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Verkehrsrecht und Versicherungsrecht | 03.01.2019

Verleih des Autos

Das eigene Auto ohne Risiko verleihen: Was zu beachten ist

Vor der Schlüssel­übergabe sollten Fahrzeug­halter und Fahrer mittels eines Vertrages für Klarheit und Fairness sorgen

Wird aus „Kann ich mir mal eben dein Auto leihen?“ mehr als ein Freundschafts­dienst, kann das vor allem für den Halter ärgerlich werden. Ein Vertrag vorab soll für mehr Klarheit und Fairness sorgen, wenn es etwa zum Unfall kommt.

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Dem Kumpel mal das Auto leihen, weil ein Umzug ansteht, alte Möbel entsorgt werden müssen oder das eigene Auto gerade in der Werkstatt ist? Das ist für viele keine große Sache. Es kann aber zu Problemen und womöglich sogar zum Ende lang­jähriger Freund­schaften führen. Experten sind sich einig, dass konkrete Absprachen und sogar ein Vertrag vorab nicht schaden.

Vertrag schützt vor Ärger

„Die Vereinbarung sollte klarstellen, dass der Fahrer das Fahrzeug auf eigene Gefahr nutzt“, so Herbert Engelmohr, Sprecher des Automobil­clubs von Deutschland (AvD). Er rät außerdem dazu, konkrete Absprachen darüber zu treffen, wer bei Schäden die Kosten für die Reparatur trägt. Das ist gerade dann sinnvoll, wenn der Freund einen Unfall verursacht und nur eine Teilkasko­versicherung besteht, die zwar den Fremd­schaden, aber nicht den Schaden am eigenen Fahrzeug deckt. Aber auch bei einer Voll­kasko­versicherung müsse man sich einigen, wer die Selbst­beteiligung zahlt.

Den Versicherer informieren

Ist der Freund an dem Unfall schuld, wird in der Regel zudem der Versicherungs­tarif teurer. Laut Mathias Zunk vom Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirtschaft (GDV) sollte auch dieses Szenario mit in den Vertrag: „Es sollte geregelt sein, wie im Falle eines Unfalls mit einer Hochstufung des Schadens­freiheits­rabatts umgegangen wird.“ Außerdem meint der Experte: „Wer sein Auto privat verleiht, sollte seinen Kfz-Versicherer darüber informieren und besprechen, ob der bestehende Vertrag das zulässt.“ Denn häufig sei der Nutzerkreis, ein Baustein der Tarifhöhe, vertraglich eingeschränkt. Es gibt Verträge, nach denen zum Beispiel nur eine Person fahren darf, nur Personen ab 21 Jahren oder lediglich Familien­angehörige.

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Die Vollkaskoversicherung könnte teurer werden

Die Haftpflicht zahlt zwar immer und trotz eines Verstoßes, aber es kann dennoch teurer werden. „Laut Vertrags­recht kann der Versicherer auch rückwirkend für die laufende Versicherungs­periode den erhöhten Tarif einfordern sowie künftig veranschlagen. Es wird also zurück­verlangt und neu kalkuliert“, so Christian Weishuber, Sprecher der Allianz Versicherung. Bei schweren und vorsätzlichen Ver­fehlungen sei sogar eine ganze Jahres­prämie als Straf­zahlung möglich.

Es könne jedoch eine gewisse Kulanz geben: „Wir sehen uns den Einzelfall an. Geschieht der Fahrer­tausch zum Beispiel, weil der ursprüng­liche Fahrer alkohol­bedingt nicht mehr fahren konnte, passiert in der Regel gar nichts.“ Bei einer gewissen Regel­mäßigkeit werde jedoch der Beitrag angepasst. Jana Hanisch vom Deutschen Anwalt­verein (DAV) ergänzt im Hinblick auf vorherige Absprachen zwischen dem Fahrzeug­halter und dem Freund, der das Auto ausleiht: „Der Inhalt eines Vertrages sollte die Frage klären, wie lange der Freund das Fahrzeug nutzen darf und wer die laufenden Kosten trägt.“

Wichtig vor Schlüsselübergabe

Die Rechtsanwältin rät, sich den Führer­schein des Freundes im Original zeigen zu lassen. Sinnvoll sei auch, eine Vereinbarung zu treffen, wie viele Kilometer gefahren werden dürfen, ob der Wagen ins Ausland und der Freund das Auto an weitere Fahrer geben darf. Er bekommt dann die Zulassungs­papiere Teil I und man zeigt ihm, wo Warndreieck und Verbands­kasten stecken. Der Entleiher sollte sich vor der Fahrt mit den Funktionen und Eigenheiten des Autos vertraut machen. Diesel oder Benziner? Wie funktionieren Licht und Scheiben­wischer?

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Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung

Damit es zum Streit kommt, muss nicht unbedingt ein Unfall passieren. Verstöße gegen die Straßen­verkehrs­ordnung können ebenfalls Diskussions­bedarf auslösen. Was also geschieht, wenn der Kumpel zu schnell fährt, den vorgeschriebenen Sicherheits­abstand missachtet oder gar eine rote Ampel überfährt und geblitzt wird? „Zunächst wird der Halter angeschrieben“, erklärt Rechtsanwältin Jana Hanisch. „Meist führt die Behörde auch einen Abgleich des Fotos des Fahrers mit den gespeicherten Daten des Halters durch.“ Wird fest­gestellt, dass beide nicht identisch sein können, könne nur weiterer mittelt werden. „Im Normalfall wird das Verfahren gegen den Halter eingestellt“, so Rechtsanwältin Jana Hanisch.

„Grund­sätzlich können Bußgelder nur demjenigen gegenüber verhängt werden, der das Fahrzeug selbst gefahren ist“, bestätigt auch Herbert Engelmohr. Er weist gleich­zeitig auf eine Ausnahme hin: den ruhenden Verkehr. Bekommt der Freund ein Knöllchen wegen Falsch­parkens, wird der Halter angeschrieben und muss zahlen, auch wenn er nichts dafür kann. „Die Bußgeld­behörde kann dem Halter eine Gebühr von 25 Euro auferlegen, wenn der konkrete Fahrer nicht ermittelt werden kann“, so Herbert Engelmohr. Dann hat man als Halter nur die Möglichkeit, sich das Geld privat vom Entleiher zu holen.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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