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Arbeitsrecht, Rentenrecht und Sozialversicherungsrecht | 27.07.2022

Alters­teilzeit und Co

Der frühe Ruhestand muss gut geplant sein

Wichtige Fragen und Antworten im Überblick

Nicht jeder will oder kann bis 65 oder 67 arbeiten. Für den vorgezogene Ruhestand gibt es verschiedenen Optionen. Was dabei wichtig ist.

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Arbeiten bis 67? Viele Beschäftigte möchten gerne früher in Rente gehen. Und das ist möglich, denn nicht jeder muss bis zum regulären Rentenalter arbeiten. Es gibt verschiedene Wege, die eine Frührente ermöglichen. Aber wie sieht es mit den finanziellen Einbußen aus? Grund­sätzlich ist es ratsam, sich bei Interesse ab Mitte 50 bei der Deutschen Renten­versicherung zu informieren. Erste Antworten auf wichtige Fragen gibt es hier:

Bis zu welchem Alter muss ich arbeiten, um die reguläre Altersrente zu erhalten?

Alle, die im Jahr 1964 oder später geboren sind, müssen eigentlich bis zum vollendeten 67. Lebensjahr arbeiten. Die Jahrgänge davor können früher aufhören, ihr Eintritts­alter ist gestaffelt. So gilt beispiels­weise für den Jahrgang 1957 die Grenze von 65 Jahren und 11 Monaten. Menschen mit Geburtsjahr 1960 dürfen laut „Finanztest“ (Ausgabe 07/2022)regulär mit 66 Jahren und vier Monaten in Rente gehen.

Welche Monate werden auf meine Rente angerechnet?

Das kommt darauf an, wann man die Rente beginnen möchte. Für eine vorgezogene Rente nach 35 Beitrags­jahren werden viele Phasen im Leben angerechnet. „Das können neben Zeiten, in denen Arbeit­nehmende sozial­versichert beschäftigt waren oder freiwillig eingezahlt haben, auch Zeiten sein, in denen keine Beiträge gezahlt wurden“, sagt Max Schmutzer, Redakteur bei „Finanztest“.

Dazu zählen zum Beispiel Studien­phasen, Mutter­schutz oder Zeiten, in denen jemand für seine Kinder zu Hause geblieben ist. Letzteres allerdings nur bis zum 10. Lebensjahr des jüngsten Kindes.

Wer eine Frührente nach 45 Versicherungs­jahren in Betracht zieht, kann ebenfalls neben Beitrags­jahren Phasen der Kinder­erziehung und ehrenamtliche Pflege anrechnen lassen, so Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Renten­versicherung Bund. Weitere Beispiele sind Kurz­arbeiter-, Kranken- oder Verletzten­geld.

„Arbeits­losen­hilfe oder Arbeitslosengeld II zählen aber nicht dazu“, sagt von der Heide. Zwei Jahre vor Renten­beginn werde auch Arbeitslosengeld I nur in Ausnahme­fällen gewertet.

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Frührente ohne Abschläge - was muss ich wissen?

Wer es auf mindestens 45 Beitrags­jahre bringt, kann abschlags­frei - also ohne Renten­minderung - früher in Rente gehen. „Nach einer Versicherungs­zeit von 45 Jahren kann man Grund­sätzlich früher in Rente gehen“, sagt Samuel Beuttler-Bohn, Referent für Alters­sicherung und Unfall­versicherung des Sozial­verband VdK Deutschland. Das ist bis zu zwei Jahre vor dem regulären Renten­eintritts­alter erlaubt, das nach Jahrgängen gestaffelt ist.

Was Interessierte dennoch beachten sollten: „Wer zwei Jahre früher Rente bezieht, zahlt dann auch keine Beiträge mehr an die Versicherung“, sagt Schmutzer. Die Altersrente falle daher später geringer aus. Das sei in der Regel aber kein Problem. „Die zusätzlichen Renten­punkte können die zwei Jahre früher ausgezahlte Rente kaum kompensieren.“

Frührente mit Abschlägen - was ist zu beachten?

