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Bauplanungsrecht, Baurecht und Mietrecht | 09.05.2019

Farbige Fassaden

Der Traum vom himmel­blauen Häuschen: Was Eigentümer wissen müssen

Wer Farbe will, muss etliche Vorgaben beachten

Durch farbenfrohe Gassen bummeln, macht im Urlaub richtig Spaß. Wer südliches Flair auf die heimische Hausfassade bringen will, hat vielerorts schlechte Karten.

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Frühlings­grün, Sonnengelb oder Schweinchen­rosa: Ein farbiger Anstrich würde so manche Hausfassade aufpeppen. Trotzdem sind bunte Häuser selten. Den Eigentümern fehlt es nicht an Kreativität. Mit den üblichen Weiß- und Grautönen gehen sie auf Nummer sicher. Denn wer Farbe will, muss etliche Vorgaben beachten - diese reichen vom Bau­gesetzbuch über kommunale Gestaltungs­satzungen bis zum Bauträger­vertrag. „Darin wird möglicher­weise schon eine Farbpalette angegeben“, erläutert Andrea Blömer, Beraterin des Verbands Privater Bauherren (VPB) im Regional­büro Iserlohn.

Entscheidung zur Farbwahl frühzeitig treffen

Aus der vorgegebenen Palette können angehende Eigentümer auswählen. Manche Farben sind gegen Aufpreis möglich. Ähnliches gilt für Fenster­rahmen und Fenster­bänke. Andrea Blömer: „Gucken Sie, ob der Standard weiß ist und welcher Mehrpreis auf einen zukommt“. Bauherren sollten ihre Entscheidung frühzeitig treffen, weil die Farbwahl die Unter­grund­konstruktion der Außenwand beeinflussen kann. Dieser Aspekt sei besonders bei dunklen Tönen wichtig, damit die gepinselte Fläche möglichst lange rissfrei und ansehnlich bleibe.

Maßgabe lautet „keine Verschandelung“ von Straßen- und Ortsbild

Bauträger wie Architekten achten auf ein harmonisch wirkendes Gesamtbild des Hauses, das sich in die Umgebung einfügt. Das verlangen die Muster- und die Landes-Bau­ordnungen. Davon gibt es zwar 16 verschiedene, aber alle kennen die Maßgabe „keine Verschandelung“ von Straßen- und Ortsbild. Diese Regel bezieht sich auf die Farbe, aber auch auf das Material von Fassaden, erläutert Barbara Christiane Schlesinger von der Bundes­architekten­kammer (BAK). Beispiele typischer Optiken sind die roten Klinker­wände in Nord­deutschland, heller Rauputz weiter südlich oder Holz in der Alpenregion. Dort könnte ein ziegelroter Holzbau deplatziert wirken. Ganz anders als in Skandinavien, wo rote Hütten teilweise ganze Land­schaften prägen.

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Vorgaben in der Gestaltungssatzung setzen Grenzen

Vielerorts bestimmen Kommunen in einer Gestaltungs­satzung Details zu Werkstoffen und Farben. Diese Vorgaben gelten ausschließlich in dieser Gemeinde. „Im Nachbarort kann etwas ganz anderes erlaubt sein“, erläutert Wolfgang Szubin, Architekt und Präsidiums­mitglied im Verband Wohn­eigentum. Manchmal spiegeln auch Bebauungs­pläne die örtlichen Gepflogenheiten wieder. Wolfgang Szubin vor dem Maler­auftrag die Gestaltungs­satzung und den Bebauungs­plan zu lesen.

Der Traum vom himmel­blauen Häuschen hat sich dann womöglich schnell erledigt. Im schlimmsten Fall erspart dies teures Über­tünchen. Bei alten Häusern sind eventuell Auflagen des Denkmal­schutzes zu beachten. Wolfgang Szubin rät: Klären, wo das Objekt steht und erst dann loslegen. Hilfreich sei, die Farbwahl mit dem Maler zu besprechen.

Farbkonzept für WEG: „Ein bisschen unauffällig“

In großen Wohnanlagen herrschen Weiß und Grau vor, ältere Blöcke präsentieren sich ab und zu noch in Beige-braun. „Depressiv“, nennt das der Rosenheimer Haus­verwalter Martin Metzger spöttisch. Er ist Vorstands­mitglied des Bundesfach­verbands der Immobilien­verwalter (BVI) und kann persönlich bunten Fassaden viel abgewinnen.

Beruflich orientiert sich der Rosenheimer Haus­verwalter Martin Metzger an dem, was er als „ein bisschen unauffällig“ bezeichnet. Das sind die Klassiker oder eben die Farbe, die die Außen­hülle bereits trägt. In Wohnungs­eigentümer­gemeinschaften (WEG) sei dies die einfachste, weil weitgehend konflikt­freie Lösung. „Alte Farbe runter und Schutz­anstrich erneuern“, lautet seine Maxime.

Dagegen sei „jedes Farbkonzept eine bauliche Ver­änderung nach Paragraf 22 WEG-Gesetz, und dem müssen alle Eigentümer zustimmen“. Rein rechtlich reiche für einen Farbwechsel-Beschluss die einfache Mehrheit der WEG-Versammlung. Faktisch könne aber jeder Eigentümer hinterher sein Veto einlegen, weil er sich „gestört“ fühle und um den Wert seines Eigentums fürchte. Das Risiko gehen Verwalter meistens nicht ein. Am Ende zählt der kleinste gemeinsame Nenner.

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Bei Anlagen von Wohnungsgesellschaften ist das anders

Sie nutzen oft aufwendige Konzepte, um monotone Wohnblöcke aufzulockern - etwa mit bunten Balkonen. Mieter haben weder ein Mit­sprache­recht bei der Farbwahl, noch dürfen sie Außen­fassaden selbst anpinseln. „Mieter haben auch kein Recht, selbst Balkone, Geländer oder Teile der Fassade farblich zu gestalten“, erläutert Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Grund­sätzlich müsse sich der Vermieter kümmern, etwa Balkone streichen oder Fassaden ausbessern. Konkrete Fristen gibt es aber nicht. Wie aufwendig und oft gemalert wird, hängt Ropertz zufolge von der Wohnlage und der Miete ab. Wer in der Schloßa­llee lebt, habe eher Anspruch auf Sanierung oder Renovierung von Fassade, Balkon und Treppenhaus als Mieter in der Turmstraße.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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