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Strafrecht | 26.10.2017

Telefonbetrug

Belästigt und betrogen per Telefon: Wie man sich gegen Telefonbetrug schützen kann

Skepsis und gesunder Menschen­verstand sind der beste Schutz

Ihre Maschen fußen auf Neugierde, Vertrauen in staatliche Organe, Angst und Verunsicherung: Mit billigen Tricks, aber auch mit psychologischem und schauspielerischem Geschick versuchen Telefon-Betrüger abzuzocken. Lässt sich dem etwas entgegensetzen?

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Festnetz-Telefone und Smartphones sind für zwielichtige Unternehmen und Kriminelle ein Türöffner: Sie setzen Lockanrufe ab, die teure Rückrufe provozieren sollen. Sie übertragen in der Display-Anzeige Rufnummern, die ihnen gar nicht gehören. Oder sie geben sich als Polizisten oder Computer-Techniker aus, um an Geld und sensible Daten zu gelangen. Skepsis und gesunder Menschen­verstand sind der beste Schutz davor. Aber auch technisch und rechtlich können sich Verbraucher gegen Ruf­nummern­missbrauch und Betrug wehren.

Verbotene Lockanrufe (Ping-Calls)

Ein großes Problem sind verbotene Lockanrufe (Ping-Calls), also von Computern gesteuerte Anrufe, die nur so kurz eingehen, dass man überhaupt keine Chance hat, sie anzunehmen. Das Kalkül dahinter: Man ist neugierig, ruft zurück und wundert sich über nebulöse Bandansagen oder Rauschen. Die Hinter­männer der Ping-Calls aber streichen als Nummern­inhaber einen Teil der Gebühren ein, die der Rückrufer zahlt. Die Nummern bekommen sie von Adress­händlern oder Zufalls­generatoren.

Vermehrt ausländische Rufnummern

Bislang handelte es sich meist um teure deutsche Premium­nummern mit Vorwahlen wie 0180, 0137 oder 0900. Nun kommt eine neue Entwicklung dazu. „Wir stellen fest, dass etwa seit Mitte letzten Jahres im Bereich Ping-Anrufe vermehrt ausländische Rufnummern genutzt werden“, sagt Michael Reifenberg von der Bundesnetz­agentur, die für das Vorgehen gegen rechts­widrige Nummern-Nutzung zuständig ist. Ob Burundi, die Seychellen, der Kosovo oder Satelliten­telefon-Netze - sicher ist: Ein Rückruf wird teuer.

Aber: „Die Rufnummer, die angezeigt wird, und die Rufnummer, von der der Anruf initiiert wird, muss nicht identisch sein“, erklärt Reifenberg. „Auch das kann falsch sein.“ Technisch ist es gerade im Festnetz kein Problem, dass dem Angerufenen eine beliebige Nummer angezeigt wird - bei vielen Tele­kommunikations­anlagen oder Routern ist so eine Einstellmöglichkeit Standard. Natürlich ist es verboten, eine Rufnummer zu übermitteln, an der man kein Nutzungs­recht hat.

Werden per Nummer andere Identitäten vor­getäuscht, spricht man von Call-ID-Spoofing. Wohin ein Rückruf bei ausländischen Ping-Nummern genau geht, ob oder wie er umgeleitet wird (Routing) und wer wie genau Geld damit macht, versucht die Bundesnetz­agentur zusammen mit Tele­kommunikations­unternehmen und anderen Behörden zu ermitteln.

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Nummern in Internet recherchieren

„Wenn man sich nicht sicher ist, ob das jetzt jemand ist, den man erreichen möchte, dann hilft sicher auch eine kurze Recherche im Internet“, rät Michael Reifenberg allen, die zwischen Misstrauen und Neugierde hin- und hergerissen sind. „Da wird man schon fündig, wenn es zu dieser Nummer haufenweise Beschwerden gibt.“

Bleibt es nicht bei wenigen Anrufen oder Kurz­nachrichten, kann man der Belästigung schnell einen Riegel vorschieben: In der Telefon-App des Smartphones lassen sich Nummern meist direkt blockieren. Und im Menü vieler Router ist es möglich, etwa alle Nummern mit bestimmten Vorwahlen zu sperren. Aber es ist auch wichtig, der Bundesnetz­agentur Missbrauch zu melden - etwa per Online-Formular. „Wir können nur tätig werden, wenn wir Hinweise bekommen, sind insofern auf die Meldungen der Betroffenen angewiesen“, sagt Agentur-Sprecher Reifenberg.

Die Bonner Behörde hat unter Umständen nicht nur die Befugnis, Geschäfts­modelle zu untersagen. Sie kann auch - zumindest inländische Rufnummern abschalten, in Zusammen­arbeit mit den Telefon­anbietern Vermittlungs­verbote für Rufnummern verhängen und für jede Rufnummer ein sogenanntes Verbot der Rechnungs­legung und Inkassierung aussprechen. Das bedeutet, dass mit der jeweiligen Nummer verbundene Forderungen beim Anbieter nicht mehr beglichen werden müssen und von diesem auch nicht eingetrieben werden dürfen.

