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Verbraucherrecht | 20.08.2021

E-Autos

Brandbomben oder überhitzte Debatte: Brandgefahr E-Auto?

Elektro­autos brennen weder häufiger noch schneller als Benziner oder Diesel

E-Autos stehen im Ruf, schneller zu brennen. Sogar aus Tiefgaragen wurden sie schon verbannt. Was sagen Feuerwehr und Unfall­forscher dazu - und zu welchen Ergebnissen kommen Crashtests?

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Lichterloh brennende E-Autos machen auf Fotos und Videos im Internet regelmäßig die Runde. Gefolgt von Kommentaren, dass Stromautos besonders schnell brennen würden und sich derartige Batterie­brände nicht so einfach löschen ließen. Das Thema kocht immer wieder hoch. Mindestens eine Kommune ging sogar so weit, Parkhäuser und Tiefgaragen für E-Autos zu sperren. Was ist dran an der Sache?

Keine höhere Brandgefahr bei E-Autos

„Tatsache ist, dass nach unseren Erkenntnissen von E-Autos keine höhere Brandgefahr ausgeht als von konventionell angetriebenen Autos“, sagt Dekra-Unfall­forscher Markus Egelhaaf. Auch der Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirtschaft (GDV) kann aus seiner Statistik kein höheres Brandrisiko für Stromer ableiten.

Die Ursachen für einen Brand sind unterschiedlich

Brennen können natürlich aber auch E-Autos. Im Unterschied zu einem Diesel oder Benziner, bei dem die Brandgefahr beispiels­weise von ausgetretenem Kraftstoff oder heißen Ober­flächen des Abgas­systems ausgehen kann, stehen bei einem E-Auto eben andere Bereiche im Fokus.

„Ursachen können hier zum Beispiel geschädigte Batterie­zellen oder Defekte im Batterie­management­system sein“, sagt Egelhaaf.

Unterschieden werden müsse zudem, aus welchen Situationen heraus ein Brand entstehe. „Bei Unfallfolge­bränden beispiels­weise gibt es aus unserer Erfahrung keinen Unterschied im Risiko zwischen E-Autos und Verbrennern“, sagt Egelhaaf.

Auch die Feuerwehr stuft Fahrzeug­brände an E-Autos nicht als risikoreicher ein. „Das Löschen eines Stromers gestaltet sich unter Umständen etwas schwieriger als die Brand­bekämpfung von herkömmlichen Kraft­fahrzeugen, aber nicht komplexer oder gefahr­bringender als etwa ein Brand eines gas­betriebenen Kfz“, sagt Peter Bachmeier, Leitender Brand­direktor vom Deutschen Feuerwehr­verband (DFV).

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Löschen ist immer riskant

Das Löschen eines Fahrzeug­brandes in einer Garage sei immer mit erheblichen Gefahren und Risiken verbunden, das aber gelte für Fahrzeuge aller Antriebs­klassen. Schwieriger ist das Löschen eines E-Autos, weil ein Batterie­brand vor allem mit viel Wasser bekämpft wird, mit dem die Speicher­zellen herunter­gekühlt werden. Weil die großen Batterie­pakete aber bei den meisten Fahrzeugen gut geschützt im Unterboden verbaut sind, geht es für die Einsatz­kräfte vor allem darum, das Lösch­wasser dort schnell hinzubekommen.

Renault hat hierfür im Akku des Zoe einen Fireman Access eingebaut, eine Art Einfüll­stutzen für Lösch­wasser. Ein Ansatz, den die Feuerwehr grund­sätzlich begrüßt. „Für uns nicht zielführend ist allerdings, wenn je nach Fahrzeug­hersteller oder gar Fahrzeugtyp eigene Lösungen gefunden werden“, sagt Bachmeier. Denn dann müsste die Feuerwehr im Einsatz beispiels­weise bei Auffahr­unfällen auf der Autobahn erst suchen, wo sich welches Auto mit welchem Lösch­system befinde. Das Ziel müssten daher einheitliche und automatisch auslösende Schutz­systeme sein.

