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Arbeitsrecht | 08.01.2019

Abmahnung

Der richtige Umgang mit einer Abmahnung

Arbeitnehmer sollten bei einer Abmahnung nicht zu übereilten Gegen­maßnahmen greifen

Niemand wird gern für ein Fehl­verhalten gerügt. In der Arbeitswelt erfüllt eine Abmahnung diesen Zweck. Arbeit­nehmer sollten diese Vorstufe zu einer Kündigung ernst nehmen - aber nicht zu übereilten Gegen­maßnahmen greifen.

Ständig zu spät gekommen oder das Rauchverbot am Arbeits­platz missachtet - für solches Fehl­verhalten kann es eine Abmahnung geben. Schlimmsten­falls bereitet sie den Weg für eine Kündigung, bestenfalls ist sie dem Mitarbeiter Anlass, etwas zu ändern. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wofür kann abgemahnt werden?

„Eine Abmahnung ist die Vorbereitung für eine mögliche verhaltensbedingte Kündigung. Das heißt, es kann nur um ein Verhalten gehen, das änderbar ist“, erklärt Mirjam Alex, Juristin in der Verdi-Rechts­abteilung. Betroffen sind der Leistungs- und Verhaltens­bereich, außerdem Vertrauens­verstöße. Werden Arbeits­anweisungen nicht befolgt, kann das genauso abgemahnt werden wie ständiges Zu­spätkommen oder verspätete Krank­meldungen.

Anders sieht das zum Beispiel bei häufiger Krankheit aus, also bei Dingen, die nicht steuerbar sind. „Der Arbeitgeber kann kein Verhalten abmahnen, das ihn nichts angeht“, ergänzt Tjark Menssen, Leiter der Rechts­abteilung beim Rechts­schutz des Deutschen Gewerkschafts­bunds (DGB). „Es ist aber nicht ganz einfach zu beantworten, wann das der Fall ist. Es gibt etwa Arbeits­verhältnisse, in denen die Beschäftigten hinsichtlich ihrer Kleidung einen größeren Spielraum haben als in anderen.“

Welche Kriterien muss eine Abmahnung formal erfüllen?

Im Arbeits­recht ist die Hinweis-, Rüge- und Warn­funktion einer Abmahnung fest­geschrieben. „Sie muss auf einen konkreten arbeits­vertraglichen Verstoß hinweisen, diesen Verstoß rügen und Konsequenzen für den Fall androhen, dass ein bestimmtes Verhalten nicht unterbleibt oder wiederholt wird“, erläutert Tjark Menssen. Dabei kommt es auf den Inhalt an, eine bestimmte Form ist nicht notwendig. Die Abmahnung muss nicht einmal ausdrücklich als solche bezeichnet werden. Wirksam ist sie außerdem nur, wenn sie jemand erteilt, der dazu berechtigt ist. „Wer gegenüber dem Beschäftigten das Direktions- und Weisungs­recht hat, kann ihn auch abmahnen“, sagt Jan Witter, Fachanwalt für Arbeits­recht in Bremen.

Kann auch mündlich abgemahnt werden?

Im Grunde ja. „Ein Problem ist allerdings die Beweisbarkeit, wenn es darauf ankommt“, erklärt Tjark Menssen. Im Zweifel muss der Arbeitgeber nicht nur die Rüge an sich beweisen, sondern auch, dass sie inhaltlich konkret genug war. „In der Praxis spielen mündliche Abmahnungen daher keine große Rolle“, weiß Mirjam Alex. Rechtsanwalt Jan Witter hält gleichwohl ein Gespräch für durchaus sinnvoll: „Ich empfehle Arbeit­gebern auch immer wieder, dass man zusätzlich zu einem Vermerk in die Personal­akte zunächst über die Situation spricht und nicht wortlos einen langen Zettel übergibt, auf dem viele Vorwürfe stehen.“

Was hat eine Abmahnung für Konsequenzen?

„Eine Abmahnung ist keine Sanktion für ein Fehl­verhalten, sondern sie soll zu­künftiges Fehl­verhalten verhindern“, betont Mirjam Alex. Das heißt, letztlich soll der Arbeit­nehmer als Konsequenz daraus sein Verhalten ändern. Für den Fall, dass das nicht geschieht, wird die Kündigung angedroht. Ein Mythos ist die Annahme, dass drei Abmahnungen automatisch eine Kündigung bedeuten. gleich­zeitig sind aber auch nicht mehrere Abmahnungen für eine Kündigung notwendig.

„Eine Kündigung wegen eines Fehl­verhaltens oder wegen schlechter Leistung setzt in der Regel zumindest eine Abmahnung voraus“, erklärt Tjark Menssen. Wie häufig vor einer Kündigung abgemahnt werden muss, komme aber unter anderem auf die Schwere des Verstoßes an, wegen dem gekündigt werden soll. Sehr häufig reiche aber bereits eine Abmahnung aus. In Fällen wie zum Beispiel Diebstahl ist auch gar keine Abmahnung für eine Kündigung erforderlich.

Verliert eine Abmahnung irgendwann ihre Wirkung?

„Es gibt keine bestimmte Frist, nach deren Ablauf eine Abmahnung ihre Wirksamkeit verliert“, betont Tjark Menssen. Die Zwei-Jahres-Frist, von der oft die Rede ist, gibt es laut Mirjam Alex, Juristin in der Verdi-Rechts­abteilung so nicht. Wenn es zu einem gerichtlichen Verfahren kommen würde, wäre die Frage: Wie lange wurde ein gerügtes Verhalten nicht erneut beanstandet? „Je geringer der Pflicht­verstoß war, desto eher verliert die Abmahnung an Bedeutung“, sagt Mirjam Alex.

Wie sollte ein Arbeitnehmer auf eine Abmahnung reagieren?

Rügt der Arbeitgeber ein Verhalten, das nach Ansicht des Mitarbeiters nicht zutrifft, ist eine Gegen­darstellung das richtige Mittel. „Der Arbeit­nehmer schildert den Sachverhalt aus seiner Sicht und fordert den Arbeitgeber auf, die Abmahnung aus der Personal­akte zu entfernen oder die Gegen­darstellung der Abmahnung bei zufügen“, erklärt Tjark Menssen. Ansonsten empfiehlt es sich meist, nichts zu unternehmen. „Die Zeit arbeitet für den Arbeit­nehmer“, betont Mirjam Alex. „Relevant wird die Abmahnung erst, wenn die Kündigung ausgesprochen wird, denn dann ist der Arbeitgeber voll beweisbelastet.“

Eine Klage auf die Entfernung der Abmahnung aus der Personal­akte macht in der Regel wenig Sinn, weiß Mirjam Alex: „Weil Sie dann die Sache zu einem Zeitpunkt juristisch aufladen, an dem eine Kündigung noch gar nicht spruchreif ist.“ Haben die Vorwürfe Hand und Fuß, sollten Arbeit­nehmer sie beherzigen, rät Rechtsanwalt Jan Witter: „Man sollte damit nicht zu leichtfertig umgehen, sondern eine Abmahnung durchaus ernst nehmen.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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