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Verbraucherecht und Vertragsrecht | 07.10.2022

Abzocke

Bei Anruf Abzocke: So wehren Sie sich gegen Telefon-Betrüger

Wichtige Fragen und Antworten im Überblick

Nervig, zeitraubend, im schlimmsten Fall auch teuer: Betrügereien am Telefon. Doch machtlos sind Betroffene nicht.

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Die Masche klingt perfide: Das Telefon klingelt, eine Stimme fragt „Hören Sie mich?“. Wer sich hier ein „Ja“ entlocken lässt, hat im dümmsten Fall gleich einen Vertrag abgeschlossen - wenn Betrüger den Wortfetzen später missbräuchlich verwenden. Von diesem Trick berichten Verbraucher­schützer, ebenso wie von unerlaubten Werbe­anrufen und Betrügern, die sich sensible Daten erschleichen wollen. Gerade ältere Menschen reagieren in solchen Situationen oft hilflos. Daher ist Aufklärung wichtig.

Worauf sollte ich bei Anrufen achten?

„Häufig versuchen unseriöse Anrufer, ein bestehendes Vertrauens­verhältnis vor­zutäuschen, beispiels­weise indem sie wahrheits­widrig ein aktuelles Vertrags­verhältnis behaupten“, sagt Nadia Affani von der Bundesnetz­agentur. Oder sie versuchten, Zeitdruck vor­zutäuschen, etwa indem sie behaupteten, der Fernseh- oder Internet­empfang werde demnächst gesperrt.

„Seriöse Anbieter wie Banken fragen nie nach Pass­wörtern oder anderen vertraulichen Informationen“, sagt auch Katja Nonnenkamp-Klüting von der Verbraucher­zentrale Bremen. Sie rät außerdem, nie Programme auf dem Computer zu installieren, nur weil ein Anrufer das verlange. Betrügerinnen und Betrüger könnten so die volle Kontrolle über die eigenen digitalen Daten bekommen - etwa das Online­banking.

Wichtig ist auch

Unbekannte Nummern nie zurückrufen. Manche Betrüger riefen mit einer deutschen Nummer an, legten nach dem ersten Klingeln auf und warteten dann, bis sie zurück­gerufen werden. Dieser Rückruf könne für Verbraucherinnen und Verbraucher aber teuer werden, etwa, weil sie in einer kosten­pflichtigen Warte­schleife landen oder aus Versehen einen Vertrag abschließen. Grund­sätzlich gilt: Wer Betrüger am Telefon vermutet, sollte sofort auflegen.

Welche Verträge gelten noch ohne Unterschrift?

Viele wichtige Verträge gelten erst, wenn sie in Textform - also etwa per Mail oder Brief - ausgeführt sind. Dazu gehörten Gas- und Stromliefer­verträge außerhalb der Grund­versorgung, sagt Affani. Ähnliches gelte für Glücks­spiele und Verträgen zu Internet und Telefon.

Es gebe Unternehmen, die Verbraucherinnen und Verbrauchern die Vertrags­zusammen­fassung einfach als SMS zusenden, ergänzt Nonnenkamp-Klüting. Wer dieser zustimmt, schließt den Vertrag tatsächlich ab. Eine händische Unterschrift sei nur noch bei wenigen Rechts­geschäften nötig, etwa einem Arbeits­vertrag oder einem Testament, sagt Nonnenkamp-Klüting.

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Kann ich etwas tun, wenn der Vertrag geschlossen ist?

Selbst wenn der Vertrag gültig am Telefon geschlossen wurde, haben Betroffene 14 Tage Zeit, ihn zu widerrufen. „Der Unternehmer muss den Verbraucher über dessen Widerrufs­recht in Textform unterrichten“, sagt Harald Rotter vom Deutschen Anwalt­verein. „Wenn das nicht geschieht oder es nicht so formuliert ist, dass es den gesetzlichen Vorgaben entspricht, hat man ein lebens­langes Widerrufs­recht“, so der Rechtsanwalt.

Wie kann ich gegen Telefonbetrüger vorgehen?

Unerlaubte Werbeanrufe - sogenannte Cold Calls - können bei der Bundesnetz­agentur angezeigt werden, zum Beispiel über ein Online­formular. „Es sollte möglichst detailliert geschildert werden, wie das Gespräch abgelaufen ist und ob vor oder nach dem Gespräch Kontakt zu dem Unternehmen bestand“, sagt Nadia Affani. Die Agentur könne in solchen Fällen ein Bußgeld von bis zu 300.000 Euro verhängen.

Für Betrugs­versuche, bei denen Betroffene Passwörter oder andere Zugangsd­aten verraten sollten, ist die Agentur nicht zuständig. In solchen Fällen sollten Betroffene eine Anzeige bei der Polizei stellen.

Wie wehre ich mich gegen eine betrügerische Rechnung?

Wer Opfer eines Telefon­betrugs wurde und dafür eine Rechnung erhält, sollte sie nicht ignorieren, rät Rotter. Andernfalls baue das Unternehmen durch Mahnungen oder Inkasso­androhungen möglicher­weise weiteren Druck auf.

Der Rechtsanwalt empfiehlt, sofort an die Firmen­adresse des Unternehmens ein Einschreiben mit Rückschein zu schicken und wenn möglich zusätzlich eine Mail. Es genüge ein Satz: „Für den Fall, dass dieser Rechnung tatsächlich ein Vertrag zugrunde liegen sollte, widerrufe ich ihn.“ Wer unsicher ist, kann sich aber auch an eine Verbraucher­zentrale oder einen Rechtsanwalt wenden.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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