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Arbeitsrecht und Familienrecht | 15.01.2021

Kinder­kranken­tage

Das bedeutet die Aufstockung der Kinder­kranken­tage in der Praxis

Antworten auf wichtige Fragen

Um berufstätige Eltern zu entlasten, bringt die Bundes­regierung eine Aufstockung der Kinder­kranken­tage auf den Weg. Was bedeutet das konkret für Eltern?

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Geschlossene Kitas und Schulen stellen berufstätige Eltern vor eine große Heraus­forderung: Wie soll man gleich­zeitig arbeiten und Kinder betreuen? Helfen soll nun eine Verdopplung der sogenannten Kinder­kranken­tage. Wie das genau funktionieren soll, hatte bei Eltern zuletzt viele Fragen aufgeworfen. Was sie jetzt wissen müssen:

Was sind Kinderkrankentage eigentlich?

Bei Kindern unter zwölf Jahren im eigenen Haushalt haben berufstätige Eltern oder Allein­erziehende Anspruch darauf, für die Pflege ihres kranken Kindes freigestellt zu werden. Arbeit­nehmerinnen und Arbeit­nehmer, die gesetzlich kranken­versichert sind und Anspruch auf Krankengeld haben, erhalten in diesem Fall als Lohnersatz ein sogenanntes Kinder­kranken­geld von ihrer Kranken­versicherung. So steht es im Paragraf 45 Sozial­gesetz­buch Buch V. Oft spricht man auch von „Kind-Krank-Tagen“ oder Kinder­kranken­tagen.

Was ist jetzt neu?

Die Gesetzes­änderung sieht vor, dass berufstätige Eltern Kinder­kranken­tage in 2021 auch dann in Anspruch nehmen können, wenn ihr Kind nicht krank ist. Vielmehr ist das nun möglich, wenn zur Eindämmung des Coronavirus die Betreuungs­einrichtung oder Schule schließt, wenn Schulferien verlängert werden, wenn die Präsenz­pflicht ausgesetzt wird oder auch nur empfohlen wird, die Kinder zu Hause zu betreuen.

Das müssen Eltern bei der Kranken­kasse nachweisen. Die Kranken­kasse kann hierzu die Vorlage einer Bescheinigung der jeweiligen Einrichtung oder der Schule verlangen. Üblicherweise müssen Eltern ein ärztliches Attest vorlegen, wenn sie sich kinderkrank melden. Das ist nun nicht mehr nötig, da das Kind ja nicht krank ist.

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Was bedeutet „Aufstockung“ der Kinderkrankentage?

Üblicherweise haben Eltern für 10 Tage im Jahr Anspruch auf Kinder­kranken­geld. Der Anspruch von 10 Tagen besteht pro Elternteil und Kind. Er wird jetzt aufgestockt, so dass jedes gesetzlich versicherte Elternteil im Jahr 2021 pro Kind insgesamt 20 statt 10 Tage Kinder­kranken­geld beantragen kann, insgesamt bei mehreren Kindern maximal 45 Tage. Für Allein­erziehende erhöht sich der Anspruch um 20 auf 40 Tage pro Kind, maximal bei mehreren Kindern auf 90 Tage.

Wer hat Anspruch?

Die Aufstockung der Kinder­kranken­tage gilt für gesetzlich Versicherte, berufstätige Eltern, die selbst Anspruch auf Krankengeld haben und deren Kind bis unter 12 Jahre alt ist. Bei Kindern, die eine Behinderung haben, auch über das 12. Lebensjahr hinaus.

Voraussetzung ist außerdem, dass es im Haushalt keine andere Person gibt, die das Kind betreuen kann. Der Anspruch soll auch für Eltern bestehen, die im Homeoffice arbeiten.

Wer privat kranken­versichert ist, muss dagegen den Anspruch auf Entschädigungs­zahlungen nach Paragraf 56 des Infektions­schutz­gesetzes (IfSG) geltend machen.

Darf der komplette Anspruch für die Schul- oder Kitaschließungen verwendet werden?

Ja. Ihren gesamten Anspruch können berufstätige Eltern laut Bundes­regierung auch für die Kinder­betreuung wegen geschlossener Kitas und Schulen einsetzen - sofern eine entsprechende Bescheinigung der Betreuungs­einrichtung vorliegt.

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Wie sieht die Bescheinigung aus?

An den Details dazu arbeiten die Kranken­kassen noch. Es soll aber ein entsprechendes Muster­formular geben, durch das Eltern die fehlenden Betreuungs­möglichkeiten nachweisen können, heißt es etwa auf der Homepage der Barmer und der DAK Kranken­kasse. Auch Familien­ministerin Giffey kündigte in Berlin an, dass eine einfache Muster­bescheinigung erarbeitet würde, die Kitas und Schulen zur Verfügung gestellt werden soll, damit Eltern die Krankentage unbürokratisch bei ihrer Kranken­kasse beantragen können.

Wer das Kinder­kranken­geld beantragt, weil sein Kind krank ist, muss nach wie vor ein ärztliches Attest einreichen, das die Notwendigkeit einer Versorgung bestätigt.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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