bezahlen, damit sie viel Gutes über den Bauverlauf erzählen, obwohl das vielleicht gar nicht stimmt. „Bauherren sollten sich immer mehrere Objekte nennen lassen. Ist die Firma dazu nicht bereit, müssen die Alarm­glocken läuten“, so Püttcher.

4. Nach Fertigstellungsversicherung fragen

Gute Baufirmen haben eine Fertig­stellungs­versicherung, mit der sie sich absichern, falls das Unternehmen in Insolvenz geht. „Bauherren sollten sich danach erkundigen, denn diese Policen sagen viel über die Seriosität der Firma aus“, erklärt Heiko Püttcher. „Die Versicherungen prüfen die Unternehmen gründlich. Bei Anzeichen einer drohenden Zahlungs­unfähigkeit bekommen sie diesen Versicherungs­schutz nicht.“

5. Sachverständige hinzuziehen

Ist ein passendes Angebot gefunden, sollten Bauherren sich nicht zu voreiligen Entscheidungen drängen lassen und den Vertrag von unabhängigen Fach­personen überprüfen lassen.

Es gibt in Deutschland mehrere Vereinigungen von Sachverständigen, etwa den Bauherren-Schutzbund, den Verband Privater Bauherren, den Verein zur Qualitäts-Controlle am Bau sowie die Verbraucher­zentralen. Auch die Architekten­kammern der Bundes­länder vermitteln Sachverständige.

Weitere Verbände in diesem Bereich sind der Bundes­verband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger, der Bundes­verband Deutscher Sachverständiger und Fach­gutachter und der Bundes­verband Freier Sachverständiger. Viele der Organisationen haben eine Experten-Such­funktion auf ihren Webseiten.

Als Laie auf eigene Faust einen Bauvertrag zu unterschreiben, gleiche einem Blindflug, findet Bauherren­berater Peter Burk. Zu groß sind die Turbulenzen, die auftreten können. „Es kann sein, dass das Grundstück nicht zum Haus passt.“ Oder es werde im Vertrag eine hohe Über­zahlung der Teil­abschnitte festgelegt. Oder der Firma fehle fachliche Expertise. „Schließlich ist in Deutschland jeder berechtigt, ein Bau­unternehmen zu gründen.“

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6. Verbindliche Konditionen verlangen

Ein Experten-Tipp: Es hat sich laut Florian Becker bewährt, dem künftigen Vertrags­partner nach Auswertung des Bauangebots mit Hilfe des unabhängigen Experten schriftlich Fragen und Verhandlungs­wünsche zu übermitteln und dazu verbindliche Stellung­nahmen anzufordern.

Vor allem die Preis­angebote erfordern aktuell detaillierte Verhandlungen, weil viele Materialien teurer werden oder nur sehr schwer zu bekommen sind. In Verträgen, die derzeit abgeschlossen werden, sind die Risiken durch Material­knappheit und Preis­steigerungen in der Regel schon eingepreist.

„Ganz wichtig ist es, auf einen fixen Fertig­stellungs­termin zu bestehen“, rät Heiko Püttcher. Es muss fest­geschrieben sein, wann das Projekt fertig sein soll und was passiert, wenn dieser Termin nicht eingehalten wird. „Lässt sich das Unternehmen darauf nicht ein, ist es vielleicht doch nicht das Richtige.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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