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Maßnahmenliste der Bundesnetzagentur

Welche Nummern und Zeiträume das sind, erfährt man beim Blick in die Maßnahmen­liste der Bundesnetz­agentur. Betroffene gehen dann folgendermaßen vor: „Man muss seinem Provider sagen: „Ich kürze die Rechnung um folgende Positionen, da für den Abrechnungs­zeitraum von der Bundesnetz­agentur ein entsprechendes Verbot verhängt wurde““, erklärt Reifenberg. „Wenn es ein Verbot nicht oder noch nicht gibt, kann man dennoch versuchen, mit dem Provider in Kontakt zu treten und schauen, ob es da eine gütliche Regelung gibt.“

Bundesnetzagentur will Auszahlung von Geldern an Betrüger stoppen

Dass massenhafte Ping-Calls, die den Rückruf auf teure Mehrwert­dienst­nummer provozieren sollen, Betrug sind, hat etwa das Landgericht Osnabrück schon 2013 in einem vom Bundes­gerichts­hof bestätigten Urteil fest­gestellt (Az.: 3 StR 342/13). In dem Fall hatte eine Bande automatisiert mindestens 785.000 Rufnummern „angepingt“. Mindestens 660.000 Angerufene riefen zurück - ohne zu wissen, dass dabei Kosten von 98 Cent pro Minute entstanden. Die erschlichenen Entgelte in Höhe von mehr als einer halben Million Euro bekam die Bande nie in die Hände, weil die Bundesnetz­agentur eine Auszahlung der Gelder verhinderte.

Falscher Nummernzauber mit Rufnummern seriöser Personen oder Organisationen

Der falsche Nummern­zauber spielt auch eine entscheidende Rolle bei anderen Betrugs­maschen. „Betrüger nutzen das Call-ID-Spoofing, um mit der Rufnummer seriöser Personen oder Organisationen das Vertrauen von Bürger­innen und Bürgern zu gewinnen“, erklärt Harald Schmidt, Geschäfts­führer der Polizeilichen Kriminal­prävention der Länder und des Bundes in Stuttgart.

Gern geben sich die Anrufer als Staats­anwälte, Rechts­anwälte, Verbraucher­schützer oder Mitarbeiter bekannter Unternehmen aus. Mit den absurdesten Geschichten und viel Geschick versuchen sie, die Angerufenen zu ängstigen oder einzuschüchtern - alles mit dem Ziel, an Geld, Wertsachen, Zahlungs­informationen oder andere sensible Daten wie PIN, TAN oder Passwörter zu kommen.

Anstieg bei „falschen Polizeibeamten“

„Derzeit ist beispiels­weise die Betrugs­masche „falscher Polizei­beamter“ sehr verbreitet“, sagt Schmidt. Dabei erscheint die die Not­ruf­nummer 110 im Display, die offiziell niemals als ausgehende Nummer verwendet wird. Oder die Nummer einer örtlichen Polizei­dienst­stelle oder die des Bundes­kriminal­amtes. „So missbrauchen die Täter auf perfide Weise das Vertrauen ihrer zumeist älteren Opfer in staatliche Organe“, erklärt Schmidt. Das Risiko ist groß: Manche Menschen wurden so bereits um ihre gesamten Ersparnisse gebracht.

Den Opfern wird etwa vor­gegaukelt, dass ihr Geld wegen drohender Einbrüche daheim nicht mehr sicher sei. Oder sie angeblich Falschgeld unterschoben bekommen hätten. Teils spielen die Betrüger ihre Rolle so überzeugend, dass Opfer schon an ihrer Haustüre Wertsachen an Komplizen, die sich auch als Polizisten ausgeben, übergeben haben.

Bei der Spoofing-Betrugs­masche „falscher Polizei­beamter“ ist ein starker Anstieg der Fälle zu verzeichnen, sagt Präventions­experte Schmidt. Wurden etwa 2014 in Baden-Württemberg erst 84 Fälle mit einem Vermögenss­chaden von 200.000 Euro angezeigt, waren es zwei Jahre später schon 225 Fälle mit einer Beute im Wert von weit mehr als zwei Millionen Euro. Eine bundesweite Statistik gebe es nicht.

Wer nach einem verdächtigen Anruf unsicher ist, sollte sich ans örtliche Polizei­revier wenden oder selbst die 110 wählen. Dabei sollte man aber keine Rückruf­funktion des Telefons nutzen, weil man dann möglicher­weise wieder bei den Betrügern landet. Grund­sätzlich gilt: „Geben Sie am Telefon keine Auskunft über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse oder andere sensible Daten, zum Beispiel die Kontonummer“, warnt Harald Schmidt. „Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, legen Sie einfach auf, insbesondere, wenn Ihr Gesprächsp­artner Geld von Ihnen fordert.“ Wer bereits Betrugs­opfer geworden ist, sollte beim örtlichen Revier Anzeige erstatten.

Betrüger wollen an PC wegen Schadsoftware

Regelmäßig geben sich Betrüger am Telefon auch als Techniker von Microsoft, Apple oder eines Internet-Providers aus. Sie versuchen, dem Angerufenen einzureden, es gebe ein ernstes Rechner-Problem. Oder sie hätten den Auftrag, Schadsoft­ware zu entfernen. Dabei haben sie genau das Gegenteil im Sinn, warnt etwa die Polizei Nieder­sachsen. Man wird gedrängt, eine Software herunterladen und zu installieren. Spätestens hier sollte man direkt auflegen, weil sonst die Kriminellen den Rechner übernehmen und tatsächlich Schadsoft­ware installieren. Anschließend soll man dann für angebliche Dienst­leistungen bezahlen oder wird erpresst.

Aber auch hier gilt: Misstrauisch sein, keine Kunden- und Zugangsd­aten sowie Kredit­karten-, Konto- oder andere Zahlungs­informationen am Telefon preisgeben, und im Zweifel sofort auflegen. Haben die falschen Techniker Daten erbeutet oder den Rechner gekapert, sollten Betroffene Anzeige erstatten.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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