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Datenschutzrecht | 14.09.2016

Datenschutz

Datenschutz: Risiken und Chancen von Gesundheits-Apps und Fitness­armbändern

Qualitäts- und Sicherheits­standards für Patienten, Ärzte und Hersteller stehen noch aus

Gesundheits-Apps oder Fitness­armbänder können Anreiz bieten, sich mehr zu bewegen, gesünder zu ernähren oder einfach seine Medikamente regelmäßig zu nehmen. Doch noch sind viele Fragen zu klären - vor allem beim Datenschutz.

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Es gibt mehr als 100 000 Gesundheits-Apps. Die Gesundheits­politik erwartet sich einiges von den Mini­computern. Allerdings stünden klare Qualitäts- und Sicherheits­standards für Patienten, Ärzte und Hersteller noch aus, sagt die Regierung. Es muss klar sein, wer welche Daten aus dem Mini­computer bekommen darf und wer nicht. Patienten müssen jederzeit die volle Souveränität über ihre Daten haben. Sie entscheiden, was mit ihren Daten passiert, sagte die Grünen-Gesundheits­politikerin Maria Klein-Schmeink.

Wird der Datenschutz von solchen Apps eingehalten?

Häufig nicht, sagt Gesundheits­minister Hermann Gröhe (CDU). Bei Datenschutz­erklärung und Einwilligung der Nutzer fehlt es oft an Transparenz. Und wenn Daten im Ausland gespeichert werden, ist die Nutzung nicht dem deutschen Datenschutz­recht unterworfen - Stichwort: Google und Co

Bieten Krankenkassen mehr Datenschutz als Google und Co.?

„Absolut! Hier ist der Umstand, dass die Kranken­kassen als Körper­schaften öffentlichen Rechts stark reguliert sind, mal ein Vorteil“, sagte der Chef der Techniker Kranken­kasse (TK), Jens Baas. „Und wir unterliegen dem deutschen Datenschutz­recht, das zu den strengsten der Welt gehört. In den USA sieht das ganz anders aus. Außerdem arbeiten wir nicht gewinnorientiert.“

Geben Versicherte ihre Daten an Krankenkassen weiter?

Nach einer Umfrage des Branchen­verbandes Bitkom würde ein Drittel der befragten Nutzer ihre Gesundheits­daten an Kranken­kassen weiter geben, etwa um im Gegenzug Vorteile zu erhalten. Allerdings sehen nach einer anderen Studie im Auftrag des Justiz­ministeriums 39 Prozent der Befragten in der Nutzung ihrer Daten durch Dritte ein Problem. In der Tat könnte auf diesem Wege unter anderem eine Risiko­bewertung der Versicherten durch die Kranken­versicherung vorgenommen werden und damit über eine Aufnahme oder Ablehnung entschieden werden.

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Gewähren Krankenkassen Vorteile?

Als eine der ersten gesetzlichen Kranken­kassen denkt die TK darüber nach, die Nutzung von Fitness­armbändern zur gesundheitlichen Förderung in ihr Bonus­programm zu integrieren. Allerdings stellte TK-Chef Baas klar, die Teilnahme sei freiwillig. „Mit Risiko­bewertung hat das nichts zu tun.“ Anders als die private nehme die gesetzliche Kranken­versicherung keine Risiko­prüfung oder -bewertung ihrer Versicherten vor. „Jeder wird ohne Ansehen seiner Person versichert.“

Gibt es Vorbehalte der Versicherer gegen Fitnessarmbänder?

Ja, sowohl bei gesetzlichen wie bei privaten. Die Allianz argumentiert, die Versicherten­gruppen der Bewegungs­freudigen sei zu klein. Die messbare Beitragser­sparnis durch Fitnessapps läge im Promille­bereich.

Die DKV Deutsche Kranken­versicherung aus der Ergo Gruppe meint, die Menschen sähen mehrheitlich keinen Nutzen im Gebrauch der heutigen Wearables. In ihrem jüngsten Report gaben gut 6 Prozent der Befragten an, ein Fitness­armband zu besitzen. 3 von 10 Besitzern benutzen es aber nicht mehr, weitere 16 Prozent haben es noch nie genutzt. Damit verwendet nur gut die Hälfte der Besitzer die Fitness­armbänder tatsächlich.

Den Menschen sei die Nutzung zu anstrengend (19 Prozent) oder gehe ihnen auf die Nerven (18 Prozent). 15 Prozent fühlen sich vom Armband nicht motiviert, 15 Prozent finden es überflüssig, zwölf Prozent langweilt es. Interessant könnten die Geräte für Menschen sein, denen der Arzt etwa die Über­wachung bestimmter Körper­funktionen empfohlen hat oder die an einer chronischen Erkrankung leiden. Voraussetzung sei aber, dass das Wearable medizinisch korrekte Messungen liefere.

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Sind solche Gesundheits-Apps eigentlich verlässlich?

Die Ungenauig­keiten bei der Anzeige von Puls, Bewegung, Kalorien­verbrennung oder Ähnlichem sind immer noch sehr groß. Klein-Schmeink warnt, durch Fehl­funktionen oder -informationen kann es - im Gegensatz zur eigentlichen Absicht - zu gesundheitsge­fährdendem Verhalten kommen. Auch tauche der Begriff der „Cyber­chondrie“ immer häufiger auf. Zunehmende Selbst-Vermessung oder falsche Krankheits­informationen aus dem Internet können Krankheits­ängste so weit schüren, „dass sie sich zu einer manifesten Hypo­chondrie auswachsen“. Es gibt heute etliche Tests, die die Genauigkeit von Fitness­armbändern und Apps überprüft haben.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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