Wer 35 Jahre Beiträge zur Renten­versicherung gezahlt hat, gilt als „langjährig versichert“ und kann ebenfalls vorzeitig in Rente gehen. Allerdings fallen hier Abschläge an, und zwar 0,3 Prozent pro Monat.

Ein Beispiel: Ab dem Jahrgang 1964 liegt die Regelalters­grenze bei 67 Jahren. „Wenn entsprechende Arbeit­nehmer dann mit 63 Jahren in Rente gehen möchten, müssen sie Abschläge in Höhe von 14,4 Prozent auf ihre Rente in Kauf nehmen“, sagt Beuttler-Bohn.

„Diese Abschläge können ab einem Alter von 50 Jahren durch Sonder­zahlungen ganz oder teilweise ausgeglichen werden“, sagt von der Heide. Er rechnet vor: „Bei einer Bruttorente von 1200 Euro im Monat mindert sich bei einem um drei Jahre vorgezogenen Renten­beginn die Monatsrente um 10,8 Prozent beziehungs­weise um 130 Euro.“ Wer die Summe voll ausgleichen wolle, müsse insgesamt 29 200 Euro an Zusatz­beiträgen einplanen.

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Wie sieht es mit dem Modell Altersteilzeit aus?

„Die Alters­teilzeit ist nur auf Basis einer freiwilligen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeit­nehmer möglich“, sagt Samuel Beuttler-Bohn. Häufig seien Regelungen zur Alters­teilzeit in Tarif­verträgen und Betriebs­verein­barungen enthalten.

Bei der Alters­teilzeit reduziert der Arbeit­nehmer oder die Arbeit­nehmerin mehrere Jahre vor dem regulären Renten­eintritt die Arbeitszeit und das Gehalt, meist um die Hälfte. Wichtig zu wissen: „Der Arbeitgeber stockt die Hälfte des Gehalts um mindestens 20 Prozent des Regel­arbeits­entgelts auf“, sagt Beuttler-Bohn.

Zusätzlich bezahle der Arbeitgeber mindestens 80 Prozent der Renten­versicherungs­beiträge, brauche aber höchstens 90 Prozent der Beiträge einzuzahlen, die für das Regel­arbeits­entgelt fällig wären. „Finanztest“-Redakteur Schmutzer rät: Genau durchrechnen, ob man mit dem geringeren Gehalt über mehrere Jahre auskommen kann. „Gerade in der aktuellen Situation mit regel­mäßigen Preis­anstiegen.“

Wie hat des mit dem Lebensarbeitszeitkonto auf sich?

Ein Wert­guthaben, auch Lebens­arbeits­zeit­konto oder ähnlich genannt, kann mit Arbeit­gebern vereinbart werden. Einfließen können Teile des Gehalts, Einmal­zahlungen, Über­stunden oder nicht genommene Urlaubstage, so Samuel Beuttler-Bohn.

Arbeit­nehmende können sich das Ersparte auch für eine vorzeitige Rente aufheben. Wer vorzeitig vom Arbeitgeber gekündigt wird, kann das Guthaben auf die Deutsche Renten­versicherung Bund übertragen lassen. Voraussetzung ist, dass der neue Arbeitgeber das Konto nicht weiter­führt, sagt von der Heide. „Dafür muss das Wert­guthaben aber mindestens 19.740 Euro in den alten Bundes­ländern und 18. 900 Euro in den neuen betragen“, so Beuttler-Bohn.

Und der Vorruhestand?

Vor­ruhestand wird von Unternehmen oft dann ins Spiel gebracht, wenn es um Stellen­abbau geht. „Finanztest“ weist darauf hin, dass das Ruhestands­geld mindestens 65 Prozent des vorigen Gehaltes betragen muss.

„Natürlich klingt es verlockend, Gehalt ohne Arbeits­leistung zu kassieren“, sagt Schmutzer. Aber es lande monatlich deutlich weniger Geld auf dem Konto. „Rechnen Sie durch, ob Sie Ihren gewünschten Lebens­standard mit geringeren Bezügen halten können.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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