Im Extremfall geht der Stromer auf Tauchstation

Zum Einsatz kommen derzeit verschiedene Methoden, um das Lösch­wasser schnell an die Batterie­zellen zu bringen. „Versuche wurden auch mit einer speziell für Elektro­fahrzeuge entwickelten Löschlanze gemacht, mit der das Batterie­gehäuse durch­stochen und anschließend Wasser eingebracht wird“, erklärt Egelhaaf. Das komplette Versenken eines Stromers bis zur Oberkante der Batterie wird Dekra zufolge nur in Ausnahme­fällen empfohlen. Etwa wenn anders kein Lösch­erfolg erzielt werden kann oder ein Wieder­entzünden wahrscheinlich ist.

Befindet sich ein brennendes E-Auto in einer Garage, sieht der Leitfaden der Feuerwehren vor, die Batterie vor Ort herunter­zukühlen und den Wagen dann gegebenenfalls ins Freie zu ziehen. Die Brand­intensität eines Autos hängt grund­sätzlich weniger mit der Antriebsart zusammen als mit den verbauten Materialien, vor allem den Kunst­stoffen. Bei der Verbrennung sorgen die für viel Rauch und toxische Gase.

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Crashtests untersuchen die Brandgefahr bei E-Autos

Dass ein Elektroauto nach einem Unfall Feuer fängt, ist höchst unwahrscheinlich. Bei Crashtests schneiden E-Autos dem ADAC zufolge häufig sogar besser ab. Auch die Dekra-Unfall­forschung kam bei mehreren gemeinsam mit der Universitäts­medizin Göttingen durchgeführten Crashtests zu einem ähnlichen Ergebnis.

„Bei keinem der vier extremen Tests, die wir durch­geführt haben, kam es zu einem Brand. In allen Fällen wurde das Hochvolt-System außerdem automatisch abgeschaltet“, so Egelhaaf. Dieser Schutz­mechanismus soll verhindern, dass der Strom aus der Batterie nach einer schweren Kollision zu einem Brand oder zu einer elektrischen Gefährdung führt.

Finger weg vom Hochvoltsystem

Sinnvoll ist es für Autofahrer in jedem Fall, einen Feuer­löscher an Bord zu haben - egal, ob sie einen Verbrenner oder Stromer fahren. „Mit einem kleineren Hand­löscher ist es immer möglich, einen Entstehungs­brand im 12-Volt-Bordnetz zu bekämpfen“, sagt Egelhaaf.

Daneben gilt, dass Autofahrer nie selbst an den mit der Farbe Orange ge­kennzeichneten Komponenten des Hochvolt-Systems eines E-Autos Hand anlegen dürfen. Zudem sollten E-Autofahrer immer darauf achten, ihr Fahrzeug mit intakten Ladekabeln an einem geeigneten Netz aufzuladen.

„Unsachgemäß reparierte oder defekte Ladekabel können ebenso zu Bränden führen wie das Laden an nicht ausreichend dimensionierten gebäude­seitigen Strom­installationen“, warnt Egelhaaf.

Die in unseren Breiten üblichen, auch extremeren Temperaturen hingegen seien kein Problem für Elektro­fahrzeuge, da die Batterie­pakete gut abgeschirmt und darauf ausgelegt seien.

Aussperren von E-Autos aus Parkhäusern und Tiefgaragen unverhältnismäßig

Unterm Strich sind sich Experten von ADAC über Dekra bis hin zu den Feuerwehren einig, dass das Aussperren von E-Autos aus Parkhäusern und Tiefgaragen unverhältnismäßig ist. Gleichwohl könnten Kommunen, die zu diesem Mittel greifen, damit auch juristisch durchkommen.

„Sollten sachliche Gründe vorliegen, könnte diese Ungleich­behandlung dem Gleich­behandlungs­grundsatz aus Artikel 3 des Grund­gesetzes standhalten“, sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrs­recht aus Neuss. Ein solcher sachlicher Grund könnte sein, dass ein Brand schwerer gelöscht werden kann, was wiederum eine erhöhte Gefahr für das betreffende Gebäude bedeutet.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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