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Versicherungsrecht | 17.10.2022

Berufs­unfähigkeits­versicherung

Beitrag erhöhen: So wächst die Berufs­unfähigkeits­versicherung mit

Wie die Versicherungs­leistung mitwächst, lesen Sie hier

Bei der anfangs vereinbarten Rentenhöhe im Falle einer Berufs­unfähigkeit muss es nicht bleiben. Oft gibt es Möglichkeiten, den Betrag anzupassen. Dafür müssen aber gewisse Fristen eingehalten werden.

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Wer schon im ersten Berufsjahr eine Berufs­unfähigkeits­versicherung (BU) abschließt, handelt clever. Denn vor einer schweren Erkrankung oder einem Unfall und den dadurch womöglich entstehenden Verdienst­ausfällen ist man auch in jungen Jahren nicht gefeit. Mit zunehmendem Gehalt, steigenden Ausgaben und einer Familien­gründung macht es Sinn, die BU anzupassen. Denn sollte man tatsächlich beruflich ausfallen, sollten die finanziellen Einbußen möglichst gering sein - sonst steht der Erhalt des bisherigen Lebenss­tandards auf der Kippe.

Was bedeutet dynamischen Beitragserhöhung bei BU-Verträgen?

„Das bedeutet zunächst, dass der Beitrag jährlich automatisch um einen bestimmten Satz, zum Beispiel zwei Prozent, gegenüber dem Beitrag des Vorjahres erhöht wird“, erläutert Constantin Papaspyratos von der Verbraucher­schutz­organisation Bund der Versicherten mit Sitz in Hamburg.

Inzwischen gibt es ihm zufolge aber viel­fältige unter­schiedliche Regelungen am Markt. Beispiels­weise kann der Beitrag auch um bestimmte Prozent­sätze des Vorjahres­beitrags, inflations­orientiert oder etwa so weit wachsen, dass sich die BU-Rente um bestimmte Prozent­sätze der Vorjahres­rente erhöht.

Die BU-Rente selbst erhöht sich unter­proportional zur Beitrags­erhöhung. Denn jede dynamische Erhöhung ist ein kalkulatorischer Neu­abschluss. Das heißt, der Versicherer verlangt für jede Erhöhung erneut Abschluss- und Vertriebs­kosten. Das könne zum Beispiel für eine Beitrags­dynamik von fünf Prozent bedeuten, dass die BU-Rente nur um 3,8 Prozent steigt, so Papaspyratos.

Sollte man bei Vertragsabschluss eine dynamische Beitragserhöhung vereinbaren?

„Das kann bei einer BU durchaus Sinn machen“, sagt Sandra Klug von der Verbraucher­zentrale Hamburg. Schließlich steigen auch die Lebens­haltungs­kosten von Jahr zu Jahr. Die BU sollte darum mindestens Schritt halten. Ein weiterer Vorteil der Dynamik: Sie erfordert keine erneute Gesundheits­prüfung wie beim Abschluss der BU.

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Ist eine dynamische Erhöhung auch bei bestehenden Verträgen möglich?

Nicht ohne weiteres. Der Versicherer prüft erst sein Risiko und fordert den Versicherungs­nehmer oder die Versicherungs­nehmerin auf, Gesundheits­fragen zu beantworten. Der nach­trägliche Einbau einer Dynamik ist aber nicht bei jedem Versicherer möglich.

Und lassen sich die Beiträge manuell erhöhen, um auch die Leistung im Schadensfall zu verbessern?

Ohne erneute Risiko- und Gesundheits­prüfung sei das dann möglich, wenn der Vertrag eine einmalige anlasslose Nach­versicherungs­garantie vorsieht - etwa einmal während der ersten fünf Vertrags­jahre bis zum Alter von 50 Jahren, so Constantin Papaspyratos.

Darüber hinaus sehen manche Anbieter auch Anpassungen der BU für bestimmte Lebens­ereignisse vor - etwa bei Heirat, Geburt eines Kindes oder einem Gehalts­sprung. Wer allerdings die entsprechende Frist für das jeweilige Ereignis verstreichen lässt, müsse auf das nächste Ereignis warten, so Verbraucher­schützerin Klug. Die Alternative: Die Rente gegebenenfalls unter Inkaufnahme einer erneuten Gesundheits­prüfung ohne Anlass hochsetzen.

Sollte ich mich in Sachen BU beraten lassen?

„Das bietet sich oftmals an“, sagt Constantin Papaspyratos. Die Versicherungs­bedingungen sind häufig sehr umfangreich und kompliziert, da kann es von Vorteil sein, wenn Experten etwa vom Bund der Versicherten oder von Verbraucher­zentralen mit darauf schauen und Tipps geben.

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Worauf kommt es sonst noch an?

Versicherte sollten wissen, dass man die Dynamik auch etwas steuern kann. „Man muss sie nicht jedes Jahr annehmen“, sagt Sandra Klug. Man kann der auto­matischen Beitrags­erhöhung in zwei aufeinanderfolgenden Jahren widersprechen, bevor die Dynamik im dritten Jahr wieder greift. Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn die finanzielle Situation angespannt ist. Wer der dynamischen Erhöhung öfter in Folge wider­spricht, verliert sie für immer.

Außerdem gut zu wissen: Wer seinen BU-Beitrag jährlich zahlt, fährt deutlich günstiger als bei der monatlichen Zahlweise.

Und was, wenn man nun tatsächlich berufsunfähig wird?

Wer berufsunfähig wird, muss das dem Versicherer melden, die BU-Leistung beantragen und Nachweise erbringen. „Das kann besonders aufwendig sein, da eine Berufs­unfähigkeit ein komplexer Versicherungs­fall ist“, sagt Constantin Papaspyratos.

Er rät davon ab, einen Leistungs­antrag auf eigene Faust zu stellen, da er vollständig und plausibel sein muss. Unterstützen können Versicherungs­berater und spezialisierte Rechts­anwälte. „Die Kosten dafür sind vertretbar, da es um Renten über viele Jahre geht und man dadurch das Risiko eines Rechts­streits deutlich reduzieren kann“, so der Fachmann.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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