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Arbeitsrecht | 09.11.2020

Krank­meldung

Das Einmaleins der Krank­meldung

Diese Pflichten haben Beschäftigte gegenüber ihrem Arbeitgeber

Ohoh. Der Hals kratzt. Und der Kopf ist dicht. Da geht nichts mehr. Wer krank ist, kann nicht zur Arbeit kommen.

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Das Thema Krankheit hat 2020 eine ganz neue Bedeutung bekommen. Die Grundregeln der Krank­schreibung aber bleiben auch in einer Pandemie bestehen. Antworten auf folgende Fragen sollten also alle Beschäftigten kennen.

Wie schnell muss man im Krankheitsfall den Arbeitgeber informieren?

„Unverzüglich“, sagt Regine Windirsch, Fach­anwältin für Arbeits- und Sozialrecht in Düsseldorf. Unverzüglich bedeutet: Spätestens zu Arbeits­beginn am nächsten Arbeitstag.

Wer konkret muss beim Arbeitgeber informiert werden?

Entweder der oder die Vorgesetzte direkt oder eine vom Arbeitgeber bestimmte Person, zum Beispiel die Abteilungs­leiterin. Auch eine vom Arbeitgeber bestimmte Stelle, etwa die Personal­abteilung, ist in manchen Unternehmen die richtige Anlauf­stelle. „Eine Meldung an den Betriebsrat oder an die Kollegen ist nicht ausreichend“, stellt Daniel Stach, Rechts­assessor und Gewerkschafts­sekretär bei der Verdi Bundes­verwaltung in Berlin, klar. Kollegen können den Arbeitgeber wohl aber informieren, dass ein Beschäftigter erkrankt ist und nicht zur Arbeit kommt. Gleiches gilt für Familien­angehörige.

Geht eine Krankmeldung per Telefon, per Mail oder per SMS?

„Ja, das geht“, erklärt Windirsch. Wer die Krank­meldung telefonisch durchgibt, lässt im Idealfall den Partner oder eine andere nahe stehende Person zuhören. So kann der oder die Kranke im Zweifels­fall beweisen, dass der Anruf tatsächlich erfolgt ist. „Diejenigen, die eine Mail schicken, rufen am besten noch einmal an, um sicher zu sein, dass die Mail auch angekommen ist“, so Windirsch. Gleiches gilt für eine Krank­meldung via SMS. „Vorsicht ist geboten bei einer Krank­meldung etwa über Whatsapp oder Telegramm“, sagt Stach. Denn auch hier gilt: Arbeit­nehmer tragen das Risiko einer fehler­haften Datenüberm­ittlung selbst.

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Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, welche Krankheit ich habe?

Nein. „Es gilt der Grundsatz, dass Art und Ursache der Krankheit Privatsache sind“, sagt Stach. Es gilt jedoch: „In Ausnahmen kann eine Pflicht zur Mitteilung bestehen“, erklärt Windirsch. Das ist bei ansteckenden Erkrankungen wie etwa Masern, Mumps, Hepatitis B oder Influenza der Fall, bei denen der Arbeitgeber Maßnahmen zum Schutz der Belegschaft treffen muss. „Bei der Frage, ob der Arbeitgeber über die Krankheit informiert werden muss oder nicht, können Arbeit­nehmer ihren Hausarzt oder das zuständige Gesundheits­amt zurate ziehen“, erklärt Stach.

Was gilt in Sachen Corona?

Gegenüber dem Arbeitgeber besteht immer dann eine Anzeige­pflicht, wenn ein Infektions­risiko für Kollegen besteht. Das ist auch bei Covid-19 der Fall. „War der betroffene Beschäftigte während der Erkrankung zum Beispiel im Homeoffice und hatte daher keinen Kontakt mit weiteren Beschäftigten, muss die Art der Erkrankung auch nicht gegenüber dem Arbeitgeber angezeigt werden“, so Gewerkschafter Stach.

Ab wann muss ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen?

„Eine ärztliche Krank­schreibung muss spätestens am vierten Tag der Arbeits­unfähigkeit beim Arbeitgeber vorliegen“, sagt Windirsch. Wochenenden und Feiertage zählen dabei mit zur Frist. Es reicht, die Bescheinigung einzu­scannen und zu mailen.

„Der Arbeitgeber hat allerdings ein Recht auf das Original“, so Windirsch. Das kann ihm dann zu einem späteren Zeitpunkt übermittelt werden. Der Arbeitgeber kann die Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung allerdings auch früher verlangen, und zwar schon ab dem ersten Tag der Krank­meldung. Besonderheiten können laut Stach in einem Tarif­vertrag, in einer Betriebs- oder Dienst­vereinbarung oder arbeits­vertraglich geregelt sein.

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Darf man eigentlich während der Arbeitszeit zum Arzt?

„Ja, das darf man“, erklärt Windirsch. Das gilt vor allem dann, wenn man während der Arbeitszeit erkrankt. Die plötzlich eingetretene Arbeits­unfähigkeit und der Arztbesuch sind dem Arbeitgeber unbedingt vorher mitzuteilen. „Sonst drohen arbeits­rechtliche Konsequenzen“, sagt Stach. Eine Erlaubnis des Arbeit­gebers ist in diesem Fall jedoch nicht erforderlich.

Darf ich zur Arbeit, obwohl ich noch krankgeschrieben ist

Im Prinzip ja. Denn mit der Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung prognostiziert der Arzt die voraus­sichtliche Dauer der Arbeits­unfähigkeit. „Ein Tätigkeits- oder Beschäftigungs­verbot ist damit aber nicht verbunden“, stellt Stach klar. Auch der Versicherungs­schutz wird hierdurch nicht berührt. Der Arbeitgeber sollte jedoch vorab informiert werden. Bei Erkältungen oder anderen ansteckenden Krankheiten gilt, dass die Beschäftigten erst dann an ihren Arbeits­platz zurück­kehren sollen, wenn keine Ansteckungs­gefahr mehr besteht.

Und was gilt hier mit Blick auf Corona?

Die zuständige Behörde kann ein berufliches Tätigkeits­verbot nach dem Infektions­schutz­gesetz aussprechen. „Dann ist es Beschäftigten verboten, auch bei guter körperlicher Verfassung vorzeitig an ihren Arbeits­platz zurückzukehren“, so Windirsch. Aber: „Sollte die Behörde eine Quarantäne anordnen, können Beschäftigte unter Umständen im Homeoffice arbeiten, sobald sie sich wieder arbeits­fähig fühlen“, erklärt Stach